Bericht zur Lage der dänischen Minderheit im Kreis Schleswig-Flensburg

11.10.2017 11:43

Nachdem die Kreisverwaltung im Jahr 2012 ihren letzten Bericht zur Lage der dänischen Minderheit im Kreis vorgelegt hatte, einigten sich Landrat Dr. Buschmann und die SSW Kreistagsfraktion im Mai 2016 dahingehend, einen aktuellen Bericht bis zum Frühjahr 2017 auszuarbeiten und vorzulegen. Nun wurde der aktuelle Bericht auf der Kreistagssitzung am 27. September vom Landrat vorgestellt.

Die im Kreistag vertretenen Parteien lobten das Ergebnis im Sinne von Vorbildfunktion, Lebendigkeit und guter Verständlichkeit. Gerne sollte ein Bericht künftig einmal je Legislaturperiode vorgelegt werden.
Auch wir vom SSW bedanken uns bei der Kreisverwaltung recht herzlich für die finale Umsetzung. Einige Anmerkungen haben wir jedoch.

• Es fehlt uns noch der Wille der Verwaltung, die dänische Sprache als Mehrwert hervorzuheben.Der Kreis Schleswig-Flensburg ist der Kreis mit dem längsten Grenzverlauf zum dänischen Nachbarn und zugleich jener mit den meisten Pendlern von und nach Dänemark. Daher sieht der SSW in punkto dänische Sprache noch Optimierungsbedarf.Hier dürfte der Kreis Schleswig-Flensburg gerne höhere Prioritäten setzen. Öffentliche Beschilderungen zu und an Sehenswürdigkeiten, Einrichtungen und Gebäuden im Kreisgebiet sollten generell in deutscher und dänischer Sprache beschriftet sein. Ebenfalls besteht vielerorts Bedarf an Wegweisern zu den Einrichtungen der Minderheit in den Zufahrtstraßen und Zuwegungen im Kreis. Dies wäre sinnvoll, um das existierende doppeltkulturelle Profil im Kreis zu stärken und auch, um mit dieser geschichtlich bedingten Sprachenvielfalt zu werben. Zudem erkennen wir weiterhin Nachholbedarf bei den dänischen Sprachkenntnissen der Angestellten im Kreis. Hier sollten die Bemühungen intensiviert werden, die Sprachkompetenz der Mitarbeiter in allen Bereichen der Verwaltung zu fördern und diese auch bei der Personalrekrutierung als Kriterium zu berücksichtigen. 

• Das Internetangebot des Kreises Schleswig-Flensburg wird bisher lediglich in deutscher Sprache vorgehalten. Zumindest Hinweise und wichtige Themen sollten zusätzlich in dänischer Sprache erfolgen. Nicht nur in Bezug auf den wachsenden Tourismus aus Dänemark – sondern auch für Dänen, die berufsbedingt oder aus anderen Gründen in den Kreis Schleswig-Flensburg ziehen. Warum nicht mit den Vorteilen und Vorzügen des Kreises werben und den interessierten Menschen aus Dänemark zeigen, was der Kreis für sie und ihren Familien zu bieten hat. Auch so können wir einen nötigen Mehrwert für unsere gemeinsame Grenzregion generieren.   

• Das europaweit bekannte Danewerk kommt im aktuellen Bericht deutlich zu kurz - zumal vor dem Hintergrund, dass die Kultusministerkonferenz sich für eine Nominierung der Wikingerstätten Haithabu/Hedeby und Danewerk/Danevirke als UNESCO-Weltkulturerbe ausgesprochen hat. 

• Während der Beratung des Berichts wurde angeregt, die Lage der im Kreis lebenden Migranten künftig ebenfalls in den Minderheitenbericht aufzunehmen. Hiervon ist dringend abzuraten.Im Gegensatz zu zugewanderten Personen unterschiedlicher Nationalitäten ist die dänische Minderheit eine autochthone, im Landesteil Schleswig beheimatete Minderheit. Eine thematische Vermengung von Minderheiten und Migranten wäre für alle Beteiligten kontraproduktiv.Gleichwohl hielte der SSW einen zusätzlichen, separaten Bericht zur Lage der im Kreis lebenden Migranten durchaus für sinnvoll.  

Bodo Neumann,
Pressesprecher der SSW Kreistagsfraktion / SSW Kreis Schleswig-Flensburg