Rede · 21.03.2001 Weiterentwicklung des Gymnasiums

Der vorliegende CDU-Antrag ist ausführlicher als der Antrag, den wir vor nicht mal einem Jahr debattierten. Damals ging es kurz und gut um die Einführung des Abiturs nach 12 Schuljahren, heute geht es schon um etwas mehr. Da soll der Landtag die Weiterentwicklung des Gymnasiums beschließen – und zwar so, wie die CDU es gerne haben möchte.

Es würde zu weit führen, auf die Aussagen des Antrages im Einzelnen einzugehen, aber ich finde es schon interessant, wie gleich im ersten Satz auf die TIMS-Studie verwiesen wird – als Argument dafür, dass „die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf 12 Jahre als eine Chance zu neuen inhaltlichen Weichenstellungen für das Gymnasium“ begriffen werden sollte. Aus der Sicht des SSW lädt die TIMS-Studie zu ganz anderen Schlussfolgerungen ein, u.a. dazu dass gute Leistungen vor dem Hintergrund ganz unterschiedlicher schulischer Strukturen betrachtet werden müssen.

Die CDU will mit ihrem Antrag die Grundlagenbildung des Gymnasiums stärken, denn „die frühe fachliche Spezialisierung durch die reformierte Oberstufe seit den 70’er Jahren hat sich nicht bewährt“. Sie will eine Straffung der Lerninhalte, einen breiteren Pflichtfächerkanon und ein weiteres Abiturprüfungsfach - und alles dies soll wie gesagt mit einem Abitur nach 12 Schuljahren enden. Insgesamt soll der Schleswig-Holsteinische Landtag bei der Definition der Lern- und Bildungsinhalte ein Ende der Beliebigkeit beschließen.

Was heißt das nun? – Oder anders gesagt: Ich versuche verzweifelt, mir so ein Gymnasium vorzustellen: mit vielen verschiedenen Fächern, mit vielen Bindungen und Lehrplänen mit festen Lerninhalten. Alles dies hatten wir schon mal. Es gab mal Lehrpläne, die genau festlegten, was unterrichtet werden sollte – welche Themen, welche Werke, welche Reihenfolge der Unterrichtsinhalte. Verglichen mit dänischen Lehrplänen sind auch heute noch die Lehrpläne der Gymnasien mit Zwangsjacken zu vergleichen.

An meinem alten Arbeitsplatz wurde dies immer wieder hitzig diskutiert. Was auch immer diskutiert wurde, war das Kurssystem – nicht wegen der frühen Spezialisierung, sondern weil durch das Kurssystem das soziale Lernen in der Oberstufe immer einen ganz schweren Stand hatte. Aber an dem Kurssystem gedenkt die CDU anscheinend nicht zu rütteln.

Der SSW lehnt ein Abitur nach 12-Jahren weiterhin ab. Die Ableistung des Gymnasiums in 8 Jahren ist Schülerinnen und Schülern bereits heute nicht grundsätzlich verwehrt. Die Oberstufenverordnung sieht sowohl das Springen für die schnellen Lerner von dem zweiten Halbjahr der zehnten Klasse zu dem zweiten Halbjahr der elften Klasse als auch das direkte Springen nach Beendigung des 10. Schuljahres zum 12. Schuljahr vor. Auch vorher ist das Überspringen einer Klassenstufe möglich, zum Beispiel von Klassenstufe fünf nach sieben.

Inhaltlich können wir kein Vorhaben unterstützen, das keine echte Reform des Gymnasiums zur Folge hat. Wenn wir die Schulzeit verkürzen und ansonsten alles beim alten bleiben soll, dann ist das ganz einfach zu wenig. Daher wird auch die vom Ministerium initierte probeweise Einführung eines 8-jährigen Gymnasiums von uns mit großer Skepsis betrachtet. Der SSW ist der Auffassung, dass wir eine grundlegende Reform des Bildungssystems brauchen. Beispielsweise sollten wir uns überlegen, ob es wirklich langfristig sinnvoll und zukunftsfähig ist, weiterhin fünf verschiedene Schularten aufrechtzuerhalten. Wir brauchen flexiblere Lösungen als die heutigen, damit das Schulsystem schneller auf Veraänderungen reagieren kann. Stichwort: Multimedia. Das erreichen wir nicht indem wir alle Strukturen zementieren und dies als Reform verkaufen.

Weitere Artikel

Rede · 26.02.2021 Der SSW will die Altersarmut in der Pandemie mildern

„Rentnerinnen und Rentner haben häufig geringe Einkommen, aber pandemiebedingte Mehrbelastungen. Wir müssen die gröbsten Härten abmildern“

Weiterlesen

Pressemitteilung · Kiel · 26.02.2021 Entwicklung von Innenstadt und Stadtteilzentren: Städtetag vertritt Positionen der SSW-Ratsfraktion Kiel

In seiner gestrigen Pressemeldung „‘Förderprogramm Innenstadt‘ des Bundes soll Corona-Folgen auffangen helfen“ erhebt der Deutsche Städtetag zwei Kernforderungen zur Innenstadtförderung, die in Kiel von der SSW-Ratsfraktion Kiel bereits seit einiger Zeit für die Landeshauptstadt gefordert werden. Der Zwischenerwerb von Schlüsselimmobilien zur Weitervermietung sowie die unbedingte Stärkung der Stadtteilzentren werden dort als zentrale Gestaltungswerkzeuge erkannt. Dazu erklärt Ratsherr Marcel Schmidt, Fraktionsvorsitzender der SSW-Ratsfraktion:

Weiterlesen

Rede · 26.02.2021 Rede zu Protokoll gegeben Erneuerbare Energien schaffen Wertschöpfung in der Region

"In einer Studie von 2017 des „Forum Ökologische-Soziale Marktwirtschaft“ wurde untersucht, wie hoch die Förderung fossiler Energieträger im Zeitraum 1970 bis 2016 waren. Demnach lag die gesamte reale Förderung für Atomenergie, Steinkohle und Braunkohle bei 674 Milliarden Euro."

Weiterlesen