Promotionen und Habilitationen in Schleswig-Holstein

16.11.2011 17:24

Von: Anke Spoorendonk

Die Universitäten konnten einen großen Teil der Daten in der Großen Anfrage zu Promotionen und Habilitationen in Schleswig-Holstein nicht beantworten. Die Unkenntnis darüber, wie viele Promotionen betreut werden oder wie viele Promotionsvorhaben abgebrochen werden, weist darauf hin, dass Promotionen und Habilitationen an den Hochschulen zwar irgendwie so laufen. Es scheint aber keine gezielte Strategie, Vorgehensweise oder Handhabung zu geben.

Die Landesregierung selbst weist in der Beantwortung darauf hin, dass die Universitäten durch die Anfrage angeregt wurden, zukünftig einzelne Daten regelmäßig zu erfassen. Damit hat die SPD bereits einen Erfolg erreicht, um dieses Thema mehr in den Fokus zu rücken. Anhand der Datenlage ist es aber sehr schwierig, Aussagen über die akademische Laufbahn in Schleswig-Holstein zu treffen.

Auffällig ist aus Sicht des SSW, dass die Zugangsvoraussetzungen für Promotionen an den einzelnen Instituten sehr unterschiedlich sind. So reicht in der Theologie ein „befriedigend“, um eine Promotion anzustreben. In den meisten Fächern muss es aber ein „gut“ und als FH-Absolvent reicht nicht nur ein „sehr gut“, sondern es ist auch ein Gutachten über die besonderen Qualifikationen der Person notwendig. Unklar ist, ob die Zugangsvoraussetzungen je nach Menge der Interessierten erschwert werden oder wieso sie sich unterscheiden. Fest steht für den SSW, dass es auch andere Wege zur Promotion geben muss. Wir begrüßen daher, dass es an der Graduate School der Uni Lübeck möglich ist, eine Fast-Track-Promotion gleich nach dem Bachelor anzustreben. So wird besonders engagierten Studierenden eine Chance geboten, schneller im Hochschulsystem voranzukommen. Aus Sicht des SSW ist nämlich nach wie vor ein großer Nachteil der akademischen Laufbahn, dass sie in Teilen elend langwierig ist. Durchschnittlich liegt das Habilitationsalter in Deutschland bei 40 Jahren. Soll heißen: der wissenschaftliche Nachwuchs verbringt seine besten Jahre in einer endlosen Durststrecke. Schon vor zehn Jahren hat der SSW daher gefordert, dass die Hochschulstrukturen modernisiert werden müssen. Wir müssen weg von der Habilitation als Regelvoraussetzung für die Berufung auf eine Professur. Die Promotion sollte aufgewertet und die Habilitation abgespeckt werden.

Eine weitere sehr interessante Frage, die sich aus der Beantwortung ergibt, ist die nach dem Sinn von Promotionen. Habilitationen werden zum überwiegenden Teil nur von Personen angestrebt, die eine akademische Laufbahn an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung anstreben. Die Motivation für Promotionen ist aber sehr viel breiter gefasst. Die Chancen auf ein höheres Einkommen oder eine Festanstellung sind wohl die häufigsten Gründe. Dann gibt es Imagegründe, die zahlreich bei Juristen und Politikern auftreten und dann die Verzögerungsmotivation, die insbesondere in Geisteswissenschaftlichen Fächern auftritt, bei Personen, die eine unsichere Berufsperspektive haben.

Promotionen sagen häufig etwas über die Reproduktion akademischer Eliten aus. Sie sagen aber wenig über rege Forschungsleistung und Nachwuchsförderung aus - da diese oft gar nicht das Ziel einer Promotion sind. Außerdem müssen wir uns von der Idee verabschieden, dass Promotionen etwas über die fachliche und persönliche Eignung zum Forscher und Lehrer aussagen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass der Doktor-Titel eine angemessene Zertifizierung für akademisches Können ist.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Gesamtzahl der Promotionen und Habilitationen in den letzten zehn Jahren zurückgegangen ist und dass - außer an den philosophischen Fakultäten - mehr Männer als Frauen promovieren und habilitieren. Neben den organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für Habilitationen und Promotionen, über die wir mehr wissen sollten, interessiert aus Sicht des SSW daher vor allem auch, ob das System der Promotionen und Habilitationen eigentlich hält, was es verspricht, oder ob es Maßnahmen gibt, die nicht nur die Quantität verbessern, sondern vor allem auch die Qualität der organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen.