Grenzüberschreitender Arbeitsmarkt: Probleme müssen vor Ort gelöst werden

25.02.1998 14:42

Anläßlich ihres Besuchs beim dänischen Aluminiumshersteller Hydro Aluminium in Tønder informierten sich die SSW-Landtagsabgeordneten Peter Gerckens, Husum und Anke Spoorendonk, Harrislee, sowie der SSW-Kreistagskandidat und Landesvorstandmitglied Mogens Lesch, Neukirchen, im Gespräch mit dem Geschäftsfuhrer, Jan Ehlers Lønstrup, über die aktuelle Situation des Unternehmens und über zukünftige Möglichkeiten, deutsche Arbeitnehmer im Werk zu beschäftigen.

Das Unternehmen Hydro Aluminium Tønder, das nur ca. 4 Km vom Grenzübergang Sæd entfernt liegt, beliefert unter anderem die deutsche Automobilindustrie mit Aluminumsprodukten. Es ist eines von vier Werken in der Umgebung von Tønder, die zum norwegischen Staatskonzern Norsk Hydro gehören. Insgesamt arbeiten in der Region etwa 860 Mitarbeiter in modernen Produktionsstätten für den Konzern. Bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden DKK und einer sehr hohen Umsatzrendite hat Norsk Hydro seit 1990 seine Beschäftigungszahlen verdoppelt. Die Unternehmensleitung will in den nächsten Jahren einen Anstieg auf zirka 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichen. Für das Unternehmen sind gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter unentbehrlich.

Angesichts einer Arbeitslosenquote von nur 6% in Sønderjylland ist absehbar, daß der Eigenbedarf an qualifizierten Mitarbeitern in Zukunft nicht mehr nur von dänischen Arbeitskräften gedeckt werden kann. Deshalb ist das Unternehmen mittelfristig an deutschen Arbeitskräften interresiert: "Heute hat Hydro nur 20 bis 25 deutsche Mitarbeiter im Betrieb. Für einen grenznahen Betrieb ist das viel zu wenig. Bei einer Arbeitslosenquote von 12 % in Nordfriesland ist es deshalb ganz natürlich, über die Grenze zu schauen, wenn man in Zukunft neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht," so Geschäftsführer Lønstrup.

Es gibt nach wie vor viele Hindernisse für die Beschäftigung von deutschen Arbeitskräften in Dänemark. Neben den unterschiedlichen Steuer- und Sozialsystemen der beiden Länder, und Sprachproblemen, weist Lønstrup insbesondere auf die Problematik der Ausbildung von deutschen Mitarbeitern hin. Hydro habe bereit eine sehr gute Zusammenarbeit mit der technischen Schule in Tønder, die eine spezielle Aluminiumfachausbildung plane. Solche Angebote können zur Zeit von deutschen Arbeitskraften aufgrund der unterschiedlichen Gesetzgebung nicht genutzt werden. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen der technischen Schule Tønder und der Berufsschule Niebüll sei deshalb eine Moglichkeit, um deutsche Arbeitskräfte gezielt auszubilden. Gedacht sei an eine deutsch-dänische Aluminiumfachausbildung.

Die SSW-Politiker sagten in dieser Sache die volle Unterstützung ihrer Partei zu und wiesen darauf hin, daß es besonders in der Frage der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit um konkrete Lösungsansätze vor Ort gehe. Für den SSW-Kreisverband Nordfriesland sicherte Mogens Lesch zu, sich dafür einzusetzen, daß alle Beteiligten und die Politiker vor Ort sich an einem Tisch zusammensetzen, um eine gemeinsame praktikable Lösung zu finden. An solchen Gesprächen sollten außer den beiden Schulen auch die jeweiligen Arbeitsämter teilnehmen. Dazu müsse untersucht werden, ob eine grenzüberschreitende Ausbildung mit EU-Geldern finanzierbar sei, so Lesch.