Rede · 09.10.2026 Das Fundament der dualen Ausbildung stärken!
„Die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ist ein Fundament der dualen Ausbildung – und ein Fundament muss tragen. Als SSW fordern wir eine verlässliche und dynamische Finanzierung, moderne ÜBS und eine flächendeckende ÜLU. Wer Fachkräfte will, muss auch dafür sorgen, dass die Fachkräfteausbildung solide finanziert ist.“
Sybilla Nitsch zu TOP 32 - Mittelstand stärken und Ausbildungsqualität sichern: Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) zukunftsfest finanzieren (Drs. 20/4912)
ÜLU, ÜLU, ÜLU – ist eine der drängendsten Fragen bei der beruflichen Bildung in Schleswig-Holstein.
Die ÜLU – überbetriebliche Lehrlingsunterweisung – ist kein Zusatz und kein Luxus.
Sie ist ein fester Bestandteil der dualen Ausbildung. Gerade für kleine und mittlere Betriebe ist sie unverzichtbar, weil nicht jeder Betrieb jede Maschine, jede Technologie und jede Spezialisierung selbst vorhalten kann.
Deshalb gibt es die ÜLU: Sie sorgt dafür, dass junge Menschen unabhängig von der Größe ihres Ausbildungsbetriebs eine gute und zeitgemäße Ausbildung bekommen. Und daher muss eines klar sein: Was für die duale Ausbildung unverzichtbar ist, das muss auch verlässlich finanziert werden!
Tatsächlich klaffen Anspruch und Wirklichkeit jedoch auseinander. Angestrebt ist eine Drittelfinanzierung durch Betriebe, Bund und Land. In der Realität greift diese Regelung nicht.
In einer Kleinen Anfrage (Drucksache 20/4597) habe ich die Landesregierung nach den tatsächlichen ÜLU-Finanzierungsanteilen gefragt. Die Antwort zeigt für das Jahr 2025:
Rund 42 Prozent kamen von Kammern und aus Eigenmitteln, 23 Prozent vom Bund und 35 Prozent vom Land einschließlich ESF-Mitteln.
Parallel hatte ich bei der Handwerkskammer Flensburg eine Finanzierungsübersicht erfragt. Legen wir diese Zahlen zugrunde, dann wird die Lücke noch größer: Die Handwerkskammer Flensburg kommt für ihren Bereich auf rund drei Millionen Euro Mehrkosten gegenüber den HPI-Kosten. Das HPI, Heinz-Piest-Institut, ermittelt unter anderem die Verbrauchskosten und Grundlagen für die ÜLU-Lehrgänge, die dann für die Förderung herangezogen werden.
Das Problem: Die aktuelle Kostengrundlage beruht auf Daten aus dem Jahr 2019. Die für 2026 geplante Neuberechnung wurde auf 2027 verschoben; eine belastbare neue Grundlage wird erst ab Mitte 2027 erwartet. Wir finanzieren also die Ausbildung von heute mit Kostensätzen von vorgestern. Das ist ein Punkt, an dem wir als Land ranmüssen!
Die Ausbildungsbetriebe übernehmen gerne Verantwortung. Das sollen sie auch.
Aber sie können nicht dauerhaft eine immer größere Lücke bei der ÜLU schließen, von der Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt profitieren. Wer Fachkräfte will, der muss auch dafür sorgen, dass die Fachkräfteausbildung solide finanziert ist.
Herr Minister Madsen, Sie haben bei der nordwärts-Konferenz am vergangenen Freitag sinngemäß gesagt: Innovationen kommen aus den Unternehmen, die Rahmenbedingungen müssen wir als Staat setzen. Die ÜLU ist eine klassische Rahmenbedingung.
Dann lassen Sie uns gerne genau hier ansetzen!
Wir brauchen moderne Überbetriebliche Bildungsstätten, die neue Technologien abbilden können. Und wir müssen die ÜLU gerade im ländlichen Raum flächendeckend sichern, einschließlich bezahlbarem Wohnen. Daher wird die konkrete Ausgestaltung des Azubiwerkes
in der Anhörung auch so wichtig.
Was wir zudem brauchen: Verlässlichkeit!
Personal-, Material- und Energiekosten steigen und steigen.
Die Finanzierungssätze hingegen nicht. Hier brauchen wir eine Dynamisierung.
Für die Betriebe und für die Auszubildenden geht es dabei um Verantwortung, Planungssicherheit und um Solidarität.
Die Kammern zeigen im Übrigen, dass Solidarität funktionieren kann. So werden beispielsweise im Kammerbezirk Flensburg über eine ÜLU-Umlage auch Betriebe einbezogen, die selbst nicht ausbilden. Die Idee dahinter ist einfach: Alle profitieren von gut ausgebildeten Fachkräften,
also tragen alle ihren Teil bei.
Ausbildung ist eine Gemeinschaftsaufgabe – und das muss sich dann eben auch in der Finanzierung zeigen. Und ja, auch der Bund muss seinen Anteil leisten.
Aber es kann nicht die Antwort einer Landesregierung sein, immer zuerst nach Berlin zu zeigen.
Wir sind hier im Schleswig-Holsteinischen Landtag, hier liegt die Verantwortung.
Diese Verantwortung heißt: ÜLU dauerhaft sichern, ÜBS modernisieren und die Angebote gerade im ländlichen Raum erhalten.
Wir haben uns als SSW lange mit diesem Thema beschäftigt, Gespräche geführt und Zahlen zusammengetragen. Jetzt liegt unser konkreter Antrag auf dem Tisch.
Wir wollen eine Lösung für die zahlreichen engagierten Ausbildungsbetriebe, Kammern und vor allem für die tüchtigen jungen Menschen, die ihre Ausbildung mit der ÜLU durchlaufen, erreichen.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die ÜLU nicht an der Finanzierung scheitert, sondern das bleibt, was sie sein soll:
ein starkes Fundament der dualen Ausbildung, heute und morgen.