Ein Endlager für radioaktive Stoffe kann nie ein Lager für die Unendlichkeit sein

12.09.2014 14:35

Von: Flemming Meyer

Nachdem in 2012 bekannt wurde, dass in Brunsbüttel gelagerte Metallfässer mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen einfach so dahin rosten, konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass es sich dabei um einen Zufallsfund handelte. Zumindest gehörte es anscheinend in die Kategorie nicht meldepflichtiger Vorfall - und daran hat Vattenfall sich auch gehalten. 

 

Der TÜV Nord hat seinerzeit im Rahmen des Strahlenschutzes, bei einem entleerten Fass sehr starke Korrosion festgestellt, was die Sache dann ins Rollen und letztendlich an die Öffentlichkeit brachte. 

 

Daraufhin wurde der Betreibergesellschaft mitgeteilt, dass auch solche Fälle künftig zwingend umgehend der Atomaufsichtsbehörde und der Öffentlichkeit darzustellen sind. Im Zuge, der seitdem durchgeführten Untersuchungen durch die Atomaufsichtsbehörde, wurden weitere Fässer mit unterschiedlichen Korrosionsgraden gefunden. Damit war für alle klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein kann, bis man auf Fässer stößt, die so stark korrodiert und beschädigt sind, dass deren Fassinhalt austritt. Vor diesem Problem stehen wir jetzt.

 


 

Beruhigend ist, dass Gesundheitsgefahren für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kernkraftwerks und für die Bevölkerung noch nicht bestehen. Bedanken möchte ich mich beim Ministerium für den ausführlichen Fragen- und Antworten-Katalog der dort auf der Homepage zu finden ist. Die Vorfälle in Brunsbüttel zeigen deutlich, dass Transparenz dringend geboten ist. 

 

Dort ist auch nachzulesen, welche Maßnahmen getroffen werden müssen und welcher Zeitplan für die Inspektion und die Bergung vorgesehen ist. Nach derzeitiger Einschätzung geht die Atomaufsicht davon aus, dass sich die Bergung bis in das Jahr 2016 erstreckt. 

 

Wichtig ist jetzt, die radioaktiven Abfälle zu konditionieren und sie in geeignete Behälter zu verpacken, um ein weiteres Austreten von Fassinhalten zu verhindern. Bis eine andere Lösung gefunden wird, wird der Einschluss der radioaktiven Stoffe durch die Kaverne gewährleistet. 

 

Die Frage über ein Endlager wird uns noch lange in der Republik beschäftigen. Inwieweit der Schacht Konrad wirklich als Endlager für diesen Müll zur Verfügung stehen wird und vor allem wann dies sein wird, ist derzeit nicht abschließend geklärt. 

 

Vielmehr müssen wir daran festhalten, dass weiter vorurteilsfrei und bundesweit nach einem Endlagerstandort für radioaktive Abfälle gesucht wird.

 


 

Wir müssen uns aber im Klaren darüber sein, dass ein Endlager für radioaktive Stoffe nie ein Lager für die Unendlichkeit sein kann. Es wird aber keine absolute Sicherheit geben. Und es wäre falsch, den Menschen vorzugaukeln, wir könnten ein Endlager für die Ewigkeit schaffen.

 

Dies sind die Geister die wir riefen, als wir uns seinerzeit auf die risikobehaftete Atomenergie eingelassen haben. Daher ist und bleibt der Ausstieg aus der risikobehafteten Atomenergie der einzige und richtige Weg, um zu verhindern, dass noch mehr radioaktiver Müll produziert wird.

 


 

Wenn wir über risikobehaftete und unkalkulierbare Technologie reden, kommen wir um zwei Technologien nicht umhin. Zum einen Fracking, zum anderen CCS. 

 

Bei CCS geht es um die CO2-Abscheidung und Speicherung. Die Speicherung erfolgt, indem das CO2 in unterirdische Lagerstätten verpresst wird. Aus den Augen aus dem Sinn. Aber auch bei dieser Technologie kann niemand garantieren, dass das CO2 wirklich sicher gelagert wird. Es kann nicht ausgeschlossen werden und es besteht die Gefahr, dass das CO2 entweicht. 

 

Einmal in den Untergrund gepresst, kann es auch nicht wieder zurückgeholt werden. Damit hätten wir ein weiteres nicht kontrollierbares Endlagerproblem. 

 

Fracking ist ebenfalls als Risikotechnologie einzustufen. Auch hierbei geht es darum Flüssigkeit in den Untergrund zu pressen. Weniger um es dort zu lagern, vielmehr um mit hohem Druck Gestein aufzubrechen oder Risse im Gestein zu verursachen, um letztendlich Gase oder Flüssigkeiten zu fördern. Umweltrisiken und Gefahren für die Gesundheit lassen sich auch bei dieser Technologie nicht ausschließen.

 


 

Wir haben unsere Erde genug belastet. Ich möchte nochmal daran erinnern, dass in der Debatte um die Schuldenbremse das Hauptargument immer wieder die kommenden Generationen waren, die wir nicht mit unseren Schulden belasten dürfen. Mit welchem Recht dürfen wir sie mit Technologien belasten, deren Risiken und Gefahren wir nicht einschätzen und beherrschen können. Die Problematiken im Zusammenhang mit der Atomenergie müsste für uns eine Lehre sein. Lasst uns also nicht neue Geister heraufbeschwören, die wir nicht kontrollieren können. Wir wollen einen Weg einschlagen, um saubere und sichere Energie zu produzieren. Es gilt in die Zukunft zu investieren, anstatt veraltete Energieformen um jeden Preis am Leben zu erhalten.