Speech · 31.05.2001 Kinder- und Jugendtelefon

Der SSW ist sicherlich die Partei hier im Landtag, die mit größter Skepsis die Entwicklung im Ehrenamtlichen-Bereich sehen. Die Arbeit der Minderheiten beruht in besonderem Maße auf solche Ehrenämter und deshalb wissen wir nur allzu gut um die in vielen Bereichen abnehmende Bereitschaft, sich verbindlich und unentgeltlich für andere einzusetzen. Gerade weil wir sehr skeptisch sind, wenn es darum geht, soziale Hilfen auf das Fundament des Ehrenamtes zu stellen, haben wir aber auch um so größeren Respekt vor den Leistungen in diesem Bereich.

Ich muss gestehen: Es hat mich schwer beeindruckt, dass allein die 4 Kinder- und Jugendtelefone in Schleswig-Holstein auf der Arbeit von 136 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beruhen, die sich neben dem Telefondienst regelmäßig einer Supervision und Fortbildungsveranstaltungen unterziehen müssen, und auch noch eine 60-stündige Ausbildung durchlaufen haben, die sie auch noch zumeist selbst zahlen. Diese vielen ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater haben unseren tiefsten Respekt verdient. Ihr En-gagement ist bewundernswert und vorbildhaft.
Wie wichtig diese Arbeit ist, unterstreicht schon das umfangreiche Zahlenmaterial des vorliegenden Berichts. Die Inanspruchnahme ist enorm. Über 26.000 Gespräche im Jahr 2000 allein beim Regionaltelefon in Kiel machen deutlich, dass die Kinder- und Jugendtelefone gar nicht mehr wegzudenken sind.

Wir erwarten deshalb auch, dass die Landesregierung sich dafür einsetzt, das diese wertvolle Arbeit nicht gefährdet ist. Es hat bereits Probleme mit der Finanzierung des Kinder- und Jugendtelefons Kiel gegeben. Das hat die Landesregierung für das Jahr 2001 glücklicherweise abgewendet. Es muss aber eine dauerhafte Finanzierung gefunden werden.

Wir erwarten, dass die Landesregierung mit den Kreisen und kreisfreien Städten zu einer tragfähigen Lösung kommen, damit die Kosten zukünftig voll gedeckt sind. Angesichts des enormen ehrenamtlichen Einsatzes, dessen Wert ja vom Kinderschutzbund mit über 100.000 Markt beziffert wird, wäre es peinlich, wenn im Geschacher um wenige tausend Mark keine Einigung erzielt werden könnte. Das nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass das finanzielle Engagement des Landes bisher relativ bescheiden gewesen ist.

Ähnliches gilt für das Elterntelefon. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gestrigen Debatte über die Familienpolitik begrüßen wir natürlich alle die Einrichtung eines Elterntelefons in Schleswig-Holstein. Eine solche niedrigschwellige Hilfe ist zweifellos ein sehr guter Ansatz, um Eltern in ihren täglichen Erziehungsaufgaben zu unterstützen. Wir vertrauen darauf, dass Land, Kreise und kreisfreie Städte ihres dafür tun werden, dass die auf allen Ebenen verkündeten Bekenntnisse zur Familie auch in der Absicherung des flächendeckenden bundeseinheitlichen Elterntelefons zum Ausdruck kommen werden.

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