Der Fokus auf Unterrichtsqualität zahlt sich aus

267 17.11.2016 10:27
TOP:  2
Stadt:  Kiel

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 2 - Regierungserklärung „Schleswig-Holstein im IQB-Ländervergleich an der Spitze

Studien sind ja grundsätzlich so eine Sache: Je nach Ergebnis werden sie von uns natürlich gerne ignoriert oder auch überhöht. Im Zweifel belegt ein einzelnes Studienergebnis dann auch mal das völlige Scheitern oder den absoluten Erfolg unserer Politik. Zumindest im Bildungsbereich habe ich diesen Eindruck häufiger. Doch natürlich lässt sich anhand einer Studie weder das eine noch das andere belegen. Und genau das ist auch beim IQB-Ländervergleich der Fall: Ja - das Ergebnis für unser Land ist positiv. Und nein - wir können uns jetzt ganz sicher nicht entspannt zurücklehnen.

Tatsache ist, dass bundesweit mehr als 37.000 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe aus 1700 Schulen in Deutsch und Englisch geprüft wurden. Das Abschneiden Schleswig-Holsteins ist hierbei ohne Frage positiv. Denn in allen untersuchten Bereichen gibt es deutliche Verbesserungen. Zumindest für diesen relativ engen, untersuchten Ausschnitt der Schulwelt kann man also festhalten, dass wir mittlerweile zu den TOP-Bildungsländern in Deutschland gehören. Und ich denke, darauf können wir gemeinsam stolz sein.

Viel wichtiger ist aus Sicht des SSW aber eins: Hier wird vor allem auch ein Trend erhoben. Und über die letzten Jahre hat unser Land im deutschlandweiten Vergleich klar erkennbar aufgeholt. Mit Blick auf die Bildungsqualität lässt sich also feststellen, dass sich unsere Schulen in die richtige Richtung entwickeln. Diese Tatsache ist in meinen Augen ein echter Grund zur Freude. Und zwar nicht nur für uns, sondern vor allem für die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und nicht zuletzt die Lehrerinnen und Lehrer.

Natürlich ist das, was uns die IQB-Studie heute zeigt, das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung. Die getesteten Schülerinnen und Schüler gehen ja nicht erst seit gestern zur Schule. Hier spielen also durchaus auch Entscheidungen unserer Vorgänger eine Rolle. Das will ich bestimmt nicht unterschlagen. Vor allem ist dieses Ergebnis aber dem Engagement der Lehrerinnen und Lehrer zu verdanken. Sie sind es, die sich ganz konkret und fortlaufend damit beschäftigen, wie sie ihren Unterricht weiter verbessern können. Und sie sind es, die sich zu diesem Zweck sehr engagiert fortbilden. Und zwar mehr, als in anderen Ländern. Für diesen Einsatz möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken. Diese Tradition wollen wir natürlich fortführen. Und deshalb werden wir bei Fragen der Fort- und Weiterbildungen nicht nur das IQSH sondern eben auch die Lehrkräfte weiterhin tatkräftig unterstützen. 

Eine solche ländervergleichende Studie hat für mich als Bildungspolitikerin aber noch einen weiteren Mehrwert. Denn natürlich haben wir hier in Schleswig-Holstein schon seit längerem die Unterrichtsqualität im Blick. Aber diese Studie zeigt mir eben auch, dass sich unsere zweigliedrige Schulstruktur bewährt. Unsere frühe und verlässliche Entscheidung für starke Gymnasien neben starken Gemeinschaftsschulen bildet den Rahmen für diese positive Entwicklung. Auch unsere Neuordnung der Lehrerbildung trägt hier ihren Teil bei. Denn durch diese Reform ist die Ausbildung unserer angehenden Lehrerinnen und Lehrer endlich zeitgemäß. Sie haben nun zunehmend das Rüstzeug für die aktuellen Herausforderungen. Und auch das bringt Ruhe an die Schulen und trägt natürlich auch zur Entwicklung von Qualität bei. Statt über Strukturen konnten sich also alle Beteiligten schon früh Gedanken über inhaltliche Fragen und über Qualität machen. Diese Ruhe und Planungssicherheit ist es, die in anderen Ländern mit schlechteren Ergebnissen häufig fehlt. Diese Ruhe und den hiermit möglichen Fokus auf Qualität sollten wir aus meiner Sicht unbedingt bewahren. 

Gerade vor dem Hintergrund der positiven Ergebnisse ist eine Sache aus Sicht des SSW ganz besonders wichtig: Das übergeordnete Ziel der Unterrichtsqualität sollten wir natürlich auch dann nicht aus den Augen verlieren, wenn mal eine Studie ein weniger gutes Ergebnis bringt. Gerade weil der langfristige Trend positiv ist, sollten wir nicht leichtfertig Debatten über die Strukturen lostreten. Wer daran interessiert ist, dass unsere Schulen weiterhin gute inhaltliche Arbeit machen können, muss sich auch seiner Verantwortung bewusst sein und entsprechend handeln. Wer aus ideologischen oder wahltaktischen Gründen Schulformen infrage stellt und Wege zum Abitur versperren will, sorgt nicht selten für eine enorme Unruhe vor Ort. Das muss einem klar sein. Und das sollten wir nach meiner Meinung alle miteinander vermeiden. 

Wie am Anfang erwähnt, sind diese Ergebnisse zwar mehr als eine Momentaufnahme aber noch lange kein Grund, weniger hart zu arbeiten. Mir und meiner Partei ist völlig klar, dass wir im Schulbereich weiterhin viele Baustellen haben. Die Studie selbst zeigt ja zum Beispiel, dass das Problem ungleicher Leistungen bei Jungen und Mädchen fortbesteht. Hier müssen wir genauso besser werden, wie bei der Frage der Durchlässigkeit unseres Bildungssystems insgesamt. Denn leider sind bis heute zu viele Bildungswege durch das soziale Erbe beeinflusst oder sogar vorbestimmt. Diese Barrieren und ungleichen Chancen müssen und wollen wir in den kommenden Jahren weiter abbauen. Am Ende müssen wirklich alle genau den Abschluss machen können, der ihren Neigungen und Fähigkeiten entspricht. 

Parallel dazu stellen uns auch die Digitalisierung und das digitale Lernen vor Herausforderungen und vor Fragen, auf die wir noch längst nicht alle Antworten haben. Denn die Welt ist nun mal zunehmend digitalisiert. Und unsere Schulen müssen dieser veränderten Lebenswirklichkeit nicht nur gerecht werden, sondern sie müssen die Chancen, die in diesen Veränderungen liegen, noch aktiver nutzen. Eine zunehmend digitalisierte Welt bedeutet eben gerade nicht, dass unsere Schülerinnen und Schüler zwangsläufig zu kompetenten Mediennutzern werden. Das regelt sich nicht einfach von alleine. Neben vielen technischen Fragen, brauchen wir also gut durchdachte Konzepte, um diese Kompetenzen auch in Zukunft zu vermitteln und zu festigen. 

Fakt ist, dass im Grunde alle Bundesländer im internationalen Vergleich beim Lernen mit und über digitale Medien hinterher hinken. Schon die IT-Ausstattung unserer Schulen variiert noch immer erheblich. Außerdem sind bis dato nur 15 Prozent der Schulen mit einer ausreichenden, zukunftssicheren Bandbreite an das Internet angebunden. Allein bei diesen Grundvoraussetzungen liegt also noch viel Arbeit vor uns. Und daneben ist der Punkt der Aus- und Fortbildung ganz zentral. Denn nur die Vorbereitung unserer Lehrkräfte im Rahmen des Studiums reicht natürlich nicht. Wir wollen und müssen alle in die Lage versetzen, die neuen Möglichkeiten rund um das Digitale Lernen optimal nutzen zu können. Hier gibt es bereits vielfältige Angebote. Und ich hoffe, dass diese auch in Zukunft rege genutzt werden, damit Schule wirklich langfristig mit dem digitalen Wandel schritt hält.

Mit Blick auf all diese Herausforderungen ist es natürlich unsere Aufgabe als Landespolitik, die Schulen zu unterstützen und für bestmögliche Rahmenbedingungen zu sorgen. Vieles, wie die langfristige Sicherung der Unterrichtsqualität, eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung oder auch die zukunftssichere Anbindung unserer Schulen an das Breitbandnetz, sind und bleiben echte Daueraufgaben. Sicher, wir haben hier an vielen Stellen schon einiges bewirkt. Und doch ist mir wichtig zu betonen, dass die Schulen auch in Zukunft Verlässlichkeit und Planungssicherheit brauchen. Wir wollen ihnen genau das geben - und zwar mit Blick auf die Schulstruktur und mit Blick auf die finanzielle und personelle Ausstattung. 

Ich denke, wenn man sich beispielsweise die Entwicklung bei den Lehrerstellen etwas genauer anschaut, wird deutlich, dass wir unsere Verantwortung nicht nur sehen, sondern auch Wort halten. Auch das ist ja eine Grundvoraussetzung für Qualität. Aus Sicht des SSW kann man anhand der letzten viereinhalb Jahre deutlich sehen, welchen Stellenwert Bildung für diese Koalition hat. Und niemand in unseren Reihen will an dieser Ausrichtung etwas ändern.