Zielvereinbarungen für die Jahre 2009 bis 2013 zwischen dem Land Schleswig-Holstein und den Hochschulen

12.12.2008 09:33

Von: Anke Spoorendonk

Seit 2000 gibt es Zielvereinbarungen zwischen der Landesregierung und den Hochschulen unseres Landes. Als neues Steuerungsinstrument gestalten sie die Autonomie und Flexibilität der Hochschulen im Einvernehmen mit dem Land. Übergeordnet betrachtet müssen Hochschulen und Land dabei an einem Strang ziehen, um mit der Formulierung von Zielen die finanzielle Situation der Bildungsinstitutionen zu verändern und für eine angemessene Anerkennung und Unterstützung der Lehre und Forschung zu sorgen. Diese Anforderungen sind in den Zielvereinbarungen, die die Landesregierung mit den Hochschulen bis zum 17. Dezember abschließen möchte, aus Sicht des SSW nicht erfüllt.

Die Landesregierung möchte mit den aktuellen Zielvereinbarungen die Profilbildung der Hochschulen stärken, sowie Themenfelder wie Internationalisierung, Mobilität, wissenschaftliche Weiterbildung und Gleichstellung stärken. Die aktuellen Probleme wie die Unterfinanzierung des gesamten Hochschulsystems oder die Reform der Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein werden dabei allerdings außer Acht gelassen. Die Hochschulen sollen Zielvereinbarungen unterschreiben, in denen bereits drin steht, dass sie nicht erreicht werden können. Es werden Ziele formuliert, deren finanzielle Umsetzung jedoch ignoriert.

Der SSW plädiert für eine ausgewogene Entwicklung der Hochschullandschaft in Schleswig-Holstein. Nur so wird es unseres Erachtens überhaupt möglich sein, die hehren hochschulpolitischen Ziele umzusetzen, die das Wissenschaftsministerium selbst zum Gegenstand der Verhandlungen mit den Hochschulen gemacht hat. Die Hochschulen des nördlichen Landesteils liegen uns dabei natürlich besonders am Herzen.

Die Fachhochschule Flensburg fällt hier besonders positiv durch ihre Schwerpunkte in den Regenerativen Energien und Maritimen Technologien auf. Außerdem begrüßt der SSW die regionale Verankerung sowie die Kooperation mit anderen Hochschulen, in erster Linie natürlich mit der Universität Flensburg. Auch die Förderung des Kompetenzzentrums CEwind durch das Land und der Ausbau der Nautik mit 2 weiteren W2-Stellen freuen uns sehr. Wie allerdings die ehrgeizigen Ziele vor allem im Bereich Qualitätssicherung und der Einrichtung neuer Master-Studiengänge erreicht werden sollen, derweil der vorgesehene Landeszuschuss im Jahr 2009 um über eine Million und bis Ende 2013 um bis zu knapp 4 Millionen Euro gekürzt wird, verbleibt ein Geheimnis.

Trotz jahrelanger Unterfinanzierung hat es die Universität Flensburg geschafft, die Schwerpunkte der Vermittlungs- und Erziehungswissenschaften sowie der Wirtschafts- und Kulturwissenschaften zu erhalten. Mit derzeit 4200 Studierenden und 6000 Bewerberinnen und Bewerbern auf gerade mal 1000 Studienplätze im Wintersemester 2009/2010 wurde eindrucksvoll bewiesen, dass die Universität ein nachgefragtes Studienprofil aufweist.

