Rede · 29.01.2026 Eltern-Kind-Kuren sind kein Luxusgut!

„Wir sagen: Finger weg von dieser wichtigen Familienleistung!“

Christian Dirschauer zu TOP 9 - Kürzungsvorschlägen bei stationären medizinischen Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und Väter entschieden entgegentreten (Drs. 20/3867(neu))

Zugegeben: es ist mittlerweile ein knappes halbes Jahr vergangen, seit der Chef der kassenärztlichen Bundesvereinigung Kürzungen bei Eltern-Kind-Kuren angeregt hat. Und nach meinem Kenntnisstand sind diese Pläne bisher auch nicht weiter vorangetrieben oder irgendwie konkretisiert worden. Man könnte also meinen, dass es bei dieser Thematik Entwarnung gibt. Aber dieses Ereignis und auch unser Antrag bleiben aus Sicht des SSW trotzdem aktuell und wichtig. Und zwar deshalb, weil der finanzielle Druck auf die gesetzlichen Krankenkassen absehbar weiter steigen wird. Und bei aller berechtigten Aufgabenkritik steht damit eben auch eins zu befürchten: Dass es weitere Versuche geben wird, auch und vielleicht gerade bei denjenigen zu sparen, die sich am wenigsten dagegen wehren können.

Ich habe es im Vorfeld gesagt und will es gerne noch einmal betonen: Kürzungen bei Eltern-Kind-Kuren würden die völlig Falschen treffen. Wir reden hier über oft dringend benötigte medizinischen Vorsorge und Reha-Maßnahmen, auf die es aus guten Gründen einen gesetzlichen Anspruch gibt. Eltern-Kind-Kuren können gesetzlich Krankenversicherte nur einmal alle vier Jahre beantragen. Mütter oder Väter besuchen dann in diesem Rahmen oft gemeinsam mit ihren Kindern eine Kureinrichtung. Das ist kein Urlaub auf Staatskosten, sondern gelebte Prävention und hilft nachweislich dabei, familiäre Belastungen, Erschöpfung oder auch gesundheitliche Probleme abzumildern oder wirksam vorzubeugen. Wir reden hier also nicht über ein Luxusangebot, das man mal eben zusammenstreichen kann, sondern über eine Maßnahme, die für viele Familien der sprichwörtlich letzte Strohhalm ist. Und deshalb sagen wir ganz deutlich: Finger weg von dieser wichtigen Familienleistung!

Ich denke, ich muss hier niemandem erklären, dass das Familienleben anspruchsvoll sein kann. Der Alltag kann sehr stressig sein und ist häufig mit nicht planbaren Herausforderungen verbunden. Viele Familien leben daher zumindest phasenweise am Limit ihrer Belastbarkeit. Nicht selten funktionieren Eltern einfach nur, weil sie für ihre Kinder da sein wollen. Dabei kommen sie dann aber oft selbst zu kurz. Eltern-Kind-Kuren bieten hier die wichtige Möglichkeit, eine Auszeit zu nehmen, um auf die eigene Gesundheit zu fokussieren und neue Energie zu sammeln. Diese Option muss unbedingt erhalten bleiben. Wer das noch immer anders sieht, muss sich eins bewusst machen: Ziel dieser Maßnahmen ist es, eine Chronifizierung von Erkrankungen und häufig sogar eine Arbeitsunfähigkeit zu verhindern. Ohne diese Hilfe steigen also nicht nur die Belastungen für die Familien, sondern auch die negativen Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld der Betroffenen. Im Ergebnis können hohe Folgekosten entstehen.

DRK, Müttergenesungswerk und der Arbeitskreis Familienhilfe haben es auf den Punkt gebracht: Dieser Sparvorschlag ist nicht nur fachlich unbegründet und gesundheitspolitisch kurzsichtig, sondern vor allem auch gesellschaftlich unverantwortlich. Ich hoffe, dass wir diese Einschätzung hier mehrheitlich teilen und uns zukünftig gemeinsam gegen ähnliche Vorstöße stellen. Und denjenigen, die den Wert präventiver Maßnahmen noch immer nicht sehen wollen, kann ich noch ein rein finanzielles Argument an die Hand geben: Eltern-Kind-Kuren sind für unser Bundesland ein nicht unerheblicher Wirtschafts- und Standortfaktor. Von Sylt bis Timmendorf gibt es eine Vielzahl an Kurkliniken. Und diese Einrichtungen bieten vielen Menschen ein gutes Einkommen und sorgen für Wertschöpfung in den jeweiligen Regionen.

Natürlich gehört zur Wahrheit dazu, dass die laufenden Kosten der Krankenkassen stärker steigen als die Einnahmen. Es ist also dringend notwendig, sich Gedanken über Gegenmaßnahmen zu machen. Aber ich vermute stark, dass es nicht nur im Bereich des Leistungskatalogs selbst, sondern zum Beispiel auch mit Blick auf die Verwaltung Einsparpotenziale gibt, die mehr Sinn ergeben, als Präventivkuren zu streichen. Noch einmal: Jeder in Prävention investierte Euro zahlt sich um ein Vielfaches aus. Noch dazu lag der Kostenanteil für Eltern-Kind-Kuren im Jahr 2024 bei gerade einmal 0,18 Prozent der Gesamtausgaben der Krankenkassen. Da liegt doch auf der Hand, dass wir angemessenere und vor allem klügere Vorschläge brauchen, um dieses System zu stabilisieren. 

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