Sicherung des Landestheaters Schleswig-Holstein

26.02.2010 10:11

Von: Silke Hinrichsen

Am Beginn einer Debatte über Kultur steht leider immer eine Debatte über Geld. Auch im Fall des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters ist das nicht anders. Obwohl man in den letzten Wochen den Eindruck bekommen konnte, dass eigentlich nur noch über Geld diskutiert wird. Die Kultur wird zunehmend als luxuriöses Anhängsel gesehen, das je nach Kassenlage erhalten oder zusammengestrichen werden kann. Was einmal weg ist, kehrt aber nicht mehr wieder. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass im kulturellen Bereich fröhlich der Rotstift angesetzt und große Summen eingespart werden können. Die Kürzung relativ kleiner Summen im kulturellen Bereich richtet einen sehr viel größeren Schaden ein, als wir auf den ersten Blick sehen und verstehen. Und dies gilt insbesondere auch für das Landestheater.

Seit etwa zehn Jahren befindet sich das Schleswig-Holsteinische Landestheater in einer finanziellen Abwärtsspirale. Die Kombination aus gekürzten und eingefrorenen Gesellschafterbeiträgen sowie die Deckelung der Dynamisierung im FAG haben dazu geführt, dass sich das Theater heute sozusagen selbst auffrisst. Obwohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Gehalt verzichtet haben und die Gesellschafter wieder mehr Geld zahlen, können die Kürzungen nicht mehr aus eigenen Mitteln aufgefangen werden. Ohne die Dynamisierung im FAG steht das Landestheater vor der Insolvenz.

Dem Land ist dies seit mindestens 1 1/2 Jahren bekannt - passiert ist aber bisher nichts.
Der Ministerpräsident, der Kultur in der letzten Wahlperiode noch als Chefsache hochhielt, hat sich versteckt. Und der zuständige Minister für Kultur, Herr Dr. Klug, ist irgendwie untergetaucht. Obwohl die Schieflage des Theaters seit Monaten bekannt ist, hat es erst Anfang dieser Woche endlich ein Gespräch mit den kommunalen Spitzenverbänden gegeben.
Vor diesem Hintergrund bedanke ich mich im Namen des SSW bei der Kollegin Herold, dass sie sich als Vorsitzende des Bildungsausschuss für die Rettung des Landestheaters stark gemacht hat. Unter ihrer Regie wurden Gespräche mit dem Landestheater mit dem Ziel organisiert, einen fraktionsübergreifenden Lösungsansatz zu finden. Dies ist leider nicht gelungen.

SPD, Grüne und SSW haben sich auf einen Antrag zur Sicherung des Landestheaters einigen können, mit dem ein vollgültiges Theater im nördlichen Landesteil erhalten bleibt. Die Landesregierung wird aufgefordert, die Verhandlungen mit dem kommunalen Spitzenverbänden zu intensivieren, um die Dynamisierung wieder im FAG aufzunehmen. So erhält das Landestheater für drei Jahre die Chance, zusammen mit Kiel und Lübeck - die vor ähnlichen Problemen wie das Landestheater stehen - ein Konzept zu entwickeln, in dem die Theaterlandschaft des ganzen Landes gesichert wird. Mit dem vorliegenden CDU/FDP-Antrag verabschiedet sich das Land hingegen von seiner Verantwortung dem Landestheater gegenüber - das Schicksal eines amputierten Landestheaters wird damit endgültig besiegelt. Anders formuliert: In Zukunft wird es dann keine Musiksparte mehr beim Landestheater geben, Opern und Operetten fallen weg und ein halbiertes Symphonieorchester kann eigentlich auch gleich nach Hause gehen.

Für den SSW möchte ich ganz klar sagen, dass es ein Irrtum ist, zu glauben, dass man mit dem Wegfall der Musiksparte das Theater stärkt. Zu sehr sind Musik und Schauspiel miteinander verwoben und bedingen sich gegenseitig, als dass man die eine Seite verkürzen kann, ohne die andere nicht mit ins Verderben zu stürzen. Auch lässt sich das Landestheater aus Sicht des SSW nicht gesund sparen. Dies ist schon zu genüge versucht worden und heute sehen wir, was bei diesen unsinnigen Versuchen rauskommt.

Unser Antrag entspricht der Linie, auf die sich die Kulturpolitiker eigentlich geeinigt hatten. Auch der Kulturminister hatte sich ursprünglich für die Wiedereinführung der Dynamisierung ausgesprochen. Umso ärgerlicher ist es, dass wir heute feststellen müssen, dass wir trotz aller Gespräche im Landeshaus, in Flensburg und Rendsburg keinen Schritt weitergekommen sind.

Kultur ist kein Luxus, Kultur ist Lebensmittel. Ich bin daher stolz, dass das Landestheater in so kurzer Zeit so viel Unterstützung erhalten hat, dass es eine Bürgerinitiative „Rettet das Landestheater“ gibt und sich zahlreiche Menschen freitagmorgens vor dem Landeshaus versammeln, um für ihre Kultur zu demonstrieren. Wenn diese Landesregierung blind dafür ist, wie wichtig Kultur und Bildung für unser Land sind, müssen die Bürgerinnen und Bürger ihnen die Augen öffnen.