Press release · 09.02.2022 Menstruationsartikel kostenlos zur Verfügung stellen

Der Zugang zu Tampons oder Binden darf keine Frage des Geldbeutels sein. Mit seinem Antrag auf kostenlose Menstruationsprodukte in öffentlichen Einrichtungen will der SSW im Landtag auch ein überfälliges Tabu brechen.

Der SSW im Landtag hat die Landesregierung aufgefordert dafür zu sorgen, dass in allen öffentlichen Einrichtungen des Landes mit Publikumsverkehr künftig kostenlose Menstruationsprodukte zur Verfügung gestellt werden. Ferner soll die Regierung darauf hinwirken, dass auch in kommunalen Einrichtungen ein entsprechender Beitrag zur Beseitigung von Periodenarmut geleistet wird. Der SSW-Antrag ist als Drucksache 19/3620 im Landtagsinformationssystem abrufbar.

Von Periodenarmut spricht man, wenn eine Person sich keine Menstruationsartikel wie Tampons oder Slipeinlagen leisten kann.

"Wie viele in Schleswig-Holstein von diesem Problem betroffen sind, lässt sich schwer beziffern. Denn Menstruation ist leider auch hierzulande immer noch ein Tabuthema, das mit gesellschaftlichen Stigmata und entsprechender Scham behaftet ist", sagt Jette Waldinger-Thiering, frauenpolitische Sprecherin des SSW im Landtag.

"Rund 20.000 Euro muss eine Person im Laufe ihres Lebens für Menstruationsprodukte ausgeben. Da braucht es nicht viel Phantasie sich auszumalen, dass es Menschen gibt, die das Geld einfach nicht haben und auf Hygienemaßnahmen ausweichen müssen, die im Zweifelsfall gesundheitsschädlich sein können. Und ich finde, das dürfen wir als Gesellschaft einfach nicht zulassen", so die SSW-Abgeordnete.  

Durch die öffentliche Auslage kostenloser Periodenprodukte würde Betroffenen effektiv und barrierearm geholfen. Und mehr noch: "Die Sichtbarkeit würde zu einer positiven Aneignung und Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper beitragen und dazu führen, dass Stigmata und Scham abgebaut werden", ist Jette Waldinger-Thiering überzeugt.

Bereits im Februar 2021 hatte der SSW einen Bericht der Landesregierung zum Thema Periodenarmut beantragt. Dieser liegt nunmehr vor und ist allenfalls ernüchternd, meint Christian Dirschauer, sozial- und gesundheitspolitischer Sprecher des SSW im Landtag:

"In dem 12-seitigen Papier beschäftigt sich die Landesregierung viel mit der Frage, was andere tun um Periodenarmut zu beseitigen. Kein Wort findet sich hingegen darüber, was Jamaika selbst gedenkt in Landeseinrichtungen zu unternehmen. Ambitionsloser geht es eigentlich nicht", sagt Dirschauer.

"Statt Handlungsbereitschaft zu zeigen versteckt sich die Landesregierung hinter dem Argument, ein Gesetz über den kostenlosen Zugang zu Periodenartikeln würde in Konkurrenz mit der Bundesgesetzgebung treten und sei deshalb nicht möglich. Dabei hat niemand ein Gesetz gefordert", so der Gesundheitspolitiker.  

Dass es auch ohne gehe, zeigten mehrere Schulen und Kommunen, die längst über entsprechende Angebote verfügten.

"Dafür braucht es eigentlich nur einen Willen - und genau den vermissen wir bei Jamaika", beklagen die beiden SSW-Abgeordneten, die nun darauf hoffen, dass sich auch andere demokratische Parteien der SSW-Initiative anschließen werden.
 

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