Rede · 16.09.2026 Alleinerziehende endlich besser unterstützen!
„Alleinerziehende sind in vielfacher Hinsicht benachteiligt und brauchen deutlich mehr Unterstützung!“
Christian Dirschauer zu TOP 17 - Modellprojekt zur flexiblen Kinderbetreuung im Haushalt Alleinerziehender initiieren (Drs. 20/4713)
Wer ein oder auch mehrere Kinder allein erzieht, ist in Deutschland klar benachteiligt. Nicht nur steuerrechtlich, sondern auch beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder beim Kündigungsschutz. Es ist zum Beispiel Fakt, dass das deutsche Steuersystem die Institution der Ehe und nicht die Elternschaft belohnt. Damit führt eine Trennung für (dann) Alleinerziehende häufig zu erheblichen finanziellen Problemen. Gleichzeitig haben sie aber oft nur geringe Anreize, ihr Erwerbseinkommen zu steigern. Denn zusätzliche Einnahmen werden so hoch mit staatlichen Leistungen verrechnet, dass vom Hinzuverdienst kaum etwas übrigbleibt. In der Folge ist diese Gruppe deutlich armutsgefährdeter als der Durchschnitt der Bevölkerung. Ein Zustand, den wir doch nicht einfach hinnehmen, sondern ändern sollten!
Mir ist bewusst, dass Alleinerziehende keine allzu große Lobby haben. Auch für die schwarz-grüne Landesregierung spielen sie offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Das wurde in der Debatte zu meinem letzten Antrag zur Verbesserung der Situation Alleinerziehender im letzten Jahr deutlich. In der Kurzfassung hieß es von Seiten der Koalition: Zu viele Punke, zu teuer, kaum umsetzbar. Passiert ist bisher also wenig bis nichts. Das ist aus Sicht des SSW wirklich sehr bedauerlich. Denn neben den oben erwähnten bundesgesetzlichen Änderungen hat das Land durchaus eigene Möglichkeiten. Und mit unserem aktuellen Vorstoß für eine bessere Betreuungssituation liefern wir hier einen relativ überschaubaren Ansatz. Und doch könnte diese Maßnahme durchaus für eine spürbare Verbesserung im Alltag dieser Familien sorgen. Da kann ich die regierungstragenden Fraktionen wirklich nur aufrufen, zuzugreifen und in die Umsetzung zu gehen.
Ganz ohne Frage sind Ein-Eltern-Familien mit am härtesten von Betreuungsengpässen in Kita oder Schule betroffen. Das ist mehr als einleuchtend. Fällt der Unterricht oder die Betreuung aus, springt grundsätzlich ausschließlich der oder die Alleinerziehende ein. Zumindest ein Großteil von ihnen hat hier überhaupt keine Alternative. Doch auch die Betreuung der Kinder in Randzeiten oder am Wochenende ist herausfordernd. Vor allem diejenigen die freiberuflich oder in der Dienstleistungsbranche tätig sind, finden kaum einen adäquaten Betreuungsplatz. Und auch Alleinerziehende, die in Pflegeberufen oder im Einzelhandel an Abenden oder Wochenenden arbeiten, stehen oft vor Problemen. Von Notsituationen, wie etwa durch eine plötzliche Erkrankung, ganz zu schweigen. Ich finde, hier sollten wir dringend für Entlastung sorgen.
Ein-Eltern-Familien sind kein Randphänomen, das man hier im politischen Raum einfach vernachlässigen kann. Wir reden über rund 1,4 Millionen alleinerziehende Mütter mit Kindern unter 18 Jahren und gut 300.000 alleinerziehende Väter bundesweit. In Schleswig-Holstein liegt die Zahl bei über 100.000 Menschen. Aus Sicht des SSW brauchen diese Familien unsere Unterstützung. Nicht zuletzt, wenn es um ihren Zugang zum Arbeitsmarkt geht. Denn die Erwerbsquote bei Alleinerziehenden ist bereits höher als in der Gesamtbevölkerung. Viele aus dieser Gruppe können aber nicht oder nur weniger arbeiten als sie wollen. Und das, weil sie keine adäquate Betreuung für ihr Kind oder ihre Kinder finden. Trotz Rechtsanspruch auf einen frühkindlichen Betreuungsplatz und in vielen Fällen eben auch trotz Ganztagsausbau. Da müssen wir ran.
Wie Sie unserem Antrag entnehmen können, fordern wir daher ein Modellprojekt zur flexiblen Kinderbetreuung im Haushalt Alleinerziehender. Der Idee nach soll die Betreuung durch einen Pool an qualifizierten Betreuungspersonen sichergestellt werden. Ein solches Angebot unterstützt die Betroffenen in Akutsituationen und wird auch vom Verband Alleinerziehender selbst angeregt. Mir ist klar, dass das Land hier nicht direkt Millionensummen bereitstellen kann oder will. Aber auch im kleineren Stil könnten wir als Nebeneffekt auch wichtige Erkenntnisse über bestehende Bedarfe bekommen. Und wir könnten Erfahrungen zur Frage sammeln, wie diese Bedarfe im Zweifel aufgefangen werden. Ich finde, dass wäre alles andere als ein unnötiges Luxusprojekt. Und gerade, weil wir damit auch einen konkreten Beitrag dazu leisten würden, das große Fachkräftepotenzial dieser Gruppe zu nutzen, bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag.