Pressemitteilung · 11.06.2026 Schilderungen des Marburger Bundes sind ein Weckruf

Zu den heute vorgestellten Ergebnissen einer Mitgliederbefragung des Marburger Bundes erklärt der Vorsitzende und gesundheitspolitische Sprecher der SSW-Fraktion im Landtag, Christian Dirschauer:

„Die Schilderungen des Marburger Bundes sind erschreckend. Gerade die Vielzahl der geschilderten Erfahrungen zeigt, dass wir es nicht mit einzelnen Ausreißern, sondern mit einem strukturellen Problem zu tun haben.

Menschen investieren viele Jahre in ihre Ausbildung, übernehmen jeden Tag Verantwortung für andere und arbeiten ohnehin unter hoher Belastung. Sie sollten sich darauf verlassen können, dass Respekt und ein fairer Umgang selbstverständlich sind.

Die Ergebnisse sollten deshalb ein Weckruf sein. Führungskultur und Arbeitsbedingungen verdienen deutlich mehr Aufmerksamkeit. Denn die beschriebenen Mechanismen - Hierarchien, Abhängigkeiten, Angst vor beruflichen Nachteilen und die Bagatellisierung von Grenzüberschreitungen - dürften kaum an der Tür zum Arztzimmer enden. Auch Pflegekräfte, Hebammen, Therapeutinnen und Therapeuten oder Beschäftigte im Rettungsdienst arbeiten in Strukturen, in denen ähnliche Abhängigkeiten bestehen können.

Deshalb sollten Land und Kommunen, aber auch private Träger die Ergebnisse zum Anlass nehmen, sich ein eigenes Bild zu verschaffen, wie Beschäftigte die Arbeitsbedingungen, die Führungskultur und bestehende Beschwerdestrukturen wahrnehmen und hier ggf. nachschärfen.

Wir reden viel über Fachkräftemangel. Dann sollten wir auch darüber reden, wie wir mit den Menschen umgehen, die unser Gesundheitswesen jeden Tag am Laufen halten.“

Hintergrund:
Der Marburger Bund hat eine Mitgliederbefragung zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung unter seinen Mitgliedern vorgestellt. 
Demnach berichtet über die Hälfte der Teilnehmer von Machtmissbrauch, rund 13 Prozent der Teilnehmer von sexueller Belästigung durch anzügliche Witze oder Bemerkungen. Nicht wenige Betroffene denken nach eigener Aussage über einen Klinikwechsel oder sogar den Ausstieg aus der stationären Versorgung nach.
Der Marburger Bund spricht nicht von Einzelfällen einzelner Häuser, sondern von einem strukturellen Problem. Medizin sei nach wie vor hierarchisch organisiert: Abhängigkeit von Vorgesetzten bei Dienstplänen, Weiterbildung und Karriere begünstige Machtmissbrauch. Beschwerden würden häufig bagatellisiert, Konsequenzen blieben oft aus.
 

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