Änderung des Schleswig-Holsteinischen Schulgesetzes

27.02.2008 11:07

Von: Lars Harms


Vor ein paar Tagen las ich in der Zeitung von der überzeugenden Arbeit des Schul-Sozialpädagogen in Bornhöved. Der Artikel ist überschrieben mit „Einsatz des Sozialpädagogen ist unverzichtbar“. Die gute Arbeit des Sozialpädagogen soll nach Willen des Schulträgers in der geplanten Gemeinschaftsschule fortgeführt werden. Allerdings weiß der Schulverband noch nicht, wie er diese Stelle tatsächlich finanzieren soll. Der Kreis Plön hat die Mittel für das Projekt „Jugendhilfe und Schule“ erst einmal aufgestockt, so dass der Pädagoge möglicherweise hieraus finanziert werden kann.

Es gibt weitere Beispiele für gute Erfahrungen mit Sozialarbeit in der Schule. In der Grund- und Hauptschule Friedrichstadt gibt es die so genannte Schulinsel. Drei Lehrerinnen, eine Sonderschullehrerin und eine Sozialpädagogin unterstützen die Schüler. Schulische oder familiäre Probleme werden frühzeitig erkannt und deren Folgen abgefangen. In der Hauptschule Schafflund sorgt die individuelle Förderung durch einen Sozialpädagogen und eine Familientherapeutin dafür, dass fast alle Schüler im letzten Jahr eine Lehrstelle bekamen.

Die Liste der Beispiele guter Arbeit von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern an schleswig-holsteinischen Schulen ließe sich fortsetzen: Allen gemeinsam ist der positive Effekt, den Sozialarbeit in der Schule hat: Direkt und ohne Umwege erreichen Pädagogen und Sozialarbeiter ihr Klientel dort, wo es sich täglich am längsten aufhält: nämlich in der Schule. Probleme können bereits frühzeitig angepackt werden. Schule schwänzen, Angst vor Schulversagen, aber auch Sorgen um die Zukunft der Familie können sich ohne frühzeitige Intervention zu massiven Problemfeldern entwickeln, die sich auf den Erfolg von Schülern und auf ihre allgemeine Entwicklung auswirken. Das muss nicht sein.

Der SSW hat bereits in der Vergangenheit die Wichtigkeit der Sozialarbeit in der Schule betont. Alle Beispiele zeigen die Erfolge der Sozialarbeit an den Schulen, was übrigens auch für kleine Schulen gilt. Wir setzen uns dafür ein, dass Sozialarbeit ein ganz normaler Teil der Schule wird; so wie der Englisch-Unterricht oder die Musikstunden. Ich betone das an dieser Stelle, weil Sozialarbeit kein Luxusangebot ist, das den großen Ganztagsschulen vorbehalten ist.
Kinder sind keine Lernmaschinen, sondern Menschen. Sie plagen Sorgen und Nöte. Diese Sorgen haben allerdings im Unterricht oftmals keinen Platz. Umso wichtiger ist es, dass die Schule Sozialarbeit anbietet, um diesen Bereich abdecken zu können. Das Angebot muss aus einer Hand kommen, damit Interventionen rasch, zielgerichtet und zeitnah erfolgen können. Das gilt für alle Schulen und Schularten.

Wenn wir über Ganztagsschulen sprechen, möchte ich noch einmal die Position des SSW in Erinnerung rufen und die lautet: Professionalisierung.
Wir sind überzeugt von der Notwendigkeit, Sozialarbeit in die Schule zu integrieren. Kein Modellprojekt oder Einzelvorhaben ist nötig, um diese Erkenntnis zu vertiefen. Also machen wir Nägel mit Köpfen: Sozialarbeit gehört in die Schule und wir müssen Sorge tragen für eine belastbare Finanzierung professioneller Pädagogen. Eine Politik, die sich von einem Projekt zum nächsten hangelt, mag zwar immer mal wieder Anlass für eine schöne Presseerklärung bieten, hilft letztlich aber dem Schulträger nicht. Wir sind überzeugt von der Sozialarbeit in der Schule und fordern die Umstellung der Projektfinanzierung auf eine Regelfinanzierung.

Es besteht überhaupt kein Grund, die Sozialarbeit nicht gleichberechtigt in das Angebot der Schulen zu integrieren. Dazu müssen Haushaltstitel geschaffen werden, um eine langfristige Planung zu ermöglichen. Möglicherweise kann man die Finanzierung eines solchen Angebotes auch gemeinsam mit der kommunalen Ebene, als Träger der Jugendhilfe, auf die Beine stellen. Hier müssten wir in jeden Fall Gespräche führen, wenn denn das Schulgesetz entsprechend geändert werden soll.

Bei aller Gutwilligkeit haben wir in Schleswig-Holstein noch immer keine Schulsozialarbeit aus einem Guss: Es fehlt eine systematische Einbindung in den Schulalltag und es fehlt eine dauerhafte Finanzierung. Beides müssen wir schleunigst ändern. Und dazu kann die heutige Initiative der FDP einen wichtigen Beitrag leisten.