Rede · 25.09.1996 Kinesiologie und NLP an Schulen

Vielleicht sollten wir uns der hier diskutierten Thematik auf andere Weise nähern. Möglicherweise kommen wir ein Stück weiter, wenn wir uns mit dem Inhalt des hier vorgelegten bildungspolitischen Antrages auseinandersetzen.

Zum Einen enthält der Antrag einen Vorwurf. „Wie konnte man NLP und Kinesiologie zum Gegenstand von Lehrerfortbildung machen?“ wird da gefragt. Deshalb soll nun ein Bericht vorgelegt werden, der hierüber aufklärt. Wir haben wohl alle zur Kenntnis nehmen können, daß man sich beim IPTS entschieden hat, jedenfalls für das nächste Jahr im Rahmen der Lehrerfortbildung auf NLP und Kinesologie zu verzichten. Angesichts der Tatsache, daß das IPTS 10 von insgesamt 1.500 Veranstaltungen hierzu abgehalten hat, scheint uns die Erstellung eines Berichts übertrieben.

Zum Zweiten enthält der Antrag die Aufforderung zur Durchführung einer öffentlichen Anhörung. Dabei haben wir doch sicherlich alle die nötige Phantasie, um uns vorstellen zu können, was das Ergebnis einer solchen Anhörung sein wird. Zwei Seiten werden einander gegenüberstehen. Auf der einen Seite werden sich die Anhänger für die Kinesiologie und für das Neurolinguistische Programmieren stark machen. Auf der anderen Seite werden die Gegner zu Wort kommen, die die Anwendung ablehnen. Wir werden im Ergebnis einmal mit der Meinung „dies ist der Segen Gottes“ und einmal mit der Auffassung „das ist Teufelswerk“ konfrontiert werden. Werden wir danach schlauer sein? Ich wage das an dieser Stelle ausdrücklich zu bezweifeln.

Wir sollten bedenken, daß wir hier über Lehrerfortbildung sprechen. Viele von uns sind Lehrerinnen und Lehrer und haben jahrelang unterrichtet. Ich denke, daß wir für uns in Anspruch nehmen, beurteilen zu können, wann die Anwendung bestimmter Lehr- und Lernmethoden vertretbar ist, und wann nicht. In meiner Rolle als Lehrer muß ich mich an dieser Stelle fragen, was der Landtag sich eigentlich anmaßt, wenn er meint, sich in Belange der Lehrerfortbildung einmischen zu sollen und über die Inhalte der Lehrerfortbildung entscheiden zu wollen. Diese Rolle steht uns meiner Auffassung nach nicht zu.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, daß die Kinesiologie Elemente enthält, die für Lehrer im Umgang mit bestimmten Schülern beispielsweise zur Verbesserung ihrer Motorik und zur Erhöhung ihrer Konzentrationsfähigkeit sehr hilfreich sein können. Das heißt aber noch lange nicht, daß daraus die Vermittlung einer Weltanschauung folgt.
Der SSW hat nichts dagegen einzuwenden, daß sich der Bildungsausschuß mit dem vorliegenden Antrag auseinandersetzt. Allerdings können wir dem Antrag seinem Inhalt nach aus den genannten Gründen nicht zustimmen.

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