Rede · 27.08.2026 Mehr Tempo für den Hitzeschutz
„Ob jemand sicher durch eine Hitzewelle kommt, darf weder vom Alter noch vom Geldbeutel oder von der eigenen Wohnsituation abhängen.“
Christian Dirschauer zu TOP 43 - Hitzeschutz aktiv gestalten – Bevölkerung schützen (Drs. 20/4720)
Die Bilder von brennenden Wäldern oder von Flüssen mit rekordniedrigen Pegelständen haben wohl alle klar vor Augen. Und auch die erschreckende Meldung des Robert-Koch-Instituts, nach der es in diesem Jahr bereits mehr als 12.500 Hitzetote gegeben hat, dürfte hoffentlich noch sehr präsent sein. Ich gehe daher davon aus, dass wir hier alle eine alarmierende Erkenntnis teilen: Und zwar die, dass auch der Sommer 2026 die Folgen der Klimakrise überdeutlich spürbar macht. Und ich sage ganz bewusst „auch“, weil diese Entwicklung ja nicht neu ist. Denn es ist Fakt, dass wir uns seit Jahren von einem Hitzerekord zum nächsten bewegen. Und daraus folgt für uns vor allem eins: Wir brauchen endlich mehr Verbindlichkeit und mehr Engagement im Klimaschutz. Denn die Folgen der Klimakrise warten nicht darauf, bis wir politisch so weit sind!
Keine Frage: Die Folgen des Klimawandels sind vielfältig und komplex. Doch trotz der gewaltigen globalen Aufgabe, diese Entwicklung und die Auswirkungen zumindest einzudämmen, ist dringend auch regionales Handeln erforderlich. Und weil völlig unstrittig ist, dass die zunehmende Hitze auch bei uns in Schleswig-Holstein zu immer größeren gesundheitlichen Risiken führt, ist die erneute Initiative der SPD für mehr Hitzeschutz enorm wichtig. Ja, wir reden hier über Anpassungsmaßnahmen und nicht über Ursachenbekämpfung. Aber es ist völlig klar, dass die Zahl der Fälle von Hitzschlägen, Verbrennungen, Dehydrierungen oder Kreislaufbeschwerden immer weiter steigt. Und es lässt sich leider auch feststellen, dass die absolute Zahl der Betroffenen stetig wächst. Denn neben Schwangeren und jungen Menschen, leidet vor allem die steigende Zahl älterer Menschen unter den Folgen der Hitze. Da ist es aus Sicht des SSW nur folgerichtig, wenn wir diese Herausforderungen strukturiert im Rahmen eines Hitzeaktionsplans angehen.
Denn auch dieser Sommer hat wieder klar gezeigt, dass die bestehenden Strukturen und Angebote nicht ausreichen. Auch hier im Land sind Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Der Großteil von ihnen in Pflegeeinrichtungen, gefolgt von Krankenhäusern. Zwar waren es in Schleswig-Holstein laut RKI mit 70 Menschen weniger als im Bundesdurchschnitt. Aber wir müssen uns bewusst machen, dass viele dieser Fälle durch einen effektiven Hitzeschutz vermeidbar gewesen wären. Aus Sicht des SSW ist es jedenfalls längst nicht mehr zeitgemäß, wenn Hilfen und Hitzeschutzmaßnahmen überwiegend ehrenamtlich getragen oder unterfinanziert sind. Natürlich gibt es die Modernisierung von Gebäuden, die Installation von Klimaanlagen oder verstärkte Verschattungsmaßnahmen nicht zum Nulltarif. Aber Nichtstun ist eben auch nicht kostenlos. Und die Kostenfrage darf erst recht kein Argument dafür sein, die Hände in den Schoß zu legen.
Die SPD hat es im Antrag benannt: Vor allem der Hitzeschutz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen muss dringend gestärkt und der Schutz vulnerabler Gruppen ausgebaut werden. Hier müssen wir Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit Behinderungen besonders in den Blick nehmen. Und wir dürfen diejenigen nicht vergessen, die sich einer Hitzewelle kaum entziehen können: obdachlose Menschen oder Menschen, die allein leben und niemanden haben, der regelmäßig nach ihnen sieht. Denn ob jemand sicher durch eine Hitzewelle kommt, darf weder vom Alter noch vom Geldbeutel oder von der eigenen Wohnsituation abhängen. Als Ergänzung zu den vielen genannten Punkten halten wir auch Ansätze wie kommunale „Kühle-Orte-Karten“ oder auch umfassendere städtebauliche Maßnahmen zur Begrünung und Verschattung für wichtig. In jedem Fall muss allen klar sein, dass ein wirklich effektiver Hitzeschutz ein umfassendes Maßnahmenpaket braucht.
Die beste Maßnahme zur Vermeidung von Hitzewellen und den immer gravierenderen Auswirkungen von Hitze ist ein stärkeres Engagement im Klimaschutz. Und doch wird das Thema Hitzeschutz leider unweigerlich immer wichtiger werden. Ich denke, dass es vor diesem Hintergrund und angesichts steigender Betroffenenzahlen schlicht fahrlässig wäre, wenn Bund, Länder und Gemeinden ihren Einsatz für den Hitzeschutz nicht massiv ausweiten. Deshalb muss auch die schwarz-grüne Landesregierung beim Hitzeschutz mehr Tempo machen. Ja, wir reden dabei über Maßnahmen, die Geld kosten. Aber wir reden vor allem über Maßnahmen, die im Zweifel Menschenleben retten. Und genau deshalb dürfen wir sie nicht länger aufschieben.