Press release · 13.09.2018 Heimkinder haben in der Jamaika-Koalition keine Lobby

Die Koalitionsfraktionen von CDU, FDP und Grünen haben heute im Bildungsausschuss einen SSW-Antrag zur öffentlichen Beschulung von Heimkindern aus anderen Bundesländern abgelehnt. Hierzu erklärt die bildungspolitische Sprecherin des SSW im Landtag, Jette Waldinger-Thiering:

„Den Jamaika-Koalitionären ist es offenbar nicht prestigeträchtig genug, sich für die Grundrechte von Heimkindern einzusetzen. Die betroffenen Kids scheinen ihnen jedenfalls egal zu sein. Anders kann ich mir nicht erklären, warum die regierungstragenden Fraktionen unseren Gesetzentwurf zur gleichberechtigten Beschulung von Heimkindern erst um Wochen verschieben, um ihn dann eiskalt abzulehnen.“ 

Hintergrund der Debatte: Nach geltendem Schulgesetz unterliegen nur Heimkinder, die ihren Hauptwohnsitz in Schleswig-Holstein haben, der Schulpflicht. Für Heimkinder aus anderen Bundesländern gilt: Sie können öffentlich beschult werden, müssen es aber nicht. Die Entscheidung trifft die Schulleitung vor Ort. 

Nicht nur der SSW, sondern auch der Kinderschutzbund und viele andere Akteure sehen darin eine Ungleichbehandlung, die es nicht geben darf. Denn nach der Verfassung hat jeder Mensch ein Recht auf Bildung. „Wesenskern der Schulpflicht ist schließlich, dass alle Kinder regelbeschult werden, es sei denn es sprechen schwerwiegende Gründe dagegen. Bei den betroffenen Heimkindern ist es rechtlich umgekehrt: Sie müssen sich ihr Recht auf Regelbeschulung erkämpfen, nur weil ihre Elteren woanders wohnen. Das geht gar nicht“, so Jette Waldinger-Thiering. 

Der SSW hatte deshalb eine Änderung zum Schulgesetz eingebracht, wonach auch Kinder, die ihren „regelmäßigen  Aufenthaltsort“ in Schleswig-Holstein haben, künftig der Schulpflicht unterliegen sollen. Eine Formulierung, wie sie in fast allen anderen Bundesländern ebenfalls zu finden ist. 

Im August sollte der SSW-Entwurf im Bildungsausschuss beraten werden, doch die Jamaika-Mehrheit nahm ihn wieder von der Tagesordnung. Man habe noch Beratungsbedarf, hieß es. Dabei lagen die Stellungnahmen aus der schriftlichen Anhörung bereits seit Wochen auf ihrem Tisch - und waren weit überwiegend und unübersehbar positiv. 

Heute, vier Wochen später, lehnten CDU, FDP und Grüne zunächst den SSW-Vorschlag über eine mündliche Anhörung ab und im Anschluss dann auch den Gesetzentwurf selbst. Angeblich weil die Stellungnahmen so negativ gewesen seien.

„Das ist der Hohn und ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Wenn wirklich Beratungsbedarf bestanden hätte, dann wäre eine mündliche Anhörung geradezu angezeigt gewesen“, so Jette Waldinger-Thiering: „Die Jamaika-Koalition sollte wenigstens so ehrlich sein, den Menschen ins Gesicht zu sagen, dass die Grundrechte von Heimkindern ihnen kein Gesetz wert sind“. 

Weitere Artikel

Press release · 30.10.2026 Finanznot der Kommunen: Landesregierung darf sich nicht hinter Gerichtsurteil verstecken

Das Landesverfassungsgericht hat heute die Verfassungsbeschwerden von 137 Gemeinden gegen den kommunalen Finanzausgleich für unzulässig erklärt. Zu der Entscheidung erklärt der Vorsitzende und finanzpolitische Sprecher der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

Weiterlesen

Press release · 30.10.2026 Steigende Verkehrsemissionen: Schwarz-Grün verspielt jede Glaubwürdigkeit

CDU und Grüne haben den Menschen sinkende CO₂-Emissionen im Verkehr versprochen. Und liefern das Gegenteil: Nach aktueller Prognose wird Schwarz-Grün sein für 2030 gesetztes Klimaziel im Verkehrssektor um rund eine Million Tonnen verfehlen. Hierzu erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:

Weiterlesen

Press release · 30.10.2026 Dirschauer fordert höhere Entlastung für Menschen mit Behinderungen

Menschen mit Behinderungen müssen häufig zusätzliche Kosten im Alltag tragen. Doch die steuerlichen Pauschbeträge, die sie entlasten sollen, wurden seit 2021 nicht mehr erhöht. Der SSW fordert deshalb eine Anhebung um 50 Prozent und eine künftige Anpassung an die Preisentwicklung. Einen entsprechenden Antrag hat die SSW-Landtagsfraktion jetzt eingebracht. Hierzu erklärt der Fraktionsvorsitzende Christian Dirschauer:

Weiterlesen