Wir haben großes Vertrauen in die Entscheidungskompetenz in den Schulen vor Ort

23.01.2015 16:21

Von: Jette Waldinger-Thiering

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 23+27 - Schulnoten sind fester Bestandteil der Leistungsbewertung, Keine reformpädagogischen Experimente an unseren Schulen und Keine Experimente bei Schriftspracherwerb und Rechtschreibung an den Grundschulen Schleswig-Holsteins

Ohne die Themen Notengebung und Experimente in unseren Grundschulen in irgendeiner Form abwerten zu wollen, will ich auf eine nicht ganz unwesentliche Tatsache hinweisen: Es ist nicht das erste Mal, dass wir hier über den Sinn oder Unsinn von Ziffernnoten im Grundschulbereich reden. Und ganz ähnliches gilt für die so genannten Experimente an unseren Grundschulen. 

Auch dieses Mal möchte ich mit Blick auf diese Themen mein Vertrauen in die Entscheidung der Menschen vor Ort, die Autonomie unserer Lehrkräfte und meinen Glauben an die Wahlfreiheit betonen. Ich denke wir alle tun gut daran, die Kirche im Dorf zu lassen. So ist zum Beispiel mit der Entscheidung, ob und in welcher Grundschulklasse Notenzeugnisse erteilt werden, nicht zwangsläufig das Schicksal gesamter Generationen verbunden.

Natürlich weichen Berichtszeugnisse und Kompetenzraster stark vom vertrauten System ab. Das mag den einen oder anderen verunsichern. Und doch erlauben diese Instrumente nach meiner Überzeugung einen deutlich differenzierteren Blick auf die Fähigkeiten, Kenntnisse und Leistungen der Schülerinnen und Schüler, als schlichte Schulnoten. Glauben Sie mir: Uns ist durchaus bewusst, dass das Aneignen von messbarem Wissen und Kompetenzen ein sehr wichtiger Teil der schulischen Bildung ist. Aber Schulbildung ist doch noch viel mehr als das. Wer zum Beispiel Fortschritte bei künstlerischen Fähigkeiten oder Lernerfolge im Bereich sozialer Kompetenzen differenziert bewerten will, stößt bei einer Skala von eins bis sechs an Grenzen. Da könnte eine Kombination beider Ansätze schon Sinn machen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund von zunehmend heterogenen Klassen in einem inklusiven Schulsystem. 

Auch wenn ich also gut nachvollziehen kann, dass das Thema Schulnoten für viele vergleichsweise emotional behaftet ist, sollten wir nun alle zu einem sachlichen Umgang zurückfinden. Fakt ist, dass die Entscheidung für oder gegen Noten in den Händen der Schulkonferenzen liegt. Und weil sie hier am besten aufgehoben ist, wird sie auch in Zukunft hier liegen. Mittlerweile ist ja deutlich geworden, dass die große Mehrheit der Schulen erst einmal beim herkömmlichen System bleibt. Das will ich weder bewerten, noch will ich hier über die Gründe spekulieren. Klar ist aber auch, dass sich 20 Prozent der Grundschulen für eine Grundschule ohne Noten entschieden haben. Aber unabhängig davon, welche Haltung man zu diesem Thema auch haben mag, ist sie zu akzeptieren. Und genau das tun wir.

Denn die Leistungsbereitschaft bezeichnet die Motivationslage unserer Kinder in der Unterrichtssituation, aber auch abhängig von der Persönlichkeitseigenschaft und dem Alter. Bei jüngeren Kindern ergibt der Erfolg von Anstrengung und Fähigkeit ohne eine Bewertung des Erfolges der Leistung. Bei älteren Kindern gilt eine durchaus einfachere Formel der Leistungsbewertung: Fähigkeit x Anstrengung = Höhe des erwarteten Ergebnisses.

Daher hat der SSW großes Vertrauen in die Lehrerinnen und Lehrer vor Ort. Sie kennen die Kinder, haben einen genauen Blick für ihre jeweiligen Bedürfnisse und wissen, wie sie sie am besten Fördern können. Es geht also weniger darum, ihre Methodenwahl bis ins letzte Detail festzulegen. Im Gegenteil: Sie brauchen verschiedene Methoden und müssen aus ihnen auch in Zukunft frei wählen können. Daher meine ich, der Lernerfolg der Kinder sollte für uns alle maßgeblich sein. Und was hierfür am zuträglichsten ist, können unsere Lehrkräfte wirklich am besten beurteilen.