Das Alleinstellungsmerkmal für die Universität Flensburg sind hier die grenzüberschreitenden Studiengänge mit der Syddansk Universitet und der intensiven Zusammenarbeit mit dem Campus Sønderborg. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird von allen Parteien als positiv angesehen. Aus unserer Sicht reicht es jedoch nicht aus, diese nur zu fordern. Die Zusammenarbeit muss weiterentwickelt und vor allem auch finanziell abgesichert werden. So reicht es nicht aus, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Leuchtturmprojekte wie das Collegium Mare Balticum zu fordern und dann die finanzielle Unterstützung zu verweigern. Wenn die Landesregierung dann behauptet, dass die Syddansk Universitet das Projekt zum Scheitern gebracht hätte, ist dies schlichtweg falsch. Auch hier steckt der Teufel mal wieder im Detail. Doktorandenstellen kosten in Dänemark ein Vielfaches mehr als in Deutschland. Trotzdem hat die dänische Universität ihren Teil der Kofinanzierung zugesichert. Dass das Leuchtturmprojekt trotzdem gescheitert ist, lag einzig und allein dran, dass das Wissenschaftsministerium die Nachhaltigkeit des Projekts nicht finanziell absicherte.

In Flensburg liegt die relativ am schlechtesten ausgestattete Universität Norddeutschlands. Dass die Akkreditierung der Vermittlungswissenschaften um 18 Monate aufgrund der fehlenden Mindestausstattung in vielen Fächern ausgesetzt wurde, ist hier nur ein weiteres Zeichen dafür, dass die festgestellten Mängel an dieser Hochschule dringend gelöst werden müssen. So gibt es in den Fächern Philosophie sowie Haushalts- und Sachunterricht noch nicht einmal Professuren und in der Musik werden die Zulassungszahlen kontinuierlich gesenkt, um weitere Mittel zu sparen.
Spätestens bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses und der Neustrukturierung der Studiengänge wurde noch einmal deutlich, was schon lange bekannt ist: von einem Wissenschaftsraum Schleswig-Holstein, der auch die Universität Flensburg mit einbezieht, können wir bei dem bisherigen Einsatz der Landesregierung noch lange träumen.
Ende November wurde im Bildungsausschuss die Situation der Uni Flensburg debattiert. Kritisch haben Sie hier vor allem die Schwierigkeiten der Hochschule angemerkt, die Zielvereinbarungen zu unterschreiben. Aus Sicht des SSW sind diese Schwierigkeiten aber durchaus verständlich. Erst mit den Ergebnissen der Strukturkommission und der dringend notwendigen Zuschusserhöhung wird es möglich sein, Zielvereinbarungen zu entwickeln, die auch umgesetzt werden können. Dass der Senat der Uni Flensburg Bauchschmerzen beim Absegnen von Zielvereinbarungen bekommt, die noch nicht mal die Akkreditierung der Vermittlungswissenschaften sichert, spricht hier für den gesunden Menschenverstand der Uni-Vertreterinnen und Vertreter.

Die Universität Kiel als einzige Volluniversität des Landes bereitet sich auf die nächste Runde der Exzellenzinitiative vor. Der SSW begrüßt diesen besonders wichtigen Baustein in den Zielvereinbarungen zur Spitzenforschung in Schleswig-Holstein. Außerdem wird die Profilbildung in der Forschung weiter ausgebaut. Neben den zwei bisherigen Schwerpunkten werden unter anderem „Kulturelle Räume“ in Zukunft das Studienangebot markieren. Aus Sicht des SSW ist hier eine Abstimmung mit den kulturellen Studienangeboten der Universität Flensburg notwendig. Ein Blick nach Flensburg lohnt sich aber auch in Bezug auf E-learning Netze als Plattform zur Unterstützung der Lehre sowie EDV-basiertes Studienfeedback. Die Universität Kiel muss - salopp gesagt - hier noch ein bisschen nachsitzen, in Flensburg gehört all dies längst zum Alltag des Hochschulbetriebs.

Günther Radtke, Schriftsteller und Mitbegründer des Stern, sagte einmal: Der Mensch ist ein zielstrebiges Wesen, aber meistens strebt es zu viel und zielt zu wenig. Die Zielvereinbarungen zwischen den Hochschulen und dieser Landesregierung bestätigen diese Aussage. Es reicht eben nicht aus, nach einem Wissenschaftsraum Schleswig-Holstein zu streben und die Handlungen nicht dementsprechend zielorientiert einzusetzen. Ziele und Handlungen müssen Hand in Hand gehen, nur so können wir die Hochschullandschaft des Landes insgesamt erfolgreich gestalten.