Wir wollen nicht nur frühkindliche Betreuungsangebote sondern echte Bildungsangebote

215 18.11.2015 15:14
TOP:  15+21
Stadt:  Kiel
Drucksache:  18/2403, 18/3504 und 18/3503

Flemming Meyer zu TOP 15 + 21 - Kindertagesstätten und Tagespflege + Flexiblere Betreuungsangebote schaffen - die Qualität entscheidet

Erst einmal möchte ich mich beim zuständigen Ministerium für die sehr ausführliche und gleichzeitig präzise Beantwortung der großen Anfrage bedanken. Spätestens hiermit haben wir einen wirklich umfassenden Überblick über unsere frühkindliche Bildungs- und Betreuungslandschaft. Und spätestens jetzt dürfte allen klar sein, dass wir in diesem Bereich in den vergangenen Jahren extrem viel bewegt haben. 

Was die Grundversorgung mit frühkindlichen Betreuungsangeboten beziehungsweise Kita-Plätzen angeht, hat Schleswig-Holstein im Bundesvergleich sehr viel Boden gutgemacht. Wir alle wissen, dass dies nicht nur ein Verdienst der jetzigen Regierung ist, sondern letztlich das Ergebnis einer entsprechenden politischen Prioritätensetzung und damit unser gemeinsamer Erfolg. Bund, Länder und Kommunen haben hier in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet und gemeinsam eine echte Herkulesaufgabe gestemmt. Um nur mal eine Zahl zu nennen: Allein bei den Investitionskosten für den Ausbau wurde den Kreisen und kreisfreien Städten von 2008 bis 2015 insgesamt 111,9 Millionen an Landes- und 82,3 Millionen an Bundesmitteln zugewiesen. 

Natürlich machen wir keine Politik für tolle Statistiken oder gute Platzierungen in Ländervergleichen. Wir machen Politik für die Menschen im Land. Und schon unsere Kleinsten sollen möglichst gleichwertige Chancen auf Bildung und damit auf ein selbstbestimmtes Leben haben. Dafür ist es aus Sicht des SSW wichtig, dass wir gerade jetzt nicht nachlassen. Denn unser Ziel ist es, eine echte frühkindliche Bildungsinfrastruktur zu schaffen. Mit Betonung auf dem Wort Bildung. Was ja weit mehr ist, als ein einfaches Betreuungsangebot, oder bösartig formuliert: Aufbewahrungsangebot. Natürlich gibt‘s das nicht gratis: Aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich jeder Euro, den wir in eine möglichst frühzeitige und intensive Bildung investieren, mehr als auszahlt. Denn je früher sprachliche wie motorische Defizite oder soziale Auffälligkeiten erkannt werden, desto früher kann eine gezielte Förderung einsetzen. Dies erleichtert nicht nur die Schullaufbahn des Kindes, sondern macht spätere teure Fördermaßnahmen überflüssig. 

Ich will damit nicht sagen, dass es nicht auch bei der Qualität deutliche Verbesserungen gibt. Und doch glaube ich, dass wir hier noch einiges tun können. Sicher, wir haben längst einen Bildungsauftrag formuliert, nach dem auch gewissenhaft gearbeitet wird. Wenn wir aber beispielsweise nach Dänemark schauen, stellen wir fest, dass die Ansprüche an die frühkindliche Bildung, und die mit ihr verbundenen Ziele, nicht nur vielfältiger sind, sondern auch tiefer gehen. Der pädagogische Lehrplan umfasst hier unter anderem die Entwicklung der Persönlichkeit, der Sprache oder sozialer Kompetenzen. Auch Körpergefühl und Bewegung oder die Vermittlung von kulturellen Ausdrucksformen und Werten sind hier gesetzlich vorgegeben. Und zwar für jeden Kindergarten. Und mit dem entscheidenden Nebeneffekt, dass die Mitwirkung der Eltern beim Erreichen dieser Ziele deutlich verbindlicher ist, als bei uns.

Aus Sicht des SSW ist nicht nur mit Blick auf die große Anfrage klar zu erkennen, dass wir hier insgesamt auf einem guten Weg sind. Der bildungspolitische Schwerpunkt dieser Regierung wird auch im Bereich Kita mehr als deutlich. Gleichzeitig ist aber allen Beteiligten klar, dass wir hier nicht stehen bleiben können. Nehmen wir zum Beispiel das alles bestimmende Thema Flüchtlinge: Diese Menschen müssen selbstverständlich und schnellstmöglich den gleichen, umfassenden Zugang zu unseren Bildungseinrichtungen bekommen. Das ist unser Anspruch. Und der gilt für Kita, Schule oder Hochschule gleichermaßen. Umso wichtiger ist es, diesen Menschen echte Zukunftschancen durch gute Bildung zu geben. Und deshalb ist es auch umso wichtiger, nicht nur die Kapazitäten sondern auch die Qualität im Fokus zu haben. Daran werden wir weiter arbeiten.