CDU und Grüne gefährden den Theaterstandort Schleswig

23.02.2014 19:54

Gemeinsame Pressemitteilung der Fraktionen von SPD und SSW in der Schleswiger Ratsversammlung

Zwei Tage vor der entscheidenden gemeinsamen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses, des Kultur-, Sport- und Tourismusausschusses sowie des Finanzausschusses haben CDU und Grüne einen gemeinsamen Antrag veröffentlicht, der beinhaltet, dass das neu zu errichtende Theater am Lollfuß statt auf dem Hesterberg errichtet werden soll.
Vorab soll noch ein unabhängiger Statiker, der nicht aus Schleswig-Holstein kommt, überprüfen, ob die Aussagen des Herrn Günter Harenberg zutreffen, dass das Theater mit einem Aufwand von 200.000,- € zu sanieren ist, oder ob die Aussagen der anderen bisher tätigen Sachverständigen zutreffend sind, dass das Gebäude einsturzgefährdet ist und ein Sanierungsaufwand von rd. 8 Mio. € entsteht.
Dazu erklären die Vorsitzenden der Fraktionen von SPD und SSW, Stephan Dose und Otmar Petersen übereinstimmend: „CDU und Grüne gefährden mit diesem Beschluss den Theaterstandort Schleswig und den Bestand des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters insgesamt!“
Bereits im Jahr 2011 hat der Schleswiger Architekt Haupthoff erhebliche Schäden im und am  Theatergebäude im Lollfuß festgestellt und den Sanierungsaufwand seinerzeit mit rd. 8 Mio. € beziffert. Es wurden Langzeitmessungen im Theatergebäude durchgeführt, die ergaben, dass das Gebäude erheblich in Bewegung ist. Das renommierte Statikbüro Korsch und d´Aubert haben daraufhin die Standsicherheit des Gebäudes als nicht mehr gewährleistet eingestuft. Es wurde ein weiterer Prüfstatiker sowie die Bauaufsicht des Kreises Schleswig-Flensburg zu Rate gezogen und das Gebäude dann gesperrt. Die CDU hat diese Ergebnisse seinerzeit angezweifelt und den bekannten Hamburger Architekten von Bassewitz, zu dem persönliche Kontakte bestanden, herangezogen. Dieser stellte fest, dass das Theatergebäude zwar grundsätzlich sanierungsfähig ist, bestätigte aber auch, dass seine Kollegen, die vorher das Gebäude untersucht hätten und auch das Stadtbauamt absolut korrekt gehandelt hätten. Auch die Kostenschätzung von Herrn Haupthoff wurde bestätigt. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie haben Architekten und Statiker des Büros DFZ das Theatergebäude ebenfalls untersucht und die Auffassung der vorgenannten ebenfalls bestätigt. Somit wurde das Theatergebäude nunmehr von mindestens acht voneinander unabhängigen Architekten und Statikern untersucht – alle mit dem gleichen Ergebnis.

Nun, eine Woche vor der entscheidenden Sitzung wurde – erneut auf betreiben der CDU – das Statikbüro Harenberg tätig. Lt. Homepage „ein kleines Ingenieurbüro aus dem Norden Schleswig-Holsteins“. Dieser Herr Harenberg behauptet, dass die Schäden gar nicht so groß sind und die Standsicherheit mit ein paar Leimbindern und einem Aufwand von ca. 200.000 € wieder herzustellen wäre. Der Kontakt zu Herrn Harenberg wurde über den Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion Timo Kux hergestellt, für den Herr Harenberg offenbar Pflegeheime gebaut hat. Auf diesen Herrn Harenberg stützt sich nun die CDU und möchte, wie bereits beschrieben, einen Gutachter der nicht aus Schleswig-Holstein stammt, einschalten.

Der Schleswiger Bürgermeister Dr. Christiansen schlägt vor, dass sich doch zunächst der Bauausschuss mit den Aussagen von Herrn Harenberg befasst unter Hinzuziehung eins Sachverständigen des Landes. Diesem Vorschlag können sich SPD und SSW anschließen.

In einem Gespräch im Kulturministerium am 17. Februar wurde allen in der Schleswiger Ratsversammlung vertretenen Fraktionen und Parteien erklärt, warum ein Standortwechsel zum Lollfuß nicht mehr möglich ist. Seit Mai 2013 arbeiten alle Beteiligten auf Grundlage des Beschusses der Schleswiger Ratsversammlung (mit den Stimmen der CDU) am Standort Hesterberg. Nur für diesen Standort gibt es eine Finanzierung, an der sich das Land mit Grund und Gebäude sowie der Sanierung der Schadstoffbelastung und einer Risikoabdeckung für eine mögliche Steuerbelastung beteiligt, die Kommunalen Spitzenverbände beteiligen sich mit 6,3 bis 6,9 Mio. Euro, der Kreis Schleswig-Flensburg mit 0,5 Mio. Euro und die Kulturstiftung mit weiteren 0,5 Mio. Euro.

Wenn sich die Schleswiger Ratsversammlung am 27. Februar nicht für den Standort Hesterberg entscheidet, wird das Land bzw. die Stiftung Schleswig-Holsteinischer Landesmuseen den Standort Hesterberg als Magazin für die Volkskundlichen Sammlungen selbst nutzen, denn auch der Stiftung läuft nun langsam die Zeit weg. Somit steht der Hesterberg dann nicht mehr zur Verfügung. Damit wird es dann auch keine Finanzierung der anderen Partner geben. Das wurde klar erklärt.

CDU und Grüne wissen das alles sehr genau, sie haben an den Gesprächen teilgenommen. Wider besseren Wissens stellen sie also den Antrag für den Lollfuß. Damit riskieren sie die Zukunft des Theaterstandorts, die Zukunft der Landestheater GmbH, die Zukunft der 360 Mitarbeiter und auch die Zukunft Schleswigs. Man kann sich fragen, warum CDU und Grüne so handeln und die Antwort kann nur lauten: Das Scheitern des Theaterprojekts ist beabsichtigt. CDU und Grüne geben die Stadt Schleswig der Lächerlichkeit preis.

Zu allem Überfluss wird Dr. Arthur Christiansen, der erst wenige Wochen im Amt ist, und sich sehr intensiv dafür eingesetzt hat, dass Schleswig Theaterstandort bleibt und der sich mit allen Bedenken der Mitglieder der Ratsversammlung intensiv auseinander gesetzt hat und versucht hat, alle diese Bedenken auszuräumen, im Antrag der CDU und Grünen mit straf- und zivilrechtlichen Schritten bedroht. Dieses Verhalten ist nicht mehr nachvollziehbar und zerstört eine Basis des Vertrauens und der guten Zusammenarbeit.

Stephan Dose                                                  Otmar Petersen

Vorsitzender SPD-Fraktion                         Vorsitzender SSW-Fraktion