Pressemitteilung · 20.11.2015 Vormundschaften sind Gold wert

Lars Harms zu TOP 25 - Inobhutnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, Eritrea, Somalia, und immer häufiger auch aus Syrien. In diesem Jahr werden etwa 2500 allein reisende Kinder und Jugendliche erwartet, die zu uns nach Schleswig-Holstein fliehen. Das sind drei Mal so viele wie im letzten Jahr. Wie viele es im kommenden Jahr werden, das weiß kein Mensch und lässt sich auch nicht hervorsagen. Dies ist ohne Zweifel eine große Herausforderung. Dieser Herausforderung gilt es nun, gerecht zu werden und zukunftsgerichtet Schritt für Schritt bessere Standards für die jungen Menschen zu erwirken. Denn klar ist, das die bisherigen Strukturen nicht für eine so große Anzahl von Jugendlichen ausgerichtet ist. Eine völlig dezentrale Unterbringung ist in dieser Hinsicht nicht immer möglich; oder gar von maßgebenden Vorteil. Denn erst einmal sollte die Fachkenntnis gebündelt werden, damit so viele Kinder und Jugendliche wie möglich von ihr profitieren können. Denn es ist ein entscheidender Unterschied, ob man mit seiner Familie seine Heimat verlässt, oder allein – und das gerade als junger Mensch. Vor diesem Hintergrund braucht es schlichtweg die spezialisierte Fachkompetenz der örtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor dem Hintergrund der angespannten Lage und oftmals ausgeschöpften Kapazitäten, begrüße ich, dass eine Summe von 40.000 € für den Verein Lifeline fest zugewiesen ist. Denn schließlich nimmt der Verein eine wichtige Brücken- und Aufklärungsfunktion ein. Neben den hauptamtlichen Kräften geht es auch an dieser Stelle nicht ohne das Ehrenamt. Ehrenamtliche Vormundschaften sind quasi Gold wert. Denn sie können den regelmäßigen Kontakt zum Jugendlichen auf eine andere Ebene bringen, als es die Jugendämter können. Nun muss man aber ehrlicherweise auch sagen, dass die Übernahme einer Vormundschaft kein Spaziergang ist. Schließlich geht es auch um Verantwortung für einen jungen Menschen, der sonst keine oder kaum Bezugspersonen in seiner Nähe hat. Diejenigen, die eine Vormundschaft übernommen haben, leisten unverzichtbare Arbeit in unmittelbarer Ergänzung zu den bestehenden Institutionen und Vereinen. Der Flüchtlingsrat hat eine detaillierte Checkliste ausgearbeitet, für diejenigen, die eine Vormundschaft übernehmen wollen oder dies bereits getan haben. Dieses Heftchen ist mehr als nur ein Informationsflyer, sondern er arbeitet  nahezu alle Fragen ab, die sich in diesem Zusammenhang ergeben können. Von daher kann ich an dieser Stelle nur dafür werben, sich diese Lektüre noch einmal genauer anzusehen, sollte ein Interesse an der  Übernahme einer Vormundschaft bestehen.  Doch natürlich geht es auch um eine vernünftige Unterbringung. Die Unterbringung der jungen Flüchtlinge erfolgt im Allgemeinen nach den Jugendhilfevorgaben des SGB VIII. Hier müssen Abwägungsprozesse stattfinden, damit trotzdem das Wohl der zu uns kommenden unter 18 –Jährigen gewährleistet werden kann. Kompromisse gehören in gewisser Weise zum Alltagsgeschäft. Dazu reicht ein Blick auf die Zahlen. So konnte der Kreis Rendsburg-Eckernförde noch Mitte September etwa 63 minderjährige Flüchtlinge verzeichnen, während es in Neumünster um die 400 sind.  Da kann man sich leicht zusammenrechnen, dass wir es mit sehr unterschiedlichen Verhältnissen zu tun haben. Ähnliches wurde auch schon in den Ausschussberatungen thematisiert. Dabei geht es natürlich um eine ganz wichtige Frage, nämlich die nach der Bewerkstelligung der ungleich verteilten Aufgabenlast, um die Weiterbildung von hauptamtlichen Mitarbeitern und natürlich auch um adäquate Schulung für das Ehrenamt. Genau an diesen Stellschrauben müssen wir drehen, damit sich der Alltag der jungen Flüchtlinge auch bei uns in Schleswig-Holstein verbessert. Denn letztendlich geht es doch nur um eins, nämlich um das Miteinander. 

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