Digitales Lernen ist und bleibt Schwerpunktthema dieser Landesregierung

09.06.2016 11:45

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 25 - Informatische Allgemeinbildung gewährleisten – Pflichtfach Informatik an allen Schulen der Sekundarschule I einführen

Natürlich geht dieser Antrag der Piraten grundsätzlich in die richtige Richtung. Informatik als Pflichtfach ab Sekundarstufe 1 klingt erst einmal völlig zeitgemäß und angemessen. Informatische Allgemeinbildung - ja da muss man doch direkt zustimmen. Und wer dagegen ist, macht sich im Zweifel direkt zum Modernisierungsverweigerer. Eigentlich also Grund genug, um diese Initiative in Zukunft regelmäßig einzubringen und auf ständige Beratung zu bestehen. 

Doch so funktioniert das hier natürlich nicht. Wir machen keine Politik im luftleeren Raum. Wir machen Politik für die Menschen im Land. Ihre Sorgen und Probleme müssen wir aufgreifen und Lösungen anbieten. Und wir müssen uns dabei eben auch in einem realistischen Finanzrahmen bewegen. Wir haben keine unbegrenzten Ressourcen. Das merken wir ja nun gerade im Bildungsbereich immer wieder sehr schmerzlich. Auch wenn dieser Antrag also oberflächlich gesehen ganz toll ist, geht er leider ein wenig an unser aller Lebenswirklichkeit vorbei. 

Ohne Zweifel wird unsere Lebens- und Arbeitswelt zunehmend von Informationstechnologie geprägt. Und selbstverständlich kommt unseren Schulen eine enorm wichtige Rolle zu, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche auf diese Anforderungen vorzubereiten. Natürlich müssen wir die nachfolgende Generation in die Lage versetzen, umfassend an der digitalen Gesellschaft teilhaben zu können. Das ist doch gar keine Frage. Aber müssen wir deshalb aus allen Kindern Informatiker machen? Müssen alle nicht nur programmieren sondern zum Beispiel auch formale Sprachen oder Informatiksysteme beherrschen? Ich denke das ist vielleicht für manchen wünschenswert, aber doch etwas unrealistisch. 

Man kann uns kaum ernsthaft vorwerfen, beim Thema digitales Lernen zu schlafen. Nicht zuletzt in der Debatte zur Umsetzung des digitalen Lernens wurde sehr deutlich, wie viel sich hier bewegt. Und egal ob Breitbandanschluss, technische Ausstattung oder schulinterne Kommunikation: Überall liegt natürlich noch viel Arbeit vor uns. Unser Bildungssystem technisch fit zu machen und ins digitale Zeitalter zu begleiten, ist nun mal eine Daueraufgabe. Aber Rot-grün-blau stellt sich dieser Herausforderung. Und umso wichtiger ist es, dass wir an diesem Punkt nicht die grundlegenden Ziele aus den Augen verlieren. Wir brauchen zum Beispiel eine modernere technische Grundausstattung. Wir brauchen schnellere Internetanbindungen für unsere Schulen. Und wir müssen digitale Kommunikation zwischen Lehrkräften, Schülern und Eltern sicherstellen.

Ich will gar nicht so weit gehen und behaupten, dass dieser Antrag reines Wünsch-dir-was wäre. Dafür ist allein das Thema schon viel zu wichtig. Aber die Piraten wollen offenbar den dritten Schritt vor dem ersten gehen. Und sie werfen dabei ganz nebenbei eine Reihe von Fragen auf, auf die sie gar keine Antwort haben: Wie wirkt sich dieses neue Pflichtfach denn zum Beispiel auf die Stundentafeln aus? Ist es als Zusatzangebot gedacht, oder soll im Gegenzug ein anderes Fach nicht mehr unterrichtet werden? Wie viele zusätzliche Lehrkräfte wären nötig? Was soll dieser Ansatz also in etwa kosten oder wo soll im Gegenzug eingespart werden? Und wenn perspektivisch ausschließlich von Lehrkräften mit entsprechender Befähigung unterrichtet werden soll: Wo waren die Piraten, als wir uns umfassend mit der Neuordnung der Lehrerbildung befasst haben?

Eins ist klar: Wir stehen gerade beim Thema Digitalisierung vor großen Veränderungen. Entsprechend wichtig ist neben der Infrastrukturfrage auch die Frage nach der Vermittlung von Grundlagen. Ich denke da an Medienkompetenz oder den selbstverständlichen Umgang mit Computern und dem Internet. Hier müssen und werden wir unseren Einsatz weiter verstärken. Und zwar ab der 1. und nicht erst ab der 4. Klasse. Hier müssen wir ansetzen und Schritt für Schritt zu Verbesserungen kommen, statt uns über ungelegte Eier zu unterhalten.