Speech · 06.05.2026 Der Lehrkräftemangel trifft die Gemeinschaftsschulen besonders

„Das System Bildung braucht viel mehr Ressourcen, um die Herausforderungen erfolgreich umsetzen zu können. Die Struktur der Schulbegleitung, das individuelle Recht auf Begleitung, um den Schulalltag zu meistern, stößt an seine Grenzen.“

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 15 - Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe- Leistungsvermögen und Herausforderungen (Drs. 20/4330)

Die Antworten und Ergebnisse der großen Anfrage der SPD, zu der Situation in unseren Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe, haben mich kaum überrascht. Wenn man den Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern der Gemeinschaftsschulen in den letzten Jahren zugehört hat, dann weiß man, dass Theorie und Praxis weit auseinander liegen. Gemeinsames und voneinander lernen trägt zur Bildungsgerechtigkeit bei. Hier werden Schüler unabhängig von Herkunft, Unterstützungsbedarf oder familiären Hintergrund gemeinsam unterrichtet und sollen somit die gleichen Chancen auf einen erfolgreichen Schulabschluss erhalten. Auch die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe sollen den Schülerinnen und Schülern einen nahtlosen Übergang zu einer Oberstufe und somit zum Abitur ermöglichen. In der Realität bei uns in Schleswig-Holstein klingt diese Idee eher nach einer „eierlegende Wollmilchsau“. Denn die Realität ist, wie auch den Zahlen der Anfrage zu entnehmen ist, sehr herausfordernd für die Gemeinschaftsschulen. Herausfordernd für alle Schulformen ist der aktuelle Lehrkräftemangel, der Unterrichtsausfall, die Digitalisierung und die bedarfsgerechte Inklusion. Der Anteil an Schülerinnen und Schüler mit anerkannten Förderbedarf ist besonders an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe gestiegen. Die durchschnittlichen Klassengrößen selbst in inklusiven Klassen liegen bei 21,7 Schülerinnen und Schülern. Auch wenn einige Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe mit hohem Sozialindex, eine Unterstützung durch das Startchancenprogramm erhalten,
besteht für alle Schulen die Aufgabe, ihren Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden und sie auf einen erfolgreichen Schulabschluss vorzubereiten. Egal ob ESA oder MSA oder ABI.
Das bedeutet dann auch, dass ein gymnasiales Niveau gefördert und unterrichtet werden muss,
um den Schülerinnen und Schülern einen guten Übergang in eine Oberstufe an einer anderen Schule zu ermöglichen. Da der Lehrkräftemangel die Gemeinschaftsschulen besonders trifft, und an den Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe oft das gymnasiale Lehramt fehlt, besteht die Herausforderung, das gymnasiale Niveau an der Sek I zu sichern. Grundsätzlich decken sich die Ergebnisse der Anfrage mit dem, was Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte immer wieder bemängeln. Beim Girls Day zum Beispiel, entstand eine lebhafte Diskussion unter den Schülerinnen darüber, was sie sich am meisten für ihre Schulalltag wünschen. Sie wünschten sich mehr Schulsozialarbeit, sie wünschten sich mehr Campus- oder Flex-klassen. Sie wünschten sich weniger Ausfall von Fachunterricht, der oft viel zu lange ausfällt. 
Und sie waren sich einig das die Schulen barrierefreier werden müssen. Das System Bildung braucht viel mehr Ressourcen, um die Herausforderungen erfolgreich umsetzen zu können. Die Struktur der Schulbegleitung, das individuelle Recht auf Begleitung um den Schulalltag zu meistern stößt an seine Grenzen. Wir brauchen endlich einheitliche Regeln und Konzepte,  die dem Kind, den Klassenkameradinnen und der Schulstruktur gerecht werden. Deshalb sollte der Modellversuch mit dem Konzept, die Schulbegleitungen im Multiprofessionellen Team anzugliedern- jetzt schnell starten und möglichst bald flächendeckend ungesetzt werden. Grundsätzlich sollte überlegt werden, das - analog zum skandinavischem Bildungssystem - gemeinsame Lernen bis zur sechsten Klasse an der Grundschule einzuführen. Das könnte Grundschulen stärken, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien entlasten. 
Vor allem würde es den Druck auf die Kinder verringern, bereits nach der vierten Klasse nach Schulart getrennt zu werden. Letztendlich endet jede Bildungsdebatte mit denselben Erkenntnissen! 
Schule braucht mehr finanzielle Ressourcen, gut ausgebildete Akteure und Raum für Entwicklung, 
um sich an die Herausforderungen von morgen vorbereiten zu können!

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