Stärkung des Hochschulstandortes Flensburg und Hochschulentwicklung mit Augenmaß

21.05.2010 10:02

Von: Anke Spoorendonk

Als sich der Kollege Kubicki Ende April in einem Gespräch mit den Lübecker Nachrichten verplauderte, ging aus einem Nebensatz des Presseartikels hervor, dass die Haushaltsstrukturkommission empfehlen würde, die Universität Flensburg in eine Pädagogische Hochschule zurück zu stufen. „Kann gar nicht sein“ – war die erste Reaktion bei uns im Norden! Doch mittlerweile hat selbst Wissenschaftsminister de Jager bestätigt, dass das Schicksal der Uni Flensburg noch vor der Sommerpause entschieden wird. – Und das, obwohl das Wissenschaftsministerium Anfang des Jahres die Niedersächsische Wissenschaftskommission damit beauftragt hatte, bis zum Herbst ein Gutachten über die Universität zu erstellen und erst auf dieser Grundlage die Zukunft der Uni Flensburg zu diskutieren.

Mit verantwortlicher Politik hat alles dies wenig zu tun! Dabei will ich überhaupt nicht bestreiten, dass es am Hochschulstandort Flensburg anders weitergehen muss als heute. Zu deutlich sind die notdürftige Finanzierung der Universität, ihr strukturelles Defizit und der Mangel an Personal- und Sachausstattung, als dass hier ein „weiter so“ funktionieren würde.

Es gibt eine Reihe viel versprechender Perspektiven für den Hochschulstandort Flensburg, die eine Zukunft der nördlichen Region unseres Landes aufzeigen und nicht zerstören. Dazu gehören unter dem Deckmantel des Sparens ganz explizit nicht die Zurückstufung der Uni zu einer PH und auch nicht das Andocken der Universität an die CAU. Der Spareffekt bei einer Zurückstufung ist bisher nämlich in keiner Weise belegt. Vielmehr hat das Land in den letzten zehn Jahren hunderte Millionen Euro in den Ausbau der Uni gesteckt, und auch die regionale Wirtschaft hat erheblich in die Universität investiert. – Nicht um die Landespolitik zu entlasten, sondern weil sie erkannt hat, wie wichtig ein starker Hochschulcampus für die Wirtschaft im Landesteil Schleswig ist. Ansonsten droht die Abkopplung der nördlichen Region von der wirtschaftlichen Entwicklung insgesamt, die mehr denn je von Bildung, Fachkräften, innovativem Denken und dem engen Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft abhängt. Daher sage ich klar und deutlich: Zwischen Wissenschafts- und Regionalpolitik unterscheiden zu wollen, ist einfach keine zeitgemäße Denke mehr!

Wir brauchen daher eine langfristige und tragfähige Lösung für den gesamten Hochschulstandort Flensburg. Aus Sicht des SSW muss die Zielsetzung sein, die Eigenständigkeit der Universität Flensburg mit ihren Schwerpunkten in den vermittlungs-, wirtschafts- und erziehungswissenschaftlichen Studiengängen zu erhalten. Außerdem muss der Hochschulstandort durch die intensivierte Zusammenarbeit zwischen Universität und Fachhochschule gestärkt werden. Wir fordern die Landesregierung auf, dafür die Rahmenbedingungen schaffen; denn nur eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe hat Zukunft.

Als Alleinstellungsmerkmal des Flensburger Hochschulstandortes sind schon jetzt die grenzüberschreitenden Studiengänge und die Zusammenarbeit mit der Syddansk Universitet hervorzuheben. Dass diese Kooperation kein „Sahnehäubchen“ für die Syddansk Universitet ist, sondern ein Markenzeichen und damit ein Wirtschaftsfaktor, erklärt, warum man von dänischer Seite die Diskussion um die Zukunft der Uni Flensburg mit großer Aufmerksamkeit und auch mit großer Sorge verfolgt. Soll heißen: Es ist keine Alternative, die Wirtschaftswissenschaften nach Kiel zu verlagern. Gerade die Nähe zu Flensburg macht für Sønderborg den Reiz der grenzüberschreitenden Studiengänge aus.

Die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge der Uni Flensburg strahlen somit weit über die Region hinaus. Sie stehen für 11% des Uni-Haushalts, haben rund 20% der Studierenden und generieren über 35% der Drittmittel, die von der Universität eingeworben werden. Hinzu kommt, dass die Wirtschaftswissenschaften schon jetzt für einen Großteil der jetzigen Kooperation mit der Fachhochschule stehen. Es ist daher nur folgerichtig, daraus ein echtes „Forschungsdreieck“ bestehend aus allen drei Hochschulen der Grenzregion zu gestalten. Ein grenzüberschreitendes Forschungszentrum oder die Gründung einer Europa-Hochschule im deutsch-dänischen Wirtschaftsraum wären hier mögliche Visionen für die Zukunft.

Der Aufschrei der Region über die Sparpläne an der Uni Flensburg hat in den letzten Tagen an Intensität zugenommen. Akteure der Region und Betroffene der Uni Flensburg haben deutlich gemacht, dass sie sich ihre Uni nicht einfach wegnehmen lassen. Für den SSW kann ich dies nur unterstreichen und sagen: Der Hochschulstandort Flensburg mit der Fachhochschule und der Universität hat Zukunft. Diese Zukunft lassen wir uns nicht kaputt machen!