Pressemitteilung · 24.05.2019 Finnland ist nicht nur Vorreiter in Sachen Bildung, sondern auch wenn es darum geht, verschiedene Sprachgruppen in Lehre und Beruf, gesellschaftlich und medial einzubinden. Einsprachigkeit ist heilbar - die Finnen machen es vor

"Was in Finnland seit Jahren gut funktioniert, muss in Schleswig-Holstein auch möglich sein", fasst Lars Harms eine gestern beendete Fraktionsreise des SSW im Landtag nach Helsinki zusammen.

Finnland ist wie Schleswig-Holstein ein Land der Sprachen und Kulturen. Und doch in vielen Punkten einen guten Schritt voraus. Etwa wenn es um Mehrsprachigkeit in den öffentlich-rechtlichen Medien geht.

"Während sich der NDR seit Jahren weigert, auch Inhalte in dänischer Sprache anzubieten, sendet die finnische Rundfunkanstalt Yle längst in 18 Sprachen, im TV auch mit Untertiteln in mehreren Sprachen. Und zwar nicht auf irgendwelchen Nischensendern, sondern im Premium-Programm", so Harms. Hier sei in Schleswig-Holstein noch deutlich Luft nach oben - auch in Bezug auf die friesischen Sprachen.

Ähnlich sehe es beim Fremd- und Muttersprachenunterricht aus, so die bildungspolitische Sprecherin Jette Waldinger-Thiering: "Allein im Laufe der neunjährigen Gesamtschule lernen die Schüler mindestens zwei Fremdsprachen. Mit der neuen Schulreform im Jahr 2020 soll die erste Fremdsprache gar schon ab der ersten Klasse unterrichtet werden".

Bemerkenswert sei dabei, so der SSW-Abgeordnete Flemming Meyer, dass die konkrete Ausgestaltung des Fächerangebotes sowie der Didaktik weitgehend in die Hände der Schulträger gelegt wird. "So werden wichtige Dinge von den Schulprofis vor Ort anhand ganz individueller Bedürfnisse der Kinder entschieden. Davon können wir einiges lernen", sagt Meyer.

Auch im Studium wird großen Wert auf den Erwerb von Sprachen gelegt. "Das Angebot ist enorm. Und auf diese Weise wird dem Mangel an mehrsprachigen Fachkräften in Forschung, Lehre und Wirtschaft, wie wir ihn kennen, effektiv entgegengewirkt", stellt Jette Waldinger-Thiering fest. "Deshalb müssen wir den Dänisch- und Friesischunterricht nicht nur an unseren dänischen, sondern vor allem auch an den deutschen Bildungseinrichtungen weiter stärken", so die SSW-Bildungsexpertin.

Rund 5,5 Prozent der Finnen sprechen Schwedisch als Muttersprache; die sogenannten Finnlandschweden. Schwedisch gilt neben Finnisch als zweite Amtssprache. Und das ist nicht nur in Helsinki und auf Åland, sondern auch in vielen weiteren Regionen des Landes sicht- und erlebbar: Die Straßenbeschilderung erfolgt konsequent zweisprachig, es gibt schwedische Kindergärten, Schulen und Bibliotheken, und selbst die Kommunikation mit den Behörden kann hier komplett auf schwedisch erfolgen - ähnliche jener Regelung, die der SSW im Landtag für Dänisch und Friesisch im Landesteil Schleswig und Kiel erreicht hat.

"Einsprachigkeit ist heilbar. Wer konsequent auf den Erwerb von Fremd- und Muttersprachen setzt, steht auch im internationalen Vergleich besser dar. Die Finnen sind dafür der beste Beweis", so Harms.

Das Reiseprogramm des SSW umfasste u.a. Besuche und Gespräche im Finnish National Agency of Education, dem Sprachinstitut der Universität zu Helsinki sowie in den mehrsprachigen Redaktionen der Rundfunkanstalt Yle. Besucht wurden auch die finnische Nationalbibliothek sowie die nordische Bibliothek der Hauptstadt. 

Weitere Artikel

Rede · 18.06.2026 Gehörlosen Menschen endlich Anerkennung geben!

„Als Minderheitenpartei wissen wir, was es bedeutet, wenn Menschen übersehen werden. Wir wissen, wie wichtig es ist, dass nicht immer nur diejenigen berücksichtigt werden, die ihre Interessen am schrillsten vertreten. Und vielleicht fällt uns deshalb besonders deutlich auf, wenn diejenigen vergessen werden, die keine große Lobby haben. Für mich ist das Gehörlosengeld deshalb weit mehr als eine finanzielle Leistung. Es ist ein Zeichen des Respekts. “

Weiterlesen

Rede · 19.06.2026 Demokratie weiterentwickeln!

„Es geht es darum, unsere Demokratie zu schützen, zu verbessern, gleichsam weiterzuentwickeln wie zu bewahren.“

Weiterlesen

Rede · 19.06.2026 Missunde III - Ein peinlicher Verlauf

„Sollte sich erweisen, dass die Missunde III-Fähre nicht dauerhaft betriebsfähig ist für diese Querung an der Schlei, muss für den Übergang die Missunde II eingesetzt, damit dann ein kleinerer, betriebsfähiger und wirtschaftlicher Neubau einer Fähre geplant werden kann. Es braucht dringend einen verlässlichen Plan und es braucht Vertrauen, das wachsen kann.“

Weiterlesen