Energie sparen ist Klimaschutz

17.12.2015 15:35

Flemming Meyer zu TOP 21 - Kein Zwangseinbau von „Smart Metern“

Die Konferenz in Paris hat die Dringlichkeit von effektivem Klimaschutz in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Politische Vertreter pazifischer Inselstaaten berichteten auf der Konferenz, dass sie um den Erhalt ihres Lebensraumes kämpfen müssen. Dieser ist verloren, wenn die Klimaziele nicht möglichst bald umgesetzt werden. Für den SSW steht fest, dass wir darum dreifach gefordert sind: erneuerbaren Energien müssen ausgebaut werden - genau das tut Schleswig-Holstein in vorbildlicher Weise; die Energieeffizienz muss gesteigert werden und in allen Bereichen muss Energie eingespart werden. Das sind die drei Säulen, auf die wir die Energieversorgung der Zukunft stellen müssen.

Das beginnt im heimischen Keller. Die größten Energiefresser in Privathaushalten sind nämlich veraltete Heizungspumpen. Bei einem Durchschnittsverbrauch von jährlich 520 bis 800 Kilowattstunden erspart eine Modernisierung erhebliche Kosten, denn neue Pumpen verbrauchen nur 150 Kilowattstunden. Das schont den Geldbeutel und die Ressourcen. Das gilt auch für andere Geräte: Neue Waschmaschinen, Gefrierschränke oder Wäschetrockner verbrauchen teilweise nur den Bruchteil dessen, was Altgeräte verschlingen. 

Allerdings heißt neu nicht automatisch stromsparender. Die Zahl der Geräte, die auch bei Standby-Betrieb weiter Strom fressen, nimmt zu. Diese versteckten Energiekosten sind sehr ärgerlich für den umweltbewussten Verbraucher; können aber mit neuen Ablesegeräten erkannt werden. Die neuen Zähler sammeln Zählerstände, werten sie aus und machen so den Stromverbrauch sichtbar. Das erleichtert die Suche nach Stromfressern, weil man als Verbraucher erkennen kann, wie hoch der Stromverbrauch von Geräten ist, die keinen Netzstecker haben. Das betrifft unter anderen den elektrische Durchlauferhitzer oder der Herd in der Küche. 

Mit dieser Technik ist auch der nächste Schritt machbar; und zwar die Entzerrung der Verbrauchszeiten. Energiegewinnung und Energieversorgung sind auf den maximalen Energieverbrauch ausgerichtet. Gelingt es, diesen zu senken, bedeutet das erhebliche Einsparpotenziale. Wenn nicht alle Haushalte morgens Wäsche waschen, sondern wenn das über den Tag verteilt wird bzw. wenn man auf das Wochenende wartet, sinken die Verbrauchsspitzen und die Energieerzeuger können ihre Kapazitäten runter fahren. Die Grundlast, die derzeit noch mit alter Technik gewährleistet wird, also mit Atom- und Kohlestrom, kann deutlich reduziert werden. Das heißt: wir sparen Kraftwerke. 

Die gewünschten Verhaltensänderungen müssten mit entsprechenden Tarifen belohnt werden. Wer abends auf den Startknopf der Waschmaschine drückt, bezahlt dann weniger als derjenige, der das tagsüber macht. 

Dazu bedarf es einer besseren und vor allen Dingen transparenten Messtechnik. Die guten alten schwarzen Zähler können das alles nicht.

Die EU hat deshalb die Mitglieder aufgefordert, die Messetechnik entsprechend zu modernisieren. Im Energiewirtschaftsgesetz des Bundes haben wir bereits jetzt Regelungen für so genannten  intelligenter Zähler, die es erlauben, dass der Anschlussnutzer seinen tatsächlichen Energieverbrauch aktuell ablesen kann. Diese Regelung in § 21 gilt allerdings nur für Neubauten und betrifft noch keine Smart Meter, sondern nur besser ablesbare Messgeräte. 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat ausrechnen lassen, was die neuen Geräte bringen. Die entsprechende Studie zeigt, dass sich die Kosten für den Einbau eines entsprechenden Zählers in größeren Haushalten durchaus lohnen. Dort, wo mehr als 6.000 kW-Stunden im Jahr verbraucht werden, bestehen messbare Kostenvorteile. Bei kleineren Haushalten, und das betrifft 90% der Haushalte in Deutschland, übersteigen allerdings die Kosten für den Zähler die Kostersparnis.

Damit sind wir bei den Nachteilen der neuen Technik. 

Die Zeitung „Die Welt“ meldet diese Woche, dass in Norderstedt bereits mehr als 60 Prozent der rund 45.000 Verbrauchsermittler durch digitale Smartmeter ersetzt wurden. Doch die Klagen über ungenaue und falsche Werte und entsprechend enorme Nachzahlungsforderungen sollen wohl flächendeckend in der Stadt auftauchen. Außerdem kursiert das Gerücht, dass die Messgeräte in den USA Brände ausgelöst hätten. Die neue Technik zeigt sich im Praxistext als noch nicht völlig ausgereift. 

Die Verbraucherzentralen wenden darüber hinaus ein, dass intelligente Zähler eine Digitalisierung durch die Kellertür bedeuten. Die Übermittlung der Daten an die Energieunternehmen sei ein Einfallstor für die Überwachung des Energieverbrauchs. Diese Einwände müssen sehr ernst genommen werden. Deshalb ist es gut den Antrag der Piraten im Ausschuss zu beraten.