Theaterensemble in Schleswig wird aufgelöst

03.03.2014 20:41

Das Theaterensemble in Schleswig wird aufgelöst. 17 Verwaltungsstellen und 53 Stellen im Schauspiel stehen auf der Kippe.

Diese drastische Sparmaßnahme ist die erste mittelfristige Konsequenz, die Generalintendant Peter Grisebach aus der Patt-Entscheidung der Schleswiger Ratsversammlung zieht, berichtet Flensborg Avis Online.  • Zum Zeitungsbericht...

CDU, FDP, Grüne und 2 Wählervereinigungen hatten am vergangenen Donnerstag das eigentlich gemeinsam mit der Landesregierung erarbeitete Konzept für einen Neubau am Hesterberg abgelehnt und sich für eine Sanierung des bisherigen Standortes im Lollfuß ausgesprochen. 
Als Hauptargument für den erneuten Kurswechsels dient ein anderthalbseitiges Papier eines lokalen Ingenieurs. Dieser meint, die Statik des seit 2011 wegen akuter Einsturzgefahr geschlossenen Theaterbaus ließe sich für 200.000 Euro wiederherstellen. Der Ingenieur gibt allerdings zu bedenken, er habe sich nur mit der Dachkonstruktion des Gebäudes beschäftigen können.  • Zur Expertise...

Ob die von der CDU-Expertise, die "zu einem Drittel aus einer Kurzbiografi besteht" (Hamburger Abendblatt), glaubwürdig ist, darf zumindest bezweifelt werden. Peter Grisebach gibt jedenfalls zu bedenken, dass allein die Brandschutzmaßnahmen am Dach, die wegen Einsturzgefahr niedergerissen werden mussten, seinerzeit 2,6 Mio. Euro kosteten. 

Mehrere unabhängige Experten haben den tatsächlichen Sanierungsaufwand des Gebäudes auf über 8,7 Mio. Euro geschätzt. So müsse das gesamte Gebäude auf festem Erdreich in über 25 Meter Tiefe abgestützt werden. Die Entsorgung evtl. durch die ehemals benachbarte Tankstelle belasteter Erde nicht eingeschlossen. Allein hierfür könnten zusätzliche Kosten in Millionenhöhe entstehen. 

"Schleswig wird ohne Theater dastehen", glaubt indes Generalintendant Grisebach, der sich nun auf die Standorte Flensburg und insbesondere Rendsburg konzentrieren will. Schleswig wird zwar bis 2016 weiter im Slesvighus bespielt, es wird jedoch keine Neubesetzungen mehr geben. Und danach hagelt es wohl Kündigungen, berichtet Flensborg Avis. 

Inzwischen hat sich auch das Ensemble selbst zu Wort gemeldet. 
"Der Großteil der in der Ratsversammlung Anwesenden gewann den klaren Eindruck, dass dies alles von den ablehnenden Fraktionen gleichgültig in Kauf genommen oder sogar gezielt so gewollt war und dass alle Beteuerungen, dass man ein Theater wolle, schlicht Lügen waren", so das verbitterte Fazit des Ensemble auf openpetition.de, wo ihre Petition zur Rettung des Landestheaters kürzlich mit über 17.000 Unterschriften beendet wurde.  • Zur Petition...

"Wir Mitarbeiter des Landestheaters werden unser Bestes dafür geben, dass der schlimmste Fall, nämlich das komplette Verschwinden des Landestheaters, abgewendet wird!", versprechen die Angestellten des Theater-Ensembles abschließend. 
So viel steht fest: Der SSW wird weiterhin fest an ihrer Seite stehen.