Unter SSW-Freunden in Hamburg

27.03.2015 12:04

„Dass auch in Holstein und Hamburg viele Minderheitendänen leben und arbeiten, hat mich nicht wirklich überrascht“, sagte SSW-Frontmann im Schleswig-Holsteinischen Landtag Lars Harms gestern in der norwegischen Seemannskirche in Hamburg. Gastgeber war die SSW-Arbeitsgruppe Holstein-Hamburg.

Die 2006 etablierte Arbeitsgruppe hatte Lars Harms zu ihrer Jahreshauptversammlung eingeladen, um über Erfahrungen, Vor- und Nachteile der Regierungsbeteiligung des SSW in Schleswig-Holstein zu berichten.

Der Husumer Abgeordnete Harms hob die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Koalitionspartnern von SPD und Grünen hervor. Ziel aller drei Bündnispartner sei es, gute Politik nicht nur für, sondern gemeinsam mit den Menschen zu machen. So seien viele Maßnahmen, etwa das neue Schulgesetz, die FAG-Reform oder das Kulturkonzept des Landes, von Dialogprozessen begleitet worden, die es in diesem Umfang in Schleswig-Holstein nie zuvor gegeben hat.

Auch die politischen Erfolge des SSW könnten sich mehr als sehen lassen, befand Harms. So seien etwa das neue Schulgesetz, die Gleichstellung der dänischen Minderheitenschulen qua Landesverfassung und das Tariftreuegesetz maßgeblich vom SSW mitgeprägt worden.

„Wir haben in nur 3 Jahren bereits rund 80 bis 90 Wahlkampfversprechen 1:1 umgesetzt.“, bilanzierte der Nordfriese unter Applaus der rund 25 teilnehmenden SSW-Mitglieder in der norwegischen Seemannskirche. Lars Harms ließ keinen Zweifel offen, dass der SSW bereit ist, die Koalition auch nach 2017 fortzuführen, „wenn die Wähler dies wünschen, und auch ein künftiger Koalitionsvertrag deutliche Fingerabdrücke des SSW trägt“.  

 

Ein weiteres Thema auf der Jahreshauptversammlung war die aktuelle Studie der Uni Hamburg, die u.a. zu dem Ergebnis kommt, dass die dänische  Minderheit mit 104.000 Angehörigen wesentlich größer ist als bisher angenommen. Bisherige Schätzungen seien stets von rund 50.000 Minderheitendänen ausgegangen. Bei genauerer Betrachtung löse sich der vermeintliche Widerspruch jedoch schnell auf, sagte Harms, der sich von der Studie wenig überrascht gab.

„Die bislang von der Minderheit selbst geschätzte Zahl 50.000 bezieht sich auf im Landesteil Schleswig beheimate Minderheitenangehörige.  Hier kommt die Studie auf eine Zahl von 42.000 Menschen, was unter Berücksichtigung möglicher statistischer Abweichungen durchaus plausibel klingt“, sagte Harms. „Dass auch in Holstein und Hamburg eine erhebliche Anzahl Minderheitendänen lebt und arbeitet, hat mich nicht wirklich überrascht. Bei der letzten Landtagswahl hat der SSW immerhin 25.000 Stimmen in Holstein geholt. Auch die Biographien von Minderheitenangehörigen können - sei es durch Beziehungen, Ausbildung oder Beruf - durchaus in den Süden führen“, so der Frontmann des SSW im Landtag.

Die Jahreshauptversammlung selbst belege dies – die teilnehmenden SSW-Mitglieder waren neben Hamburg auch aus Bad Segeberg, Lübeck, Heide, Lauenburg und anderen holsteinischen Regionen angereist.

Zum Vorsitzenden der SSW-Arbeitsgruppe wurde der pensionierte Hamburger Richter Malte de Grahl wiedergewählt. Auch der Hamburger Uwe Bruhns wurde als stellvertretender Vorsitzender im Amt bestätigt.  

Hintergrund: Die Arbeitsgruppe Holstein-Hamburg wurde 2006 gegründet. Die meisten Mitglieder haben ihre ursprüngliche Heimat im Landesteil Schleswig, und alle sind der dänischen Minderheit verbunden. Die Arbeitsgruppe trifft sich drei bis vier mal im Jahr zu politischen Veranstaltungen, Vorträgen und zu typisch dänischer Gemütlichkeit („hygge“). Reguläre Ortsvereine unterhält der SSW nur im Landesteil Schleswig sowie aus historischen Gründen auf Helgoland. Gleiches gilt bei Landtags- und Kommunalwahlen, wo der SSW zwar im ganzen Land Wahlkampf macht, Kandidaten allerdings nur im Landesteil Schleswig sowie im Kreis Pinneberg (Helgoland) aufstellt.   

SSW-Landtagsfrontmann Lars Harms (l.) und der wiedergewählte Vorsitzende der SSW-Arbeitsgruppe Holstein-Hamburg, Malte de Grahl.