Rede · 28.01.2026 Wir müssen den „Ismen“ in unserer Gesellschaft entgegenwirken!
„Wir wollen, dass Menschen mit jüdischem Glauben gerne hier leben und sich mit ihrem Glauben und ihrer Identität akzeptiert und wertgeschätzt fühlen.“
Jette Waldinger-Thiering zu TOP 52 - Umsetzung 10-Punkte-Plan für jüdisches Leben (Drs. 20/ 3910)
Wie ich bereits im März letzten Jahres gesagt habe, Antisemitismus ist kein Wissensproblem.
Diese Art der Menschenfeindlichkeit äußert sich gerade im vollen Bewusstsein dessen, was vor 80 Jahren in Deutschland geschehen ist.
Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster sagte:
„schon jetzt seien die Kräfte beträchtlich, die die jüdische Gemeinschaft aus dem öffentlichen Leben verdrängen und der Sichtbarkeit, welche Überlebende des NS-Terrors erstritten hatten, berauben wollen.
Man darf nicht nachlassen, sich nicht auf erreichtem Ausruhen oder sogar meinen, es sei jetzt doch ausreichend informiert worden. Denn immer wieder weisen viele Menschen in Deutschland Bildungslücken in Sachen Holocaust und Antisemitismus deutlich von sich. Und gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir diesem 10-Punkte-Plan für jüdisches Leben gut und effektiv umsetzen.
Auch wenn jetzt schon viel besprochen wurde und viele Dinge benannt wurden, möchte ich dennoch auf einzelne Punkte eingehen. Insgesamt sind hier viele gute Maßnahmen, Netzwerke und Konzepte entstanden, die eine lebendige Erinnerungskultur und - dass es mir besonders wichtig – eine gegenwärtige Auseinandersetzung mit dem jüdischen Leben in unserem Land fördern.
Allerdings ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass wir zu den beschriebenen Maßnahmen in den Punkten 1 bis 5 an Schulen und Hochschulen eine nachhaltige Finanzierung mit einplanen und gewährleisten.
Unser Bildungssystem stößt durch unterschiedliche Herausforderung häufig an seine Belastungsgrenze. Auch wenn man auf dem Papier Gesetze ändert und Leitfäden und Konzepte schreibt, kommt es am Ende auf die praktische Umsetzung an. Hierfür müssen wir ausreichend Raum und Ressourcen schaffen, damit die erarbeiteten Inhalte authentisch und überzeugt vermittelt und umgesetzt werden können.
An den Hochschulen sind großartige Angebote und Bemühungen erfolgt, die den Studierenden die Möglichkeit bietet, sich mit der Vergangenheit und der gegenwärtigen Situation des jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein auseinander zu setzen.
Wichtig wird es sein, die Umsetzung an den Schulen und Hochschulen gut im Blick zu behalten
und sie regelmäßig zu evaluieren.
Besonders bei den digitalen Lernangeboten sehe ich noch sehr viel Luft nach oben. Hier müssen noch einige Mittel fließen und die Umsetzung muss konkretisiert werden.
Ganz besonders freut mich, dass die Erarbeitung des Landesaktionsplan erfolgreich war und dass dem Netzwerk der teilnehmenden eine positive und konstruktive Zusammenarbeit gelungen ist
und diese auch weiterhin genutzt und gestärkt wird.
Für den SSW ist besonders die Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur ein wichtiger Bestandteil des 10-Punkte-Plan für jüdisches Leben.
Nur in Gedenken und Erinnerungen an die Vergangenheit können wir die Zukunft und Gegenwart lehrreich gestalten.
Bereits in der Küsten-Koalition haben wir als SSW die Gedenkstättenarbeit besonders gefördert und gestärkt. Es ist wichtig, dass junge Menschen Orte sehen und erleben, die den Holocaust mit allen seinen Grausamkeiten greifbar machen und eine Auseinandersetzung mit dem Geschehenen fördern. Es ist notwendig, dass wir trotz knapper Haushaltslage mehr in die Gedenkstättenarbeit investieren und den Schulen ermöglichen, dorthin zu fahren.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch mal unsere SSW-Forderung wiederholen,
dass auch Fahrten ins Fröslev-Lager direkt hinter der dänischen Grenze ermöglicht werden sollten,
um Schülerinnen und Schülern alle Aspekte der Kriegsgrausamkeiten besonders hier im Grenzland
zu verdeutlichen.
Wir sind in Schleswig-Holstein auf dem richtigen Weg. Wir wollen, dass Menschen mit jüdischem Glauben gerne hier leben und sich mit ihrem Glauben und ihrer Identität akzeptiert und wertgeschätzt fühlen.
Wir müssen den „Ismen“ in unserer Gesellschaft entgegenwirken, um ein gutes Zusammenleben mit aller menschlicher Vielfalt in unserer Bevölkerung zu stärken.