Speech · 10.10.2002 Leistungsvergleiche

Die Diskussion um quantitative Leistungsvergleiche –also um einen direkten Vergleich der Noten von Schülerinnen und Schülern - ist ja nicht neu, sie wird aber seit der Veröffentlichung der Pisa-Studie im letzten Jahr wieder verstärkt geführt. Bestimmte Lehrerverbände - wie der Philologen-Verband - sehen in diesem Instrument ein Allheilmittel, um eine Leistungssteigerung der Schülerinnen und Schüler zu erreichen.
Es ist sicherlich richtig, dass es bereits einige Länder gibt, in denen solche Leistungsvergleiche intensiv genutzt werden – zum Beispiel in Großbritannien. Die dänische Regierung hat sich auch davon anstecken lassen, aber anders als bei ist der Widerstand groß - sowohl bei den Lehrern und Lehrerverbänden als auch bei den Eltern.
Die CDU will durch aussagekräftige Schulleistungsvergleiche nicht nur die Leistungen der Schülerinnen und Schüler, sondern auch der einzelnen Schulen verbessern. Dazu wird die Bil-dungsministerin aufgefordert, die Lehrpläne für alle Schularten in Schleswig-Holstein mit dem Ziel zu überarbeiten, dass künftig zwei Drittel der Lehrinhalte verbindlich und landeseinheitlich vorgegeben werden. Weiter sollen zentrale Prüfungen in den Kernfächern für die Abschlussar-beiten aller weiterführenden Schularten eingeführt werden, sowie landesweite Vergleichsarbei-ten ab Klassenstufe 5.

Ab dem Schuljahr 2003/2004 sollen dann die Voraussetzungen geschaffen werden, durch Veröffentlichung der zentralen Prüfungsergebnisse ein landesweites Ranking zu schaffen. So sieht also die schöne neue Schulwelt der CDU aus: Leistung, Leistung, Leistung.

Natürlich ist gegen einen qualitativen Vergleich der Schulen und Schularten im Sinne der Pisa-Studie nichts einzuwenden. Denn wir brauchen Informationen und Daten über den aktuellen Zustand unserer Schulen. Aber dennoch bin ich der Meinung, dass der von der CDU vorge-schlagene Weg ein Irrweg ist. Ein Leistungsvergleich auf der Grundlage von einheitlichen Lehrplänen und Prüfungen auf der Grundlage von Zensuren führt zum einen zu einer Fokussie-rung auf den Output und nicht auf den Input des Unterrichts: nämlich auf dieVermittlung des Wissens. Und bei allem, was wir über die Pisa-Studie erfahren haben, ist ja gerade auch die Vermittlung des Lehrstoffes ein Problem. Wie sollen die Probleme der Unterrichtsqualität durch bloßen Notenvergleich verbessert werden?

Zum anderen birgt der CDU-Vorschlag eine enorme Zentralisierung des Schulwesens in sich. Der Spielraum der einzelnen Schule wird stark eingeengt und die Autonomie geht flöten. Ich glaube nicht, dass dieses sinnvoll ist. Nicht so zu verstehen, dass jede Schule völlig autonom den Unterrichtsinhalt bestimmen sollte. Aber die Erfahrung zeigt, dass eine gewisse Flexibilität gerade auch vor Ort von Nöten ist.
Wie sagt der schon vorhin von mir zitierte Grundschulverband in seinen Zielsetzungen:
„Zensuren und ständige Leistungsvergleiche, gleiche Anforderungen an alle und gleichmäßiges Fortschreiten im Unterrichtsstoff gelten als Museumsstücke vordemokratischer Pädagogik."

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