CCS-Versuchsprojekt in Schleswig-Holstein

28.01.2009 09:27

Von: Lars Harms

Ein CCS Versuchsprojekt in Schleswig-Holstein - eine nicht ausgereifte Technologie mit unüberschaubaren Konsequenzen - das ist die Antwort der FDP auf die Frage, wie die Energie- und Klimaprobleme der Zukunft gelöst werden sollen.
Ein Teil des EU-Klimapaketes - das durchaus auch ambitionierte Ziele formuliert - ist die Förderung von bis zu zwölf Versuchsprojekten zur Kohlendioxidabscheidung und –lagerung. Damit wird Tür und Tor für eine Energieform geöffnet, von der wir bereits heute wissen, dass sie der Vergangenheit angehören muss. Der Bau neuer Kohlekraftwerke zum dauerhaften Betrieb, ist nicht die Antwort, wie unsere langfristige Energieversorgung nach dem Atomausstieg aussehen soll. Und die CO2-Schleudern – nichts anderes sind Kohlekraftwerke - sind erst recht nicht die Antwort, wie die Klimaprobleme zu lösen sind. Das wissen wir.
Aber das vermeintliche Zauberwort, zur Lösung der Probleme, heißt nun angeblich CCS-Technologie.

Eine Technologie, die auf dem Papier hervorragend funktioniert, aber in der Realität mehr Fragen als Antworten aufwirft. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge, benötigt die CCS-Technologie eine Anschubfinanzierung von einer halben bis 1,1 Mrd. Euro aus der Staatskasse. Angesichts der Tatsache, dass die CCS-Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, ist es fraglich, wie hoch die Förderung letztendlich wirklich ausfallen wird.

Wir wissen, dass es bereits Pilotprojekte bei der CO2-Abtrennung gibt. Die beiden gängigsten Verfahren hierbei sind die CO2-Abtrennung nach der Verbrennung und die CO2-Abtrennung vor der Verbrennung. Aber für beide Verfahren gilt, dass die Abtrennung Kosten verursacht. Und vorsichtigen Schätzungen zufolge belaufen diese sich in Höhe von 60,- bis 110,-€ pro Tonne CO2. Darüber hinaus sinkt die Energieeffizienz und lässt den Rohstoffverbrauch steigen. Soll heißen; Die Kosten schlagen sich entsprechend auf den Strompreis nieder.

Ein viel größeres Problem entsteht jedoch erst nachdem die Abtrennung stattgefunden hat. Wohin mit dem Klimakiller? Neben der Frage, wie der Transport von mehreren Millionen Tonnen CO2 geregelt werden soll, stellt sich insbesondere die Frage, wo es gelagert werden soll. Auch hier sind sich die Experten nicht gänzlich sicher. Hierzu gibt es mehrere Vorschläge. Leere Öl- und Gasfelder, mit Salzwasser gefüllte geologische Schichten und Kohleflöze kommen nach Einschätzung von Experten dafür in Deutschland in Frage. Die Wirtschaftlichkeit der genannten Lagerkapazitäten ist ebenfalls nicht geklärt. Aber sicher ist, dass sich der Transport und die Lagerung auch auf den Strompreis niederschlagen werden.

Im Zusammenhang mit der Lagerung ist der Sicherheitsaspekt hierbei noch unberücksichtigt geblieben. Neben der aufwendigen Lagerung müssen die Hinterlassenschaften auch langfristig überwacht werden. Denn niemand kann mit hundertprozentiger Sicherheit garantieren, dass die Lagerstätten wirklich dicht halten. Die Risiken, die damit verbunden sind, sind nicht abschätzbar.

Ob dass CCS-Verfahren auch zu Kosteneinsparungen für den Verbraucher führen wird, ist zu bezweifeln. Wir haben somit nichts gewonnen, als die Erkenntnis, dass dies nicht der richtige Weg ist.

Anstatt Kohlekraftwerke nur als notwendige Übergangslösung zu sehen, wird mit der fragwürdigen CCS-Technologie, einer Technologie Vorschub geleistet, von der wir heute noch nicht wissen, ob sie funktioniert oder wie sie sich auswirken wird.
Eines wissen wir aber bereits heute, wenn wir erst mit dem Einstieg in diese Technologie beginnen, dann wird es schwer werden, dies wieder rückgängig zu machen. Und dann haben wir die gleiche Diskussion wie heute mit den Atomkraftwerken, dass sie als klima-saubere Energieträger dargestellt werden, was sie definitiv nicht sind.

Anstatt also auf eine Energieform zu setzen, die nur eine Übergangsform sein darf und anstatt Milliarden in diese Technologie zu pumpen, müssen wir auf Energieeinsparung, verbesserte Energieeffizienz und auf Erneuerbare Energien setzen, deren Ausbaupotenzial noch lange nicht erschöpft sind. Hier müssen wir in die Forschung investieren. Nur so leisten wir wirklich einen Beitrag zum Klimaschutz.