Wir müssen dringend für mehr Aufklärung und für größere Spendenbereitschaft sorgen

20.06.2014 13:58

Von: Flemming Meyer

Der Name Christiaan Barnard sagt heute nur noch den wenigsten etwas. Das war in meiner Jugendzeit anders. Durch seine erste Herztransplantation am 3. Dezember 1967 wurde er weltberühmt und sein Name war daraufhin lange Zeit in aller Munde. Heute sind Organtransplantationen eine Selbstverständlichkeit. Alle wissen, dass sie Leben retten und Lebensqualität zurückgeben können. Aber jede Organspende setzt natürlich auch einen Organspender voraus. Und dort hapert es zurzeit gewaltig. 

 


 

Kein Zweifel: Der Skandal um Organspenden hier in Deutschland ist eine unglaubliche Katastrophe. In erster Linie natürlich für die direkt Betroffenen und ihre Familien. Denn viele Bedürftige wären ohne diese skrupellosen Geschäfte wohl noch am Leben. Doch damit nicht genug: Dieser Skandal ist auch für all die Menschen eine Katastrophe, die hier und heute auf ein lebensrettendes Organ warten. Denn ihre Überlebenschancen haben sich nicht gerade verbessert. Und nicht zuletzt ist er auch fatal für diejenigen, die sich einfach nur mit dem Thema Organspende beschäftigen. Denn vor diesem Hintergrund muss man sich doch ehrlich fragen: Wer will es potentiellen Spendern verübeln, wenn sie das Interesse oder den Mut verlieren?

 


 

Doch so nachvollziehbar es auch sein mag, vor diesem Thema die Augen zu verschließen oder den Sinn einer Spende grundsätzlich anzuzweifeln. Aus Sicht des SSW können wir auf gar keinen Fall zulassen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Wir halten es für ein Riesenproblem, dass immer weniger Menschen Organe spenden. Während wir dieses Thema diskutieren warten allein in Deutschland über 11.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Statistisch gesehen stirbt alle 8 Stunden ein Schwerkranker, dem mit einem passenden Organ geholfen werden könnte. Deutschland liegt im internationalen Vergleich in Sachen Spendenbereitschaft schon jetzt auf einem der hinteren Plätze. Dass Schleswig-Holstein unter den Bundesländern dann auch noch den letzten Platz belegt, rundet dieses traurige Bild ab. In meinen Augen kann es gar keine Zweifel geben: Wir müssen alles daran setzen, um diesen Trend umzukehren.

 


 

Natürlich muss es das Ziel sein, dass sich möglichst alle Bürgerinnen und Bürger zu Lebzeiten mit dem Thema Organspende auseinandersetzen. Und im Idealfall mündet es dann in einem ausgefüllten Spenderausweis. Aber ich will an eine Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Jahr 2012 erinnern, nach der 70 bis 80 Prozent der Bundesbürger grundsätzlich bereit sind, Organe zu spenden. Fast alle wissen, dass es Organspendeausweise gibt - doch nicht einmal ein Viertel von ihnen besitzt einen. Damit wird klar, dass wir einen wirklich langen Atem brauchen. Sicher ist Aufklärung wichtig. Aber hiervon darf man sich nicht zu viel erwarten. Auch wenn uns diese Betrugsfälle natürlich bis heute zurückwerfen ist eins klar: Wir müssen hartnäckig bleiben und immer weiter arbeiten, um die Zahl der Spender zu erhöhen.

 


 

Skandal und Negativtrend hin oder her. Eins steht fest: Es nützt nichts, über diese schwierigen Rahmenbedingungen zu jammern. Wir müssen zwar sehen, dass das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig zerstört wurde. Und es liegt auf der Hand, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, um dies wiederherzustellen. Umso wichtiger ist und bleibt es, Ängste zu nehmen und noch intensiver aufzuklären. Aus Sicht des SSW leistet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hier sehr gute Arbeit. Auch die Krankenkassen kommen ihrer Aufgabe nach und klären über Organspenden auf. Mehr Potential sehe ich bei der Sensibilisierung der Ärzteschaft und der Krankenhäuser. Um aber die gesellschaftliche Akzeptanz und die Bereitschaft zur Organspenden insgesamt zu erhöhen, sollten wir in meinen Augen so früh wie möglich ansetzen. Ich denke, das Thema Organspende sollte zum Beispiel in verbindlicher Form in den Schulunterricht integriert werden. So stellen wir langfristig Vertrauen und ein größeres Maß an Spendenbereitschaft her. Und hierzu gibt es schlicht und einfach keine Alternative.