Anbindung von Kiel an den Flughafen Hamburg sicherstellen

02.06.2006 11:19

Von: Lars Harms

Das Ursprungsansinnen, das die Wirtschaft mit den zum Glück gescheiterten Ausbauplänen in Kiel-Holtenau hatte, ist immer noch nicht angegangen worden. Immer noch ist die KERN-Region – und hier insbesondere Kiel und Neumünster – nicht vernünftig an das Flugnetz angebunden. Es ist dringend notwendig, dass beide Städte eine Anbindung an den Flughafen in Hamburg erhalten. Aufgrund dieser Notwendigkeit wurde schon vor Jahren die Idee eines Metroexpress oder Schienenfliegers geboren, der Kiel und vielleicht auch Neumünster mit Hamburg verbinden sollte.

Wir sind natürlich jetzt viel schlauer als noch in der Startphase dieser Idee, als wir alle uneingeschränkt begeistert von dieser Möglichkeit waren. Inzwischen ist man dem Projekt jetzt etwas mehr auf den Grund gegangen und man hat festgestellt, dass hier natürlich die finanziellen Fragen und auch die logistischen Schwierigkeiten gelöst werden müssen, ehe man wirklich konkret an das Projekt Schienenflieger heran geht. Allerdings dürfen die finanziellen Argumente auch nicht zum Todschlagargument gegen ein sinnvolles Projekt umfunktioniert werden. Es ist immer auch die Frage, wo man Prioritäten setzt, die hier geklärt werden muss. Wir sind der Meinung, dass vorrangig die konkreten Verkehrsprobleme im Land gelöst werden müssen. Bevor man also von Milliardengräbern wie der Fehmarn-Belt-Querung träumt und man möglicherweise auch aus Mitteln des Landes Schleswig-Holstein Anbindungen an diese Querung finanziert, muss man die vordringlichen Verkehrsprobleme des Landes gelöst haben. Und wir haben nun einmal kein Verkehrsproblem auf der Vogelfluglinie, wo das Konzept From-Road-To-Sea ja zu unser aller Zufriedenheit umgesetzt wird, sondern unsere Probleme haben wir an anderen Stellen im Land.

Wenn wir die Wirtschaftskraft der KERN-Region stärken wollen, müssen wir für eine bessere Anbindung an das internationale Verkehrsnetz sorgen. Das ist schon immer der Ursprungsgedanke gewesen und diesen sollten wir auch weiter verfolgen. In der gutachterlichen Stellungnahme, die uns hinsichtlich des Schienenfliegers vorliegt, ist nun alles grob überprüft worden. Insbesondere die schnelle Anbindung des Hamburger Hauptbahnhofs scheint doch schwieriger zu sein, als alle dachten. Das heißt aber auch, dass man sich eben gerade erst einmal auf das eigentliche Ziel des Schienenfliegers beschränken sollte, wenn man die Machbarkeit überprüfen will. Und das eigentliche Ziel war immer nur die schnelle Anbindung an den Flughafen Hamburg. Diese Anbindung ist auch nach dem neuen Gutachten durchaus möglich und kann zu erheblichen Verbesserungen führen.

Dass wir natürlich auch aus Wirtschaftlichkeitserwägungen heraus eine Einbindung des Pendlerverkehrs betrachten müssen, ist vollkommen klar. Aber eben nicht als vordringliches Ziel, sondern nur als eine wichtige zu beachtende Größe im Gesamtkonzept. Beides – eine hervorragende Anbindung für die Pendler und eine hervorragende Anbindung der KERN-Region – wird nicht uneingeschränkt zu haben sein. So realistisch sind wir wohl alle. Aber es ist auch klar, dass es mit den ersten Voruntersuchungen, die uns im Kieler Rathaus vorgestellt wurden, nicht getan ist. Im Rahmen dieser Untersuchungen konnte noch kein abschließendes Ergebnis erzielt werden. Vielmehr hat man jetzt eine Grundlage geschaffen, auf der man weitere Untersuchungen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie durchführen könnte. Dabei würde ich empfehlen, dass man auch Pro-Bahn mit einbezieht, damit man nicht immer übereinander, sondern miteinander redet. Mir ist schon bewusst, dass wir auf viele Schwierigkeiten treffen könnten, aber trotzdem halten wir am ursprünglichen Vorschlag der Grünen fest und meinen, dass sich eine Machbarkeitsstudie lohnt. Wir wollen dieses wichtige Projekt nicht vorzeitig opfern, sondern weiter die Grundlagen für eine best mögliche Anbindung der KERN-Region an den Hamburger Flughafen schaffen und dabei so weit wie möglich auch die Interessen der Pendler mit einbeziehen. Hier haben wir ein wichtiges Aufgabenfeld, dessen Lösung wesentlich wichtiger für die Menschen und Betriebe im Land ist, als eine teure Transitstrecke über den Fehmarn-Belt.

Aber so lange wir nicht eine solche Schienenanbindung nach Hamburg haben, müssen wir auf den Bus setzen. Wir haben durch die Autokraft gute Verbindungen nach Hamburg, die wir jetzt verbessern müssen. Der im Antrag der Grünen beschriebene Gedanke einer Verbindung von Kiel zum Hamburger Flughafen, die nur 30 Minuten dauert, ist zwar ambitiös, aber zumindest steckt im Kern der Gedanke, dass es kurzfristig auf der Straße schneller gehen kann und gehen muss. Ich könnte mir vorstellen, dass wir hier auch noch Neumünster mit einer zweiten Buslinie einbinden könnten. Hier kann und muss das Land mit einer Anschubfinanzierung, die Grundlagen für eine gute Verkehrsverbindung legen.

Alles spricht dafür, dass wir uns beim Schienenflieger und bei der kurzfristigen Verbesserung der Busanbindung engagieren. Deshalb ist es völlig unverständlich, dass CDU und SPD dieses Anliegen ablehnen wollen. Wir sind für bessere Verkehrsverbindungen in Schleswig-Holstein.