Anke Spoorendonk: Rede zur Demonstration des Bündnisses für ein buntes Flensburg am Montag den 19.01.2015

19.01.2015 14:18

Liebe Flensburgerinnen und Flensburger, Liebe Freunde und Freundinnen,

kære venner,

ich freue mich ganz besonders heute hier auf dieser tollen Veranstaltung „für ein buntes Flensburg“ ein paar Worten sagen zu dürfen. Ich spreche ausdrücklich nicht nur als Vertreterin des SSW oder dänischen Minderheit sondern auch als Mitglied der Landesregierung, die dieses überparteiliche Bündnis von vielen Parteien, Gewerkschaften, Glaubensrichtungen und vielen Menschen wärmstens befürwortet. 

Denn es geht bei dieser positiven Demonstration überhaupt nicht um Parteipolitik oder politische Grabenkämpfe. Heute geht es ans Eingemachte. Es geht darum wie wir uns das Zusammenleben von verschiedenen Menschen mit verschiedenen kulturellen, verschiedenen Sprachen und unterschiedlichen Religionen vorstellen und beeinflussen wollen. Kurz gesagt: es geht um unsere Demokratie und die damit verbundenen Werte.

Das sind große Worte. Aber dennoch sind sie nicht verkehrt. Denn die Anschläge von Paris oder auch die Demonstrationen der Pediga-Anhänger bringen uns dazu uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Diese grundlegende Diskussion über die Presse- und Meinungsfreiheit oder Religionsfreiheit stellt sich in allen europäischen Ländern. Auch in Deutschland und Dänemark.

Deshalb können wir gerade hier im Grenzland eine Vorbildfunktion einnehmen. Besonders die Stadt Flensburg mit seiner langen deutsch-dänischen Geschichte kann hier eine positive Rolle spielen. Flensburg hat eine große dänischen Minderheit, viele muslimische Mitbürger, eine jüdischen Gemeinde und über 100 Nationalitäten leben hier. Flensburg hat auch die Erfahrung mit der Integration von vielen Flüchtlingen nach 1945. Deshalb hat Flensburg in seiner Geschichte immer wieder gezeigt wie man mit verschiedenen kulturellen, verschiedenen Sprachen, verschiedener Herkunft vernünftig und friedlich miteinander umgehen kann. Es ist daher kein Zufall, dass Flensburg in 2014 den Integrationspreis des Landes bekommen hat. 

Jeg er derfor også glad for, at der er nogle demonstranter, som er kommet fra Sønderjylland for at støtte vores fælles anliggender. Det er godt for fællesskabsfølelsen i grænselandet. Tak for det. 

So schlimm die Ereignisse in Paris sind. Wir dürfen unsere Freiheit, unsere Werte und unseren Rechtstaat nicht aufgeben um die Terroristen zu bekämpfen. Tun wir dies dann gewinnen sie. Denn genau das wollen sie. Dann gewinnen auch die Fanatiker in unserem Land. Die Hintermänner der PEDIGA wollen den Menschen einbilden, dass die Ursache aller Probleme in einer angeblichen Islamisierung des Abendlandes liegt. Bei allem Verständnis für die Sorgen vieler Menschen gerade wegen der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ist das natürlich Quatsch. 

Ich möchte auch nur noch mal daran erinnern, dass die meisten Opfer der religiösen Terroristen weltweit Moslems sind. Die muslimischen Flüchtlinge, die aus Syrien oder Irak zu uns kommen, flüchten ja gerade vor dem religiösen Wahnsinns der IS. Mit welcher Logik wollen wir diese Flüchtlinge jetzt abweisen? Wir müssen doch die moderaten Muslime und Opfer der Fanatiker unterstützen. Man kann also nicht eine ganze Religion in Geiselhaft für Terroristen nehmen. 

Wir wollen also ein friedliches Grenzland. Wir wollen ein Zusammenleben zwischen den Nationalitäten, Volksgruppen und Religionen, dass geprägt ist von Respekt und Akzeptanz. Wir wollen an einer Gesellschaft festhalten, wo die Demokratie, die Meinungsfreiheit und die Religionsfreiheit die Grundpfeiler sind und wo der Fremdenhass, die Intoleranz und der religiöser oder rechter Extremismus keine Rolle spielt und abgelehnt wird. Zeigen wir heute der Fremdenfeindlichkeit die Rote Karte auf beiden Seiten der Grenze.