Die schleswig-holsteinische Erwachsenen- und Weiterbildung

27.01.2011 14:38

Von: Anke Spoorendonk

Bevor ich zu den Inhalten dieser Großen Anfrage zur Erwachsenen- und Weiterbildung komme, möchte ich mich im Namen des SSW erst einmal bei all den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ministerien herzlich bedanken, die an der Beantwortung mitgewirkt haben. Wir haben es mit einer wohltuend differenzierten Beantwortung zu tun. Dafür herzlichen Dank.

Die Antworten auf unsere Große Anfrage machen deutlich, welche Ziele die Landesregierung in Sachen Erwachsenen- und Weiterbildung verfolgt. Nicht nur, dass die Nachfrage nach Weiterbildung erhöht werden sollen, auch die Teilnahme soll gesteigert werden. Darüber hinaus geht es vor allem um die Bereitstellung einer guten Infrastruktur mit vernünftigen Rahmenbedingungen und die Verbesserung von Transparenz, Information und Beratung. Dies sind hohe Ziele, die interessante Frage lautet also, was die Landesregierung tut, um diese auch zu erreichen.

Die Infrastruktur Schleswig-Holsteins hat in Sachen Erwachsenen- und Weiterbildung seit Mitte der 90-iger Jahre eine Vorreiterrolle in Deutschland. Dafür spricht nicht nur die historisch sehr hohe Anzahl an Volks- und Heimvolkshochschulen, sondern vor allem die Weiterbildungsverbünde. Diese Verbünde sind nicht nur ein wertvolles Instrument, um über die Angebote der Erwachsenen- und Weiterbildung vor Ort zu informieren, sondern um generell in Sachen Bildung für Erwachsene zu werben und die Angebote zu koordinieren. Mit etwas Sorge betrachten wir daher das Auslaufen der Finanzierung der Verbünde im Jahr 2013 und hoffen sehr, dass allen klar ist, was für eine herausragende Arbeit die Verbünde in unserem Flächenland leisten und dass wir auf ihre Arbeit nicht verzichten können. Gerade die unentgeltliche Beratung ist ein wichtiges Instrument, um über Fördermöglichkeiten, Angebote und Anbieter zu informieren und darf nicht von einem Entgeltsystem abgelöst werden.

Die Landesregierung hat ganz richtig erkannt, dass wir in Sachen Weiterbildung einen Handlungswandel brauchen. Zwar herrscht weitestgehend gesellschaftlicher Konsens über die Bedeutung der Bildung für Erwachsene, aber trotzdem wird sie nicht entsprechend genutzt. Gerade das Instrument der Bildungsfreistellung – oder der Bildungsurlaub, wie es häufig heißt – hat nicht zu der gewünschten Erhöhung der Teilnahme an Weiterbildungskursen geführt. Dass die Zahl der Anspruchsberechtigten in 20 Jahren nie über 1,2% gestiegen ist, ist wirklich ärgerlich. Obwohl die Ursachen längst bekannt sind. Die Konsequenz darf aber nicht sein, dass dies einfach akzeptiert wird. Vielmehr muss gerade hier angesetzt werden. Wir brauchen vernünftige Instrumente, um vor allem in Betrieben für die Bildungsfreistellung zu werben und Kurse passgenau anbieten zu können.

Ein weiterer sehr interessanter Punkt der Großen Anfrage ist der Umgang mit der Erwachsenenbildung. Die Landesregierung hat ihre Kürzungen bei den Volkshochschulen im Doppelhaushalt entschärft. Trotzdem haben die Kürzungen fatale Folgen, weil das Angebot reduziert werden muss, Personal entlassen und Teilnehmergebühren erhöht. Wenn die Landesregierung dann gleichzeitig noch feststellt, dass die ansehnlichen Eigen- und Drittmitteleinnahmen der Volkshochschulen erhöht werden müssen, verliert man den Glauben an eine Landesregierung, die sich zum Ziel gesetzt hat, gute Rahmenbedingungen für die Erwachsenenbildung zu schaffen. Schon heute liegt der Eigenanteil bei 65% - bei einer weiteren Erhöhung haben wir das System also bald komplett privatisiert. Eine Förderung der flächendeckenden Grundversorgung sieht aus unserer Sicht anders aus.

Positiv nehmen wir daher zur Kenntnis, dass die Landesregierung das Projekt „VHS 2020“ des Landesverbandes wahrnimmt und unterstützt. Berücksichtigt werden muss aber auch, dass die Volkshochschulen sich nur mit ihrer Zukunft auseinander setzen können, wenn sie nicht tagtäglich ums Überleben kämpfen. Es ist daher notwendig, eine angemessene finanzielle Förderung auf einem hohen Niveau zu erhalten, um eine Entwicklung zu ermöglich. Mit kaputt sparen kommen wir an dieser Stelle nämlich nicht weiter.

Es gibt weitere interessante Inhalte in dieser Anfrage, wie z.B. die Teilnehmerstruktur und die Ausrichtung der Erwachsenen- und Weiterbildung auf Nachfrageorientierung. Ich freue mich daher sehr auf eine anregende Diskussion und eventuelle Anhörung im Bildungsausschuss und dass dieses wichtige Thema auf die politische Tagesordnung gerückt ist.