Unsere kulinarische Freiheit wird auch im Schweinestall verteidigt*

01.03.2016 14:13

Zur Forderung der CDU-Fraktion, Kitas künftig zu verpflichten, den Kindern Schweinefleisch zu servieren, erklärt der Vorsitzende des SSW im Landtag, Lars Harms:

Ich käme persönlich nie auf die Idee, meine Kultur über den Verzehr nichtwiederkäuender Paarhufer zu definieren. Aber über Kultur lässt sich ja streiten. Und für mich geht es ohnehin um etwas ganz anderes: 

Denn was macht die CDU im Grunde mit ihrem Antrag: Sie spricht jenen Menschen, die das Wichtigste in Obhut nehmen, was wir haben - unsere Kinder - die Fähigkeit ab in der Lage zu sein, ein simples Essen auf den Tisch zu stellen, das alle mögen. 

Es führt wohl kein Weg mehr daran vorbei zu erkennen: Die Kita ist die Keimzelle des bevorstehenden Untergangs unseres kulinarischen Abendlands. Deutlich auch zu erkennen am Liedgut der Erzieherinnen und Erzieher: Hier wird nicht etwa die Sau geschlacht’ oder die Wurst gemacht. Hier wird vom Hühnerhof geträllert, die Löwenjagd besungen. Sogar der arme Floh erhält seinen Abgesang, während Mittäter dampfende Hähnchenkeulen oder gar vegetarischen Unrat an die jungen Schläfer verteilen. Hier bedarf es dringend eines Folgeantrags der CDU zum Liedgut in Kitas, um auch den musikalischen Widerstand zu brechen.  

Ich kann nur warnen: Wer den Antrag der CDU als Anlass für Spott und Hohn nimmt, verkennt, wie bierernst die Lage ist. 

Jedes Kind soll wissen: Unsere kulinarische Freiheit wird auch im Schweinestall verteidigt. 

*Kann Spuren von Ironie enthalten