Speech · 18.09.2026 Ein echter Gamechanger made in Schleswig-Holstein!
„Biogas und Biomethan, basierend auf Gülle, Grünschnitt und anderen Reststoffen, bieten genau das, was unser Energiesystem so dringend benötigt: Sie sind grundlastfähig, flexibel steuerbar, klimaneutral und sie schaffen echte Wertschöpfung in unseren ländlichen Räumen.“
Dr. Michael Schunck zu TOP 22 - Biogas als tragende Säule der Energiewende stärken (Drs. 20/4748)
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,
der Antrag von CDU und Bündnis`90/Die Grünen adressiert genau die Punkte, die wir bereits im März 2024 in der 56. Sitzung des Landtages debattiert haben. Und schon damals waren sich alle Fraktionen einig, den Antrag der Koalition zu einer Bundesratsinitiative zu unterstützen.
Der SSW unterstützt weiterhin alle Punkte, die in dem vorliegenden Antrag aufgerufen werden, vollumfänglich und aus voller Überzeugung!
Uns muss klar sein, dass wir das Sterben unserer Biogasanlagen nicht verhindern werden, wenn wir keine verlässliche Anschlussförderung nach dem EEG schaffen. Und wenn wir die Umrüstung auf einen flexiblen Betrieb der Anlagen nicht massiv entbürokratisieren, dann sägen wir an dem Ast, auf dem die regionale Energiewende sitzt. Der Blick auf die aktuelle energiepolitische Gesamtlage zeigt doch, wie hochaktuell und lebensnotwendig diese heutige Debatte ist.
Auf Bundesebene wird uns von unserer Wirtschafts- und Energieministerin Reiche eindrücklich erklärt, wir müssten jetzt vor allem auf den Bau neuer, fossiler Gaskraftwerke setzen. Erdgas soll die Rettung sein. Aber mal ehrlich, das ist keine Zukunftsstrategie, das ist eine krasse Fehleinschätzung! Fossiles Erdgas kann keine zukunftsfähige Alternative für unser Land sein.
Nicht nur, weil wir als SSW die Förderung von Fracking-Gas aus ökologischen Gründen konsequent ablehnen. Vielmehr kann es nicht sein, dass wir Umweltschäden in anderen Ländern hinnehmen, nur um unsere Energieversorgung zu sichern.
Zum anderen löst Erdgas unser Grundproblem nicht: Es zementiert eine fatale wirtschaftliche Abhängigkeit. Wer ernsthaft glaubt, es sei ein Fortschritt, wenn wir uns aus der Erpressbarkeit durch Russland befreien, nur um uns jetzt auf Gedeih und Verderb an Fracking-Gas aus den USA und die Launen eines Donald Trump zu ketten, der ist im geopolitischen Blindflug!
Noch dazu haben unsere heimischen Gasspeicher aktuell wieder einen besorgniserregenden Tiefstand erreicht. Wir erinnern uns doch alle noch allzu gut daran, wie dramatisch diese Situation schon einmal war.
Als damals Robert Habeck als Bundeswirtschaftsminister vor den leeren Speichern stand, musste unter extremem Zeitdruck und mit Milliardenaufwand eine LNG-Infrastruktur hochgezogen werden, um einen drohenden Energieengpass abzuwenden und uns von russischem Gas unabhängig zu machen.
Sollen wir uns wirklich dauerhaft von Drittstaaten und den Launen derer Regierungschefs abhängig machen?
Wir brauchen doch nur die aktuelle Situation im Nahen Osten anschauen: Der Krieg von Israel und den USA gegen den Iran führt dazu, dass die Schifffahrt durch die Straße von Hormus nahezu vollständig gestoppt wurde.
Dadurch steigen die Preise für fossiles Gas und Öl weiter und weiter in immer unaufhaltbarere Höhen. Das belastet nicht nur unsere Bürgerinnen und Bürger, das gefährdet auch die wirtschaftliche Entwicklung in Schleswig-Holstein.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sollten also verstärkt auf unsere vorhandenen Energiequellen setzen, deren Ausbau und Finanzierung fördern und für Planungssicherheit sorgen, statt die Probleme von heute mit den Technologien von gestern zu lösen.
Biogas und Biomethan, basierend auf Gülle, Grünschnitt und anderen Reststoffen, bieten genau das, was unser Energiesystem so dringend benötigt:
Sie sind grundlastfähig, flexibel steuerbar, klimaneutral und sie schaffen echte Wertschöpfung in unseren ländlichen Räumen. Ein echter Gamechanger Made in Schleswig-Holstein.
Es ist daher dringend geboten, dass die Landesregierung sich bei der Bundesregierung und im Bundesrat dafür einsetzt, Biogas als Energiewendeoption endlich angemessen zu berücksichtigen.
Wir vom SSW stimmen dem Antrag wie schon damals auf jeden Fall aus voller Überzeugung zu.