Rede · 27.08.2026 Schwimmunterricht in Schleswig-Holstein geht den Bach runter!

„Der NDR meldete vor einigen Tagen, dass die Zahl der tödlichen Badeunfälle im Norden insgesamt rückläufig ist, in Schleswig-Holstein aber in 2026 gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Offenbar haben die zahlreichen Debatten im Landtag an der Prävention wenig bis kaum etwas ausgerichtet. Das ist entmutigend.“

Jette Waldinger-Thiering TOP 20 - Schwimmunterricht an Schulen in Schleswig-Holstein (Drs. 20/4459)

Vielen Dank für die Antwort auf die Große Anfrage der FDP-Fraktion. Eines vorweg: Die Antwort der Landesregierung hätte ein wenig lesefreundlicher ausfallen können: die Verweise auf ältere Drucksachen machen die Lektüre ziemlich umständlich.
Der NDR meldete vor einigen Tagen, dass die Zahl der tödlichen Badeunfälle im Norden insgesamt rückläufig ist, in Schleswig-Holstein aber in 2026 gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Offenbar haben die zahlreichen Debatten im Landtag an der Prävention wenig bis kaum etwas ausgerichtet. Das ist entmutigend. Ich bin davon überzeugt, dass wir bei den Erwachsenen und ganz speziell bei den Senioren noch einiges vorhaben, was die Schwimmfähigkeit und ihre korrekte Selbst-Einschätzung betreffen. Diese Personengruppe ist wesentlich schwieriger anzusprechen als die Schülerinnen und Schüler. Und auch bei dieser Personengruppe ist die Aufgabe herausfordernd – und das liegt an den komplexen Rahmenbedingungen:
Erstens. Schwimmkurse erfolgen im Alltagsgeschäft der Schule, sind aber eine organisatorische Herausforderung, weil die Kurse nicht dem Stundenplan entsprechen. Das wird von vielen Schulen als Hindernis erlebt, weil die Kurse zusätzlichen Organisationsaufwand nach sich ziehen. 
Zweitens: Die Schulen sind auf eine funktionierende Schwimm-Infrastruktur angewiesen. Die Schwimmbäder müssen in der Nähe der Schulen liegen – ansonsten können die Schwimmkurse nicht angeboten werden. Ohne Schwimmstätten – keine Kurse! Viele Schwimmbäder haben einen erheblichen Sanierungsbedarf. Hier erwarte ich mittelfristig eine erhebliche Finanznachfrage. Schwimmkurse im Freigewässer könnten im Land zwischen den Meeren eine Alternative sein – aber ich denke nicht für die Schulen, sondern eher für die Vereine.
Drittens: Der Transport. Durch die Schließung kleiner Schwimmbäder werden die Transportwege länger. Die Schulen können den Transport über eine lange Strecke nicht realisieren. Darum weichen sie auf Angebote in den Ferien aus. Ich halte das lediglich für einen Kompromiss, denn das Lernen im Klassenverband bietet sehr viele Vorteile, die bei den Ferienkursen so nicht gegeben sind.
Viertens: das Personal. Schwimmtrainerinnen und Trainer kommt eine große Verantwortung zu. Darum sind deren Qualifizierung und die Weiterbildung so enorm wichtig. Ich begrüße ausdrücklich die neuen Diagnostik-Apps, den einen passgenauen Schwimmunterricht ermöglichen sollen. Das ist der richtige Weg, um die Sportlehrerinnen und -lehrern eine Unterstützung an die Hand zu geben. Allerdings weiß ich auch, dass die Planung oft auf Kante genäht ist. Schwimmkurse fallen oftmals aus, weil es keine Vertretung für die trainierende Lehrkraft gibt. Das ist bitter.
Fünftens: Evaluation. Gerade, wenn in einem Bereich viele, unterschiedliche Maßnahmen zum Zuge kommen – wie es die Antwort der Landesregierung in beeindruckendem Maße zeigt – muss man genau schauen, welche Maßnahme, welche Wirkung entfaltet. Darum erwarte ich, dass unter anderem die Schwimm-Lern-Offensive SH evaluiert wird. Die Ergebnisse können wir im Ausschuss dann bewerten.
Schwimmen ist eine Tätigkeit, die nicht nur den Gleichgewichtssinn trainiert und die Atmung verbessert, sondern Schwimmen hat nachweislich einen positiven Einfluss auf die kognitive Entwicklung. 
Darum stellt sich die Frage, wie wir neben Schulen und Vereinen noch andere Akteure in die Verbesserung der Schwimmbefähigung einbinden können. Gerade den Eltern selbst kommt eine zentrale Rolle zu. Wie sie besser eingebunden werden können, ohne das den Schulen daraus noch eine weitere Aufgabe aufgebürdet wird, sollten wir im Ausschuss besprechen.

 

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