Ausbau des Flughafens Kiel-Holtenau

02.09.2005 10:33

Von: Lars Harms

Nachdem wir über den Lübecker Flughafen mit seinen rund 600.000 Fluggästen gesprochen haben, nimmt sich der Flughafen in Kiel-Holtenau doch eher bescheiden aus. Vielleicht werden Fluggastzahlen von 40.000 Passagieren gerade noch in diesem Jahr erreicht. Während der Lübecker Flughafen durchaus Chancen in der Zukunft hat, weil man dort auf Charterverkehr und auf preiswerte Verbindungen setzt, hat der Kieler Flughafen eher damit zu kämpfen, dass überhaupt geflogen wird. Das der Kieler Flughafen Probleme hat, liegt nicht darin begründet, dass er noch nicht ausgebaut ist, sondern darin, dass die Attraktivität für Linienflugverkehr nur sehr eingeschränkt gegeben ist – um es einmal nett auszudrücken.

Wir haben uns beim Kieler Flughafen von vornherein mit Recht darauf festgelegt, dass Charterflugverkehr und große Billigfluglinien à la Ryan Air hier nicht starten und landen sollen. Eine solche Entwicklung wäre für die Anwohner auch nicht tragbar gewesen. Ziel mit dem Ausbau des Flughafens war immer, dass die Wirtschaft im Raum Kiel gute Verkehrsanbindungen bekommt und der eine oder andere dann die vorhandenen Linienflüge ebenfalls nutzt. Ich gehe davon aus, dass die Festlegung auf reinen Linienverkehr immer noch gilt. Ansonsten bitte ich die Landesregierung es hier und jetzt zu sagen, wenn die Grundlagen andere sein sollen.

Betrachtet man also die reinen Linienflüge, so muss man feststellen, dass in diesem Jahr wieder eine Linie eingestellt wurde und die andere Linie nur deshalb erhalten bleiben kann, weil sich der Betreiber dies bezahlen lässt. Der Titel des Berichtsantrages der Grünen, der mit „Keine Geldverschwendung“ beginnt, ist also durchaus berechtigt. Während man in Lübeck mehr Linien hinzu bekommt und die Fluggastzahlen auch ohne den Ausbau des Flughafens erhöht hat, fällt Kiel immer mehr zurück.

Im Jahr 2000 lagen die Fluggastzahlen für die Linie Kiel-Frankfurt bei 52.812 Fluggästen und für Kiel-Köln bei 30.976. Im ursprünglichen Gutachten heißt es, dass die Fluggastzahlen ohne Ausbau des Flughafens jährlich um 3 % Richtung Frankfurt und um 2,2% Richtung Köln steigen würden. Das hätte bedeutet, dass 2004 die Fluggastzahlen auf beiden Strecken bei  93.233 hätten liegen müssen. In Wirklichkeit waren es 52.865 – rund 44 % weniger als man prognostiziert hatte. Dazu fiel dann noch die Verbindung nach München mangels Attraktivität und Wirtschaftlichkeit weg. Das zeigt, dass jetzt schon wesentlich weniger Menschen die Flugverkehre ab Kiel nutzen, obwohl eine Steigerung vorausgesagt wurde. Man kann wohl davon ausgehen, dass man auch nach einer Startbahnverlängerung keinen Flugverkehr nach München mehr zurückbekommt und auch die Idee von Verbindungen nach Stuttgart oder gar Paris wohl eher ad acta gelegt werden müssen. Das ganze Szenario war von vornherein auf tönernen Füßen gebaut. Einen wirtschaftlichen Flughafen in Kiel-Holtenau bekommt man nur mit Charterflugverkehr hin und das ist etwas was kein vernünftiger Mensch will, weil dann wirklich ein Wohngebiet zunichte gemacht wird.

Im Bericht wird auch ausgesagt, dass der Betriebsmittelzuschuss sinken soll. Man habe für 2006 800.000 Euro veranschlagt, die dann auf 500.000 Euro zurückgeführt werden sollen. Auch das ist eine Luftblase. Der Betriebszuschuss beträgt nach dem Nachtragshaushaltsplan 2005 1.018.000 Euro und für 2006 sind durch die Landesregierung 900.000 Euro im Haushalt eingeplant worden. Bisher sind die Zuschüsse in den letzten Jahren immer gestiegen. Im Bericht finden wir keine Aussage dazu, warum nun plötzlich der Zuschuss auf 500.000 Euro in den kommenden Jahren sinken soll. Im Gegenteil: Der Zuschuss wird weiter steigen und der Steuerzahler wird für einen unattraktiven Flugplatz aufkommen müssen, obwohl der Betrieb von Flughäfen nicht Aufgabe des Landes ist.

Wenn wir wirklich einen Flugplatz für die Wirtschaft brauchen, dann könnte schon der jetzige Flugplatz in Kiel-Holtenau dafür dienen. In meinen Augen wäre es dann auch nur folgerichtig, dass sich die Wirtschaft nicht nur an den Investitionen für den Flughafen beteiligt, sondern diesen dann auch gemeinsam mit der Stadt Kiel betreibt. Die Landesregierung sollte ihre Anteile an diejenigen verkaufen, die diesen Flughafen nutzen wollen. Und die Wirtschaft kann dann den Flughafen so betreiben, wie sie es möchte, ohne dass der Steuerzahler hier in die Pflicht genommen werden kann und unter vollem unternehmerischen Risiko. Das werden die Wirtschaftsverbände in und um Kiel natürlich nicht tun, denn sie wissen, das dies ein Groschengrab wäre. Deshalb überlässt man es lieber dem Land und dem Steuerzahler und fordert einen unsinnigen Ausbau noch darauf zu. Denn bei der freien Wirtschaft gilt, wenn es ums eigene Portemonnaie geht, schließlich auch: Keine Geldverschwendung für den Ausbau des Flughafens Holtenau. Das überlässt man lieber dem Land.