Berufsordnung für Pflegeberufe

16.09.2011 14:51

Von: Flemming Meyer

Die zukünftigen Herausforderungen in der Pflege sind enorm. Der allgemeine Bedarf wird hier schon in naher Zukunft rasant steigen. Allein im Heimbereich werden im Jahr 2025 bundesweit bis zu 400.000 zusätzliche Pflegeplätze benötigt. Die Gesamtzahl der professionell zu versorgenden Pflegefälle wird sich bis zum Jahr 2050 um rund 270 Prozent erhöhen. Verantwortlich hierfür sind vor allem der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung. Und dies alles muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass im gleichen Zeitraum der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung um circa 40 Prozent abnimmt. All dies ist im Grunde bestens bekannt - und trotzdem wird nicht entschlossen genug gehandelt. Dieser Zustand ist aus Sicht des SSW nicht länger hinnehmbar.

Deshalb findet der Antrag der SPD natürlich unsere volle Unterstützung. Dabei ist klar, dass damit nicht alle Probleme um die Zukunft der Pflege aus der Welt sind. Eine Berufsordnung ist ein Mosaikstein von Vielen. Grundsätzlich gilt: Egal ob es sich um Pflege für Kinder, Kranke oder Alte handelt. Die Versorgung und Betreuung muss menschenwürdig sein und muss es auch in Zukunft bleiben. Hierfür brauchen wir viele gut ausgebildete und motivierte Pflegekräfte. Doch schon heute sieht die Realität in den Einrichtungen meist anders aus: Die Mitarbeiter sind oft überlastet und unterbezahlt und sie sind in vielen Fällen nicht den Anforderungen entsprechend qualifiziert. Diese Entwicklung erfüllt uns mit Sorge. Und gerade weil der Bedarf so rasant steigt und es dabei kaum gelingt, genügend qualifiziertes Personal zu finden, dürfen wir nicht einfach die Hände in den Schoß legen. Um es deutlich zu sagen: Wenn wir hier nicht gegensteuern, werden menschenwürdige Zustände in der Pflege bald eher die Ausnahme statt die Regel sein.

Was wir brauchen, um die Situation für pflegende und pflegebedürftige Menschen zu verbessern, liegt doch auf der Hand: Die Attraktivität der Pflegeberufe muss nachhaltig verbessert werden. Anreize müssen geschaffen werden, damit sich junge Menschen für einen Pflegeberuf entscheiden und diesen auch lange ausüben. Mit einer Mindestlohn-Regelung allein ist es nicht getan. Wir müssen zum Beispiel auch dafür sorgen, dass eine größere berufliche Flexibilität möglich wird, damit Pflegefachkräfte ihr Tätigkeitsfeld wechseln können, ohne gleich ganz aus dem Beruf auszusteigen. Auch dem hohen Frauenanteil in dieser Berufsgruppe müssen wir dadurch Rechnung tragen, dass wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Natürlich sind hier auch die Einrichtungen selbst in der Verantwortung. Ich möchte aber festhalten, dass es nicht zuletzt Aufgabe der Politik und der Träger ist, dafür zu sorgen, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Denn die in diesem Bereich tätigen Menschen müssen auch wirklich die Qualifikation und die Ressourcen bekommen, die sie benötigen, um eine moderne und menschenwürdige Pflege zu gewährleisten.

Nach Auffassung des SSW kann eine Berufsordnung für die Berufe im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege dabei helfen, eine hohe Qualität und damit auch Zufriedenheit bei Pflegenden und Pflegebedürftigen zu sichern. Dies zeigen zum Beispiel die Erfahrungen mit der Hamburger Pflegefachkräfte-Berufsordnung. Hier ist die Pflicht zur Kompetenzerhaltung und Qualitätssicherung ein zentrales Element. Damit werden die Mitarbeiter, mit Blick auf die berufliche Weiterbildung, in ihrer Eigenverantwortlichkeit gestärkt und erhalten einen verbindlichen Rahmen für die professionelle Ausübung ihres Berufs. Sie können sich in schwierigen Situationen an den Vorgaben der Berufsordnung orientieren, und sie erhalten damit mehr Sicherheit für ihr Verhalten im Beruf. Hiervon profitieren die Patienten, die Angehörigen und Kollegen und nicht zuletzt die professionell Pflegenden selbst.

Durch immer neue Aufgaben und damit auch immer neue Herausforderungen in diesem Berufsfeld ist eine solche Orientierungshilfe notwendig. Und wir verbinden mit der Einführung einer Berufsordnung nicht zuletzt die Hoffnung, dass wir so auch zu einer höheren beruflichen Anerkennung und zu einem verbesserten Ansehen dieses Berufs beitragen können.