Schulsport

21.06.2002 12:01

Von: Anke Spoorendonk

In vielen Industrieländern gibt es eine besorgniserregende Entwicklung, die als „Krankheit durch Übergewicht“ umschrieben werden kann. Dies gilt überraschenderweise nicht nur für die USA, wo das Problem schon seit Jahren bekannt ist, sondern neue Untersuchungen belegen auch, dass Länder wie Großbritannien, Dänemark und Deutschland einen wachsenden Anstieg an Krankheiten zu verzeichnen habe, die auf das Übergewicht der Menschen zurückzuführen sind. Leider ist dabei festgestellt worden, dass auch viele Kinder und Jugendliche davon betroffen sind.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig, aber ist es klar, dass sie zum einen an den veränderten Essgewohnheiten der Bevölkerung liegen. Die vermehrte Einnahme von „Fast-Food“ und unregelmäßiges Essen spielen dabei eine große Rolle. Zum anderen müssen wir leider auch feststellen, dass sich viele Erwachsene, Jugendliche und Kinder einfach zu wenig bewegen. Kurzum auch das Ausüben von Sport in den Vereinen und oder die körperliche Betätigung in der Freizeit wird leider immer weniger.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Schulsport natürlich eine besondere Bedeutung zu. Nicht so zu verstehen, dass die Schule die Versäumnisse im Elternhaus völlig ausgleichen kann oder soll. Aber in der Schule kann durch den Schulsport möglicherweise der einen oder die andere Jugendliche für körperliche Betätigung interessiert und begeistert werden. Wer schon im Kindesalter nicht lernt, dass Bewegung und Sportausübung dem Körper gut tut - ja gerade zu unabdingbar ist für die körperliche Entwicklung – der wird es in den seltensten Fällen im Erwachsenenleben begreifen.
Aber diese Entwicklung ist natürlich nicht der einzige Grund dafür, dass Sport so wichtig ist. In ihrem Antrag verweist die Kollegin Eisenberg richtigerweise auch auf die erzieherische Wirkung des Sports und auf die Körpererfahrung als non-verbale Kommunikation. Dazu kommt die Freude, gemeinsam mit Gleichgesinnten Spiele auszuüben, also die soziale Bedeutung des Sports.

Richtig ist auch, dass der Schule als Institution, die alle Kinder erreicht, bei der Erteilung des Sportunterrichts eine besondere Bedeutung zukommt. Denn viele Kinder kommen - wie gesagt - nur in der Schule überhaupt mit dem Sport und der Erfahrung der Körperertüchtigung in Berührung. Dazu ist klar, dass der Schulsport ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Bildung ist.

Leider haben wir auch in diesem Bereich in Schleswig-Holstein einige Probleme. Gerade vor dem Hintergrund des „Jahres des Schulsport“ ist es sinnvoll, dass sich der Landtag mit dieser Problematik auseinandersetzt. So gibt es beispielsweise Probleme mit dem Unterrichtsausfall, und es fehlen ausreichend qualifizierte Sportlehrerinnen und Sportlehrer. Deshalb können wir die Zielsetzung des Antrags, die Bedingungen des Schulsports in Schleswig-Holstein zu verbessern - beispielsweise bei der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte - durchaus unterstützen.

Wichtig ist sicherlich ein Punkt, der auch im Änderungsantrag der Regierungsfraktionen aufgegriffen wird, nämlich die Zusammenarbeit zwischen Schule und Vereinen im Bereich des Sports. Auch diese ist leider nicht mehr so selbstverständlich, wie es früher einmal war. Deshalb begrüßen wir auch den Vorschlag, dass bei der Aus- und Weiterbildung von Sportlehrern die Vereine stärker einbezogen werden sollen. Es ist in diesem Zusammenhang eine gute Idee, dass überprüft werden soll, ob Sportstudierende während ihres Studiums ein Semesterpraktikum in den Vereinen ableisten können.

Insgesamt sind wir gerne bereit, alle Vorschläge, die zur einer Verbesserung der Situation des Schulsport führen, im Ausschuss ergebnisoffen zu diskutieren.