Durch Förderzentren wird Inklusion erst möglich

10.04.2014 11:01
TOP:  20
Stadt:  Kiel
Drucksache:  18/1731

Von: Jette Waldinger-Thiering

„Wir können und wollen nicht auf die wertvolle Arbeit der Förderzentren verzichten“

Ich denke, spätestens an diesem Punkt sollten wir nun alle in der Lage sein, zu einer sachlichen und vielleicht sogar konstruktiven Debatte zurückzukehren. Nach meiner Auffassung hat man jedenfalls auch beim Thema Förderzentren keinen Anlass zu Empörung oder gar Missbilligung. SSW, Grüne und SPD haben schon im Koalitionsvertrag klipp und klar vereinbart, dass wir an den Förderzentren festhalten. Wir brauchen keine Resolution zum Erhalt dieser Schulform. Denn sie war und ist nicht in Gefahr. Es kann gar keinen Zweifel daran geben: Die Förderzentren leisten hervorragende Arbeit bei der Unterrichtung, Betreuung und Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Handicap. Durch sie wird Inklusion erst möglich. Und nur durch sie wird echte Wahlfreiheit für die Eltern sichergestellt.

Mittlerweile dürfte hoffentlich allen aufgegangen sein, dass Inklusion eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Es geht hier um weit mehr als nur um Bildung. Aber in meinen Augen zeigt das Schicksal vieler Kinder aus den Förderzentren, wie weit wir noch von einer wirklich inklusiven Gesellschaft entfernt sind. Machen wir uns doch nichts vor: Inklusion endet noch zu häufig mit Schulschluss. Wir brauchen aber weitergehende Angebotsstrukturen. Auch im Freizeitbereich müssen Kinder mit Handicap selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft sein. Stattdessen sind sie nicht selten vollkommen isoliert, sobald die Schule aus ist. Hier sehe ich ein Problem - und nicht in den Förderzentren!

Natürlich kommt den Bildungseinrichtungen eine besondere Rolle zu, wenn es um Inklusion geht. Hier müssen und hier werden wir ganz besonders hart arbeiten, um zu Verbesserungen zu kommen. Das Tempo wollen wir ganz bestimmt nicht rausnehmen. Eine Entschleunigung halte ich für den völlig falschen Weg. Aber ich hoffe, wir können uns darüber einig werden, dass gründlich gearbeitet werden muss. Genau das tut das Ministerium, indem es unter Beteiligung von Experten und Betroffenen ein erstes Inklusionskonzept entwickelt, das uns im Sommer vorliegen wird. Selbstverständlich wird hier die Expertise der Sonderpädagogen an den Förderzentren einfließen. Das halte ich für absolut unverzichtbar. Für den SSW will ich aber festhalten, dass nach unserer Überzeugung weder Schnellschüsse noch Panikmache und schon gar keine Stürme in Wassergläsern helfen, wenn wir in Sachen Inklusion wirklich weiterkommen wollen.

Gerade hat die Bertelsmann-Stiftung wieder die Vorreiterrolle Schleswig-Holsteins bei der inklusiven Beschulung bestätigt. Auch in der jüngsten Vergangenheit wurden laut Studie große Fortschritte erzielt. Hierauf werden wir uns aber ganz gewiss nicht ausruhen. Denn wir wollen Stück für Stück zu einem wirklich inklusiven Schulwesen kommen. Eins darf man dabei nicht vergessen: Es steht noch ein umfangreicher - und mit Sicherheit äußerst aufschlussreicher - Bericht zur Inklusion im Schulwesen aus. Und nicht zuletzt sollen auch die Ergebnisse des runden Tisches und der Arbeitsgruppe unter Leitung des Staatssekretärs in das Konzept einfließen. Diese ehrliche Bestandsaufnahme und Faktengrundlage ist in meinen Augen unverzichtbar. Denn wir wollen etwas bewegen und keine Schönfärberei betreiben.
Wir dürfen uns bei dieser wichtigen Aufgabe nichts vormachen: Bis zu unserem Ziel einer möglichst umfassenden Inklusiven Beschulung bei höchstmöglicher Qualität, ist es noch ein weiter Weg. Die Förderzentren sind und bleiben dabei unverzichtbar. Denn sie sichern Wahlfreiheit für die Eltern, die vor der Frage stehen, wie die bestmögliche Förderung ihrer Kinder gewährleistet werden kann. Unabhängig davon müssen wir aber all unsere Lehrkräfte fit machen für diese Herausforderung. Und das sage ich ausdrücklich nicht nur mit Blick auf das neue Lehramt Sonderpädagogik. Dies gilt genauso für die Lehrerinnen und Lehrer, die bereits fertig ausgebildet oder auch schon länger an unseren Schulen tätig sind. Auch ihnen wollen wir hier alle Möglichkeiten und Chancen bieten. Auch in ihren Werkzeugkasten gehören ganz ohne Zweifel inklusive Konzepte und Maßnahmen der inklusiven Unterrichtsgestaltung. Ich bin fest davon überzeigt, dass es uns gemeinsam gelingen wird, Inklusion besser zu machen.