Bericht zur Zukunft der Lehrerausbildung und Antrag zum Erhalt der schulartbezogenen Lehrerausbildung

12.12.2012 16:49

Von: Jette Waldinger-Thiering

Hätten unsere Vorgänger sauber gearbeitet, dann hätten sie mit der Novelle des Schulgesetzes im Jahr 2007 auch eine Reform der Lehrerausbildung angepackt. Hierauf und auf die Tatsache, dass wir es für sehr bedauerlich halten, dass schwarz-gelb zwischenzeitlich sogar mit der Rückkehr zum Staatsexamen geliebäugelt hat, habe ich schon in der letzten Debatte zum Thema hingewiesen. Fakt ist, dass CDU und FDP die Modernisierung der Lehrerbildung allzu lange vor sich hergeschoben haben. Doch es nützt natürlich nichts, verpassten Chancen nachzutrauern. Wir wollen diese wichtigen Themen - wie eben auch die Ausbildung unserer Lehrkräfte - angehen. Denn im Gegensatz zu unseren Vorgängern sehen wir die zwingende Notwendigkeit, veränderten Schulstrukturen auch entsprechende Veränderungen bei der Lehrerbildung folgen zu lassen. Dieser Verantwortung wollen wir gerecht werden. Und vor allem wollen wir auch hier gemeinsam mit den Betroffenen zu einer dauerhaft tragfähigen Lösung kommen.

Angesichts der großen Unruhe, die dieses Thema mit sich gebracht hat, will ich eins besonders betonen: Es ist unser ausdrückliches Ziel und wir sind absolut davon überzeugt, dass die Reform der Lehramtsstudiengänge zur Zukunftsfähigkeit sowohl von Kiel als auch von Flensburg beitragen wird. Keiner der beiden Uni-Standorte soll und wird am Ende als Verlierer dastehen.

Wir haben es von der Ministerin gehört: An der Uni Kiel wird die geplante Neuausrichtung dazu führen, dass eine zeitgemäße Lehramtsausbildung für den gesamten Sekundarschulbereich entsteht. Wer in Kiel studiert, wird damit am Gymnasium wie an der Gemeinschaftsschule unterrichten können. Und an der Uni Flensburg - wo entgegen mancher Behauptung nicht in das Akkreditierungsverfahren eingegriffen wird - wird mit der Einrichtung eines eigenständigen 2-jährigen Masterstudiengangs unter anderem eine moderne Lehramtsausbildung für den Primarbereich ins Leben gerufen. Es geht uns also ganz gewiss nicht darum, den einen Standort gegen den anderen auszuspielen. Es geht uns einzig und allein darum, sicherzustellen, dass unsere Lehrkräfte in Zukunft so ausgebildet werden, wie es ihre spätere Arbeit an den Schulen verlangt.

Ich will diese Debatte über die Zukunft der Lehrerausbildung gerne nutzen, um ein weiteres wichtiges Thema anzusprechen: Der SSW sieht durch die Schwerpunktsetzung an der Uni Flensburg in Richtung Grundschullehrerausbildung sowie in Richtung sprachliche und geisteswissenschaftliche Fächer auch große Chancen für eine regionale Profilierung des Universitätsstandortes. Nach unserer Auffassung sollten wir die Neustrukturierung im Bereich Lehrerausbildung also auch dafür nutzen, um eine Friesischprofessur, die den Bereich Minderheitenpädagogik abdeckt, einzurichten. SPD, Grüne und SSW haben sich im Rahmen der Koalitionsverhandlungen nicht zuletzt aus minderheitenpolitischen Erwägungen heraus darauf geeinigt, die Lehrerausbildung für das Fach Friesisch zu stärken. Weil wir auf diesem innovativen Weg auch eine besondere Profilierung der Hochschule erreichen, sollten wir hier schnell in die Gänge kommen.
Ich will es zum Schluss noch einmal deutlich sagen: Mit der Reform der Lehrerbildung handeln wir genau dort, wo sich CDU und FDP zu keiner tragfähigen Entscheidung durchringen konnten. Und mit unserem Ansatz werden wir die klare und richtige Antwort auf stark veränderte Schulstrukturen geben. Dann ist endlich Schluss mit dem absurden Zustand, dass Lehrkräfte für Schularten ausgebildet werden, die schon gar nicht mehr existieren. Wir werden dabei natürlich weiter auf den Dialog mit den betroffenen Hochschulen setzen. Und wir sind guter Dinge, dass wir auch diese Aufgabe meistern und unser Bildungssystem damit weiter modernisieren werden.