Wir wollen Perspektiven für junge Menschen schaffen

21.02.2014 10:37
TOP:  34
Stadt:  Kiel
Drucksache:  18/1371

Von: Jette Waldinger-Thiering

„Arbeitsverwaltung, Jugendhilfe, Wirtschaft und Kommunen müssen bei der Betreuung junger Menschen noch enger zusammenarbeiten“

Wie Sie sicher wissen, haben sich SSW, Grüne und SPD zum Ziel gesetzt, durch unsere Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik möglichst alle Menschen mitzunehmen. Das heißt, wir wollen alles tun, um vor allem jungen Leuten die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, auf gute Bildung und ein selbsterzieltes Einkommen zu geben. Keiner soll verlorengehen oder zurückgelassen werden. Dieses Ziel ist und bleibt hochaktuell. Denn die Zahl der Schulabbrecher und die Zahl der jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz ist hierzulande nach wie vor zu hoch. Und wer ehrlich ist, wird zugeben müssen, dass auch hierzulande die Ansätze zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit nicht immer das Gelbe vom Ei sind. Nach Auffassung des SSW tun wir jedenfalls gut daran, wenn wir uns beim Thema Betreuung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch neuen Mitteln und Wegen öffnen.

Gerade an den wichtigen Nahtstellen zwischen Schule und Ausbildung beziehungsweise Ausbildung und Beruf gibt es aus unserer Sicht durchaus noch Verbesserungsbedarf. Denn zumindest nach meinem Eindruck werden bis heute viel zu viele Jugendliche und junge Erwachsene in irgendwelchen Übergangssystemen geparkt. Es ist doch kein Wunder, wenn diese Menschen nach einiger Zeit kaum noch Perspektiven für ihre Zukunft und ihr Leben sehen. Natürlich mag man die Situation junger Menschen unterschiedlich bewerten. Aber trotzdem hoffe ich, dass wir in dieser einen Sache gleicher Meinung sind: Grundsätzlich brauchen wir noch effektivere Instrumente und Maßnahmen, wenn es um die Begleitung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf dem Weg in Beruf und Ausbildung geht.

Beim Thema Jugendberufsagentur nach Hamburger Vorbild habe ich für meine Partei von Anfang an betont, dass wir hier großes Potential für Schleswig-Holstein sehen. Das Ergebnis der von uns gewünschten unvoreingenommenen Prüfung liegt nun seit einiger Zeit vor. Und es ist keine große Überraschung, dass der vorliegende Bericht nicht zuletzt auf die erheblichen Unterschiede zwischen einer Stadt wie Hamburg und einem Flächenland wie Schleswig-Holstein abhebt. Diese Tatsache will niemand leugnen. Doch klar ist auch, dass die schlichte eins-zu-eins-Kopie des Hamburger Modells nie das Ziel war. Umso mehr freut mich die Einschätzung der Landesregierung, nach der wir trotz struktureller Unterschiede einiges aus dem Hamburger Beispiel lernen können.

Ich denke, der Bericht liefert an verschiedenen Stellen wertvolle Erkenntnisse: Es wird natürlich auf den wichtigen Aspekt des Datenschutzes verwiesen, der in einem Flächenland aus gutem Grund eine rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit erschwert. Hier gibt es ein erhebliches Hindernis für die Übertragung des Gesamtmodells. Und trotzdem wird eines am Hamburger Beispiel beeindruckend deutlich: Die möglichst enge Vernetzung und Zusammenarbeit der wirklich relevanten Akteure ist eindeutig im Interesse der jungen Menschen, die von Arbeits- und Perspektivlosigkeit bedroht sind. Es ist völlig einleuchtend und trotzdem noch lange nicht selbstverständlich, dass Arbeitsverwaltung, Jugendhilfe aber auch Wirtschaft und kommunale Akteure vor Ort im engen Austausch und gemeinsam im Sinne der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammenarbeiten. Und deshalb sage ich, dass wir genau an diesem Punkt noch besser werden müssen.

Nicht nur Hamburg zeigt, dass Kompetenzgerangel und Zuständigkeitsdenken bei Behörden häufig kontraproduktiv wirken. Wenn Sie mich fragen, dann können wir uns solche „Reibungsverluste“ aber bei dem wichtigen Thema der Betreuung und Aktivierung junger Menschen nicht leisten. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels können wir es uns nicht erlauben, diese jungen Leute, die am Anfang ihres Berufswegs stehen, irgendwo im Dschungel der Zuständigkeiten zu verlieren.

Ich denke, eins dürfte dabei allen hier klar sein: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir haben vielerorts gut funktionierende Strukturen, an denen wir selbstverständlich festhalten wollen. In vielen Fällen arbeiten Arbeitsverwaltung und Jugendhilfe Hand in Hand. In vielen Regionen und vielen Städten wird Jugendlichen und jungen Erwachsenen schon nach dem Prinzip der „Hilfe aus einer Hand“ geholfen. Und diese effektiv und vor allem zu ihrem Vorteil. Aus Sicht des SSW sollten wir diese Strukturen so schnell wie möglich ausbauen.