Rede · 19.03.2026 Deutsch-Dänische Förde-Agentur zur Rettung des Gewässers schaffen
Wenn wir jetzt nicht handeln, dann werden wir in ein paar Jahren nicht mehr darüber diskutieren, wie wir die Förde entwickeln – sondern darüber, was wir alles verloren haben.
Christian Dirschauer zu TOP 14 – Einrichtung einer Deutsch-Dänischen Förde-Agentur und eines Sonderprogramms zur ökologischen Gesundung der Flensburger Förde (Drs. 20/4124)
Wenn ich heute über die Flensburger Förde spreche, dann spreche ich nicht nur als Abgeordneter. Ich spreche als Flensborgdreng – als Flensburger Jung. Ich bin mit dieser Förde aufgewachsen.
Mit dem Blick aufs Wasser. Im Wasser. Und mit einem Großvater, der im Sommer seine Tätigkeit als Maschinenschlosser ruhen ließ und sich als Strandwärter von Solitüde verdingte.
Mit dem Gefühl, dass das hier mehr ist als nur ein Ort – es ist Heimat, Identität, Lebensqualität.
Und genau deshalb trifft es mich – wie viele andere Menschen an der Förde – wenn wir sehen, in welchem Zustand sich unsere Förde heute befindet.
Sauerstoffmangel.
Überdüngung.
Artenrückgang.
Das ist keine ideologische Umweltdebatte. Das ist unsere Förde. Unsere Lebensgrundlage.
Und ich will auch ganz klar sagen: Ich stehe heute nicht hier mit einem neuen Vorschlag aus dem Nichts. Als SSW beschäftigen wir uns mit diesem Thema seit Jahren – grenzüberschreitend.
Bereits 2021 haben wir als SSW den ersten Bericht zum Umweltzustand der Flensburger Förde initiiert. Nicht, weil es politisch opportun war – sondern weil klar war: Wir müssen hinschauen. Ehrlich hinschauen.
Wir haben uns aber nicht auf Berichte beschränkt. Als SSW haben wir gemeinsam mit dänischen und deutschen Naturschutzorganisationen und den engagierten Taucherinnen und Tauchern von Mission Förde e. V. selbst mit angepackt – beim Anpflanzen von Seegras. Ganz konkret. Vor Ort. Im Wasser. Aber auf dänischer Seite; weil es auf deutscher verwaltungstechnisch viel zu kompliziert ist und teilweise sogar Nutzungsgebühren von den gemeinnützigen Vereinen verlangt werden.
Wir haben, als SSW Runde Tische und Konferenzen organisiert, unter anderem im Dänischen Generalkonsulat, um Menschen zusammenzubringen, die Verantwortung tragen: aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
Mir selbst wurde die Ehre zuteil für den UNESCO-Sonderausschuss der Kommune Aabenraa benannt zu werden, um zu verstehen und mitzugestalten, wie unsere dänischen Nachbarn die Zukunft der Förde sehen – und wie wir gemeinsam Lösungen entwickeln können.
Und wissen Sie, was sich durch all diese Gespräche gezogen hat?
Drei kurze Sätze – immer wieder:
Wir wissen, was das Problem ist.
Wir handeln nicht konsequent genug gemeinsam.
Wir brauchen eine Struktur.
Wir müssen auch den Mut haben, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Dazu gehört für mich ganz klar: Die Wildmuschelfischerei in der Förde muss beendet werden. Das fordert übrigens auch der Flensburger Fischereiverein. Denn sie greift massiv in den ohnehin geschwächten Meeresboden ein, wirbelt Sedimente auf, verschärft Sauerstoffprobleme und zerstört Lebensräume, die wir eigentlich schützen und wiederherstellen wollen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang ausdrücklich dem Unterwasserteam Flensburg danken. Für seine beeindruckende Arbeit, und für das Sichtbarmachen dessen, was viele sonst nie sehen würden.
Und genau da liegt der Kern. Wir haben viele gute Initiativen. Viele engagierte Menschen. Viele ProjekteAber was uns fehlt, ist das Entscheidende: Verbindlichkeit. Koordination. Gemeinsame Steuerung. Oder ganz deutlich gesagt: Wir brauchen für die Flensburger Förde keine weiteren Teekränzchen – wir brauchen endlich konkretes Handeln.
Deshalb schlagen wir als SSW heute zwei Dinge vor:
Erstens: die Deutsch-Dänische Förde-Agentur – als echte, handlungsfähige Struktur mit Verantwortung, Personal und Budget.
Und zweitens: das Sonderprogramm „Zukunftsraum Flensburger Förde“
Denn klar ist auch: Gute Ideen allein retten keine Förde. Man braucht auch die Mittel, sie umzusetzen. Dieses Sonderprogramm ist kein Selbstzweck. Es ist die Voraussetzung dafür, dass wir ökologische Maßnahmen wirklich umsetzen, dass wir Projekte nicht nur anstoßen, sondern zu Ende bringen, dass wir langfristig planen können, statt von Förderperiode zu Förderperiode zu springen.
Es geht um: die Wiederherstellung von Seegraswiesen, die Schaffung von Steinriffen, die Reduktion von Nährstoffeinträgen, den Schutz unserer Küsten, nachhaltigen Tourismus, Innovation und Forschung, und vor allem: die Einbindung der Menschen vor Ort.
Denn eines ist mir besonders wichtig: Diese Förde gehört nicht der Politik. Sie gehört den Menschen. Und sie verbindet – Deutschland und Dänemark, Städte und Gemeinden, Generationen.
Wenn wir jetzt nicht handeln, dann werden wir in ein paar Jahren nicht mehr darüber diskutieren, wie wir die Förde entwickeln. Sondern darüber, was wir alles verloren haben. Ich will das nicht akzeptieren. Und die Menschen in unserer Region wollen das auch nicht.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Flensburger Förde das bleibt, was sie für uns alle ist: Ein lebendiger Naturraum. Ein wirtschaftlicher Motor. Ein Stück Heimat und Kultur.
Jo. Tak!