Pflanzenschutzmittel gehören weder ins Oberflächenwasser noch ins Grundwasser

187 14.10.2015 11:27
TOP:  41
Stadt:  Kiel
Drucksache:  18/3319

Flemming Meyer zu TOP 41 - Pestizidrückstände in Gewässern

Der Einsatz von Pestiziden ist nicht hundertprozentig kontrollierbar. Soll heißen: Wenn das Gift raus ist, dann wirkt es auch dort, wo es nicht gewollt ist und es lässt sich nicht mehr zurückholen. 

Damit wären wir auch schon beim vorliegenden Bericht.

Bereits seit den 1980’er Jahren gibt es Funde von Pflanzenschutzmitteln (PSM) im Grundwasser. Dies hat seinerzeit dazu geführt, dass 1989 strenge Grenzwerte eingeführt wurden, was zur Stilllegung von Förderbrunnen und Versorgungsanlagen in Schleswig-Holstein führte. Das Problem von PSM im Grundwasser ist also bereits seit über vier Jahrzehnten bekannt. 

Und wenn wir heute den Bericht lesen, müssen wir feststellen, dass das Problem nicht weniger geworden ist. Dem Bericht liegen die aktuellen Analyseergebnisse für Grundwasser aus dem Zweitraum von 2010 bis 2014 zugrunde. 

In diesem Zeitraum wurden 387 Grundwassermessstellen – einmalig oder mehrfach – auf PSM-Wirkstoffe oder veränderte Abbaustoffe (Metaboliten) untersucht. 

Das Ergebnis zeigt, dass in 139 dieser Messstellen Wirkstoffe oder Abbaustoffe nachgewiesen wurden. Bei 12 Untersuchungen wurden Wirkstoffe und relevante Metabolite gefunden, die den gesundheitlichen Orientierungswert überschreiten. Bei 9 Messstellen wurde der gesundheitliche Orientierungswert von nicht relevanten Metaboliten gemessen. Insgesamt wurden Wirkstoffe und oder deren Abbaustoffe nahezu flächendeckend ermittelt. Auch wenn Häufigkeit und Höhe der Befunde nicht auf ein massives flächendeckendes Problem schließen lassen, so dürfen wir es aber auch nicht verharmlosen. Und wenn wir das Problem nicht angehen, dann wird es irgendwann auch in Trinkwasser führende Schichten gelangen. 

Die Untersuchungsergebnisse der Oberflächengewässer sind noch gravierender. Nahezu flächendeckend, in 91 % der Messstellen, werden PSM-Wirkstoffe nachgewiesen. Der Bericht macht deutlich, dass die Wirkstoffe und deren Abbauprodukte zur Nichterreichung der Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie beitragen.

Es herrscht also durchaus Handlungsbedarf. Pflanzenschutzmittel gehören weder ins Oberflächenwasser noch ins Grundwasser. Wir werden das Problem aber so schnell nicht lösen können. Die Untersuchungen der grundwasserführenden Schichten, machen deutlich, dass die Tiefenverlagerung der Stoffe sich Jahre bis Jahrzehnte hinziehen kann. 

Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lag der bundesweite Pestizidabsatz 1993 bei knapp 29.000 Tonnen und in 2013 bei rund 44.000 Tonnen. Das entspricht einem Zuwachs von 51 %. Auch wenn daraus nicht hervorgeht, um welche Wirkstoffe es sich handelt, gibt es doch einen Überblick, wie sehr der Verbrauch an PSM gestiegen ist. Es macht aber auch deutlich, dass wir in Schleswig-Holstein nicht allein vor dem Problem stehen. Es ist ein nationales Problem, das angegangen werden muss.

Bei dieser Diskussion darf es nicht um Landwirtschafts-Schelte gehen. Generell muss das Bewusstsein geschärft werden, wie Pflanzenschutzmittel ins Wasser gelangen. Es müssen Empfehlungen erarbeitet werden, wie Eintragsrisiken minimiert werden. Hierzu möchte ich erwähnen, dass dies dann auch für Grundstückseigentümer in Betracht gezogen werden muss, denn auch auf privaten Grundstücken kommt die Spritze zum Einsatz. 

Die Landwirtschaft darf aber auch nicht aus ihrer Verantwortung genommen werden. Hier müssen Politik und Landwirtschaftsverbände stärker zusammenarbeiten. Es muss darum gehen, Lösungen zu erarbeiten. Wer nun aber glaubt, in gentechnisch veränderten Organismen die Lösung der Probleme gefunden zu haben, der ist auf dem Holzweg. Denn damit würde man nur den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. 

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: