Offener Brief an Reederei Cassen Eils

17.09.2014 13:50

 

Helgoland, den 10. September

Mit Verwunderung haben wir die Aussage der Reederei Cassen Eils vernommen, dass das in Bau befindliche Helgoland-Schiff ausschließlich den Hafen anlaufen und nicht aus- bzw. eingebootet werden soll.

In der Ausschreibung zu einem Schiffsneubau für den ganzjährigen Helgolandverkehr ist die Bedingung, dass das Schiff ausgebootet wird. Auch in dem Verkehrsvertrag mit der Reederei Cassen Eils ist ausdrücklich das Aus- und Einbooten vom 1. April bis 30. September festgelegt.

Der SSW befürwortet und fördert das Alleinstellungsmerkmal Börte und wird daraufhin wirken, dass das Öffentlichkeitsbild der Börte der Realität entsprechend einen positiven Wert erhält.

Aus vielen Gesprächen mit Helgoländern (Wählern) ist zu erfahren, dass der überwiegende Teil dem Vorhaben der Reederei Cassen Eils, nur noch den Hafen anzulaufen, ablehnend gegenüber steht. Überall auf der Welt suchen Touristenorte händeringend nach Alleinstellungsmerkmalen; Helgoland hat hier ein wirklich ganz herausragendes, und die Reederei Cassen Eils will das durch die Entscheidung, nur noch den Hafen anzulaufen, unterminieren.

Bereits vor vielen Jahren hat die Helgoländer Gemeindevertretung die Landungsbrücke für die Zukunft als den Hauptanlandungspunkt durch den kompletten Neubau der Promenade bestimmt. Der erste Bauabschnitt vom Scheibenhafen bis zur Landungsbrücke wurde in 2013 fertiggestellt. Ab diesem Herbst folgt der zweite Bauabschnitt von der Landungsbrücke bis zum Nordosthafen mit Neugestaltung des Nordseeplatzes. Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes handelt es sich um ein Auftragsvolumen von mehreren Millionen Euro.

Auch betont die Reederei Cassen Eils gern die Behindertenfreundlichkeit des Schiffes. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität wird der weite Weg vom Hafen bis in den Ort eine zusätzliche Belastung und die Erfahrungen der vergangenen 60 Jahre mit der Börte zu diesem Themenbereich zeigen, dass es nicht problematischer ist Menschen mit eingeschränkter Mobilität aus-/einzubooten, als über eine enge und holprige Gangway an Land zu bringen.

In unserer Partei stehen die Zeichen zum Thema „Schiff im Hafen“ auf Sturm. Nicht wenige verlangen, dass das Ergebnis der Ausschreibung widerrufen und neu ausgeschrieben werden soll.

Der SSW stellt vier Gemeindevertreter im hiesigen Inselparlament und in Gesprächen mit den anderen im Rat vertretenen Parteien - der SPD (5 Stimmen) und der CDU (4 Stimmen) - kristallisiert es sich heraus, dass diese ähnlich empfinden und das „Ganzjahres-Hafen-Anlaufen“ ablehnen. Auch ein Großteil der Helgoländer Wirtschaft sowie der Fremdenverkehrsverein haben ihre ablehnende Haltung allen Parteien mehr als deutlich kundgetan und angekündigt, die (Fracht-) Kapazitäten des neuen Schiffes nicht nutzen zu wollen.

Wir bitten daher, die Entscheidung, nur den Hafen anzulaufen, zu überdenken und hoffen darauf, dass die Reederei Cassen Eils die Börte als das Alleinstellungsmerkmal erkennt.

Wir hoffen auf eine baldige Entscheidung in unserem Sinne und dem der Helgoländer Bevölkerung sowie der Wirtschaft und bitten ebenso um eine rasche Antwort.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Uwe Menke, Gemeindevertreter und Fraktionsvorsitz

Nickels Krüß, Gemeindevertreter und stellv. Fraktionsvorsitz

Heike Hornbruch, Gemeindevertreter

Thorsten Falke, Gemeindevertreter und 2. stellv. Bürgermeister

Claus Weick, bürgerliches Mitglied Bau- und Umweltausschuss

Claudia Edmund, bürgerliches Mitglied Bade- und Verkehrsausschuss

Peter Krüß, bürgerliches Mitglied Wirtschafts- und Finanzausschuss

Gerwin Bastrup, bürgerliches Mitglied Ausschuss für Familie, Bildung Soziales