Die Landesstrategie darf nicht als zahnloser Tiger auf dem Friedhof politischer Initiativen landen

13.10.2017 10:16

Flemming Meyer zu TOP 20 - Landesstrategie zur Sicherung der biologischen Vielfalt

"Wir werden die Koalition daran messen, wie sie eine solche Strategie umsetzen wird und welche konkreten Maßnahmen daraus erfolgen. Der SSW wird sich auf jeden Fall konstruktiv an dem Prozess beteiligen. Denn es ist wichtig, dass aus der Strategie heraus entsprechende Taten folgen."

Das Artensterben – ob bei Pflanzen oder bei Tieren – ist nicht zu leugnen. So wird bereits seit 1971 vom NABU – damals noch Bund für Naturschutz – jedes Jahr der Vogel des Jahres gewählt. Ganz aktuell wurde der Star zum Vogel des Jahres 2018 gewählt. Dabei geht es nicht nur darum, bestimmte Vogelarten der Öffentlichkeit vorzustellen, vielmehr wird damit das verfolgt Ziel auf den Artenrückgang hinzuweisen. Ähnlich verhält es sich mit dem Baum des Jahres, der seit 1989 benannt wird. Auch dabei geht es darum, auf seltene Baumarten oder Probleme einer Baumart hinzuweisen. 

Solche Zeigerarten – ob nun Tiere oder Pflanzen – sind häufig Indikatoren, um auch auf die Situation bestimmter Lebensräume hinzuweisen. Es gibt spezialisierte Arten, die nur in ganz bestimmten Lebensräumen existieren können. Das Artensterben und der Rückgang von Arten ist immer wieder damit verbunden, dass Lebensräume und Lebensgrundlagen vernichtet werden oder gefährdet sind. Es ist immer ein schleichender Prozess, der kaum wahrgenommen wird. Keiner von uns kann diese Entwicklung leugnen. Jeder kennt noch die Situation von früher, nach jeder längeren Autofahrt im Sommer war man spätestens beim tanken gezwungen, die Windschutzscheibe von toten Insekten zu reinigen. Das ist seit einigen Jahren nicht mehr so. Denn es gibt seit einigen Jahren ein Rückgang der Fluginsekten. In Teilen Deutschlands ist sogar von einem Rückgang bis zu 80% zu verzeichnen. Auch wenn dies den Autofahrer freuen mag, sind die Folgen derzeit für die Natur noch nicht absehbar. Wenn die Fluginsekten fehlen gerät die gesamte Nahrungskette in Gefahr. Blumen und Bäume werden nicht mehr bestäubt und manchen Vögeln oder Fledermäusen fehlt die Nahrungsgrundlage. Was damit auch wieder zu einem Artenrückgang führt. 

Der SSW begrüßt den vorliegenden Antrag der Koalition. Wir sehen ihn als eine Fortsetzung der Politik der Küstenkoalition. Mit der Änderung des Landeswaldgesetzes haben wir bereits das Ziel verfolgt den Erfordernissen der Biodiversität gerecht zu werden. So war für uns wichtig, dass bei Neuanpflanzungen und Wiederaufforstung ein hinreichender Anteil standortheimischer Baumarten genutzt wird, um den heimischen Tieren die notwendige Lebensgrundlage zu bieten. Auch  mit der bis 2020 verfolgten Maßnahme insgesamt 10 % des Staats- und Körperschaftswaldes als Naturwälder auszuweisen ist ein Beitrag, um die nationalen Biodiversitätsziele zu erfüllen. Dadurch können sich dort unterschiedliche Wald-Lebensräume entwickeln, die wir zum Teil in der Form und Ausprägung nicht mehr finden.

Ebenso zogen sich Aspekte der biologischen Vielfalt wie ein roter Faden durch die Änderungen des Landesnaturschutzgesetzes. Biodiversität und die Sicherung der biologischen Vielfalt standen bei uns im Focus, als wir das Gesetz geändert haben. Hier ist beispielsweise der Biotopverbund hervorzuheben, denn mit der Vernetzung sichern wir Lebensräumen und Arten. 

Gerade weil wir für unsere Gesetzesänderungen seinerzeit von Teilen der Opposition auf den Deckel bekommen haben, bestätigt der vorliegende Antrag, dass wir seinerzeit absolut richtig lagen mit unserer vorausschauenden Umweltpolitik. 

Daher freut es uns natürlich, dass CDU und FDP nun auch zu der Erkenntnis gelangt sind, dass für den Erhalt der biologischen Vielfalt wesentlich mehr getan werden muss. Es muss stärker ins Bewusstsein gerückt werden, dass jeder Eingriff in die Natur auch Auswirkungen hat. Daher ist eine solche Landesstrategie der erste Schritt. 

Wir werden die Koalition daran messen, wie sie eine solche Strategie umsetzen wird und welche konkreten Maßnahmen daraus erfolgen. Der SSW wird sich auf jeden Fall konstruktiv an dem Prozess beteiligen. Denn es ist wichtig, dass aus der Strategie heraus entsprechende Taten folgen. Sie darf nicht als zahnloser Tiger auf dem Friedhof politischer Initiativen landen.