Angebot an Studienplätzen

15.09.2006 15:41

Von: Anke Spoorendonk

In dem vorliegenden Bericht legt die Kultusministerin die Prognose für die Abiturientenzahlen vor, um darzulegen, wie sich diese Zahlen auf das Angebot an Studienplätzen in Schleswig-Holstein auswirken. Danach werden in zehn Jahren in Schleswig-Holstein statt 11.800 wahrscheinlich 17.600 Schülerinnen und Schüler die Schule mit dem Abitur verlassen. Der Bericht räumt ein, dass eine ganze Reihe von Faktoren nicht berücksichtigt werden konnten – nämlich alles das, was in dem Begriff Mobilitätsverhalten zusammengefasst werden kann. Nicht zu prognostizieren ist weiterhin, ist zu lesen, welche Auswirkungen mögliche politische Programme als Konsequenz der neusten OECD-Studie zum Thema Bildung  haben werden.

Insgesamt ist es also eher fraglich, ob die im Bericht genannten Zahlen mehr sind als eine Trendangabe. Hinzu kommt, dass sie den Eindruck erwecken, man sei fast davon überrascht worden, dass ein Abitur nach 12 Jahren auch Auswirkungen auf die Situation an den Hochschulen haben wird. Zumal man auch auf der Ebene der Kultusministerkonferenz erst recht spät damit begonnen ist, ein Konzept zu erarbeiten. Denn erst im Dezember sollen die Regierungschefs darüber beraten, wie ein Hochschulpaket von Bund und Ländern ausgestaltet werden kann.

Das Ministerium selbst räumt ein „Defizit an Studienanfängerplätzen in den kommenden Jahren“ ein, sogar ein „deutliches“ (Seite 5). Aus Sicht des SSW geht also kein Weg daran vorbei, in den Ausbau der Hochschulen zu investieren.  Denn bereits jetzt sind die Zahlen ja alarmierend: auf dem Flensburger Campus beispielsweise ist allein an der Universität die Zahl der Bewerber fürs Wintersemester um fast ein Drittel von rund 2.500 auf 3.400 gestiegen.  - Der Anteil der Landeskinder ist dabei leicht gesunken. Gestiegen ist dagegen der Anteil der Studienanfänger aus Niedersachsen, eine interessante Beobachtung, finde ich.

Zu bedenken gibt, dass die Landesregierung – trotz der Tatsache, dass man bis 2011 bei den Studienanfängern einen Anstieg von mehr als 20% erwartet – nicht vor hat, die Strukturen an den Hochschulen langfristig auszubauen. Zusätzliche Professorenstellen, zumal als Stiftungsprofessuren, wie im Bericht empfohlen, werden zum Beispiel nicht innerhalb weniger Monate geschaffen und besetzt werden können. Stattdessen werden bestehende Deputate erhöht und die Lebensarbeitszeit der Professoren verlängert. Das ist nichts anderes als Flickschusterei.

Der SSW fordert vor dem Hintergrund der steigenden Studierendenzahlen ausdrücklich die Ausweitung von Personalkapazitäten. Denn wie sonst soll gewährleistet werden, dass die hehren Ziele –  Studienangebote für eine steigende Anzahl Studierende, die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge und keine Einschränkungen in der Forschung -  erreicht werden?

Und weil wir in diesen Tagen – mit der vorhin genannten OECD-Studie - wieder daran erinnert werden, wohin die Bildungsreise der Bundesrepublik hingehen muss, wenn wir denn mit unseren Nachbarländern in Europa mithalten wollen,  dann will ich abschließend auch noch mal darauf hinweisen, dass Investitionen in die Köpfe sich für die ganze Gesellschaft auszahlen und dass der Anteil derjenigen, der nach bestandenem Abitur das Studium anstrebt, international gesehen in Deutschland immer noch i viel zu gering ist.  Die Bildungspolitik muss sich also umorientieren und die Universitäten müssen besser ausgestattet werden, um sich öffnen zu können. Das wird letztlich uns allen zu Gute kommen – auch der Wirtschaft